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Immer mehr krebskranke Hunde und Katzen

Auch bei Tieren gehen die Diagnose-Zahlen hoch
Das Schweizer Konsumentenmagazin 'saldo' berichtet und gibt Vorsorgetipps.

Krebs: Wird der Tumor zu spät entdeckt, hilft oft nur noch eine Chemotherapie

Fast jeder zweite Hund über zehn Jahre stirbt an Krebs. Auch viele Katzen leiden unter bösartigen Tumoren. Die Tiere können länger leben, wenn man die Symptome frühzeitig erkennt.

Die Hündin Trulla war acht Jahre alt, als sie plötzlich mit einem Vorderbein zu hinken begann und ständig an einer geschwollenen Zehe leckte. Diagnose des Tierarztes: Hautkrebs. Die befallene Zehe wurde amputiert. Ein Jahr später hinkte der Riesenschnauzer wieder. Der Krebs hatte inzwischen auch Schulter und Lunge befallen. Die Hundehalterin entschied schweren Herzens, das Tier von den Schmerzen zu erlösen; Trulla wurde eingeschläfert.

Krebs bei Katzen oft aggressiver als bei Hunden

«Die Zahl der Krebsfälle bei Hunden und Katzen ist in den letzten Jahren massiv gestiegen», sagt Tina Hölscher, Veterinärin der deutschen Tierschutzorganisation Aktion Tier. Hauptgrund: Dank der Fortschritte in der Tiermedizin werden die Vierbeiner immer älter, typische Alterskrankheiten nehmen zu. Hölscher: «Vor allem bösartige Tumore kommen heute sehr häufig vor.»
«Bei Haustieren kennen wir praktisch alle Krebsformen, an denen auch der Mensch erkrankt», sagt Tier-Onkologin Barbara Kaser. Hunde erkranken laut der Spezialistin doppelt so häufig an Krebs wie Menschen, Katzen halb so häufig. Für Katzenbesitzer ist das aber kein Grund zur Erleichterung. «Zwar bekommen Hunde häufiger Krebs als Katzen, aber wenigstens sind ihre Krebserkrankungen tendenziell weniger bösartig», weiss Kaser. «Bei Katzen verläuft der Krebs oft aggressiver.»

Bestrahlung und Chemotherapie auch bei Haustieren

Glücklicherweise kann heute mehr als jedes zweite Tier geheilt oder so therapiert werden, dass es bei guter Lebensqualität älter werden kann. Doch wie beim Menschen gilt: Die Früherkennung ist entscheidend. Zeigt der Hund oder die Katze verdächtige Symptome (siehe Kasten), sollte der Besitzer sofort einen Tierarzt konsultieren. Bei Verdacht auf Krebs wird dieser
eine Gewebeprobe nehmen. Ist das Gewebe bösartig, untersucht der Arzt Ursprung und Ausdehnung des Tumors, macht ein Blutbild und röntgt. Wenn der Krebs in der Lunge bereits Ableger gebildet hat, ist eine Heilung meist aussichtslos.
Besteht eine Chance auf Genesung, werden Tumore wenn immer möglich chirurgisch entfernt. Ist eine Operation riskant oder kann der Tumor nicht ausreichend vernichtet werden, wird der Hund oder die Katze unter Narkose bestrahlt. Die Strahlentherapie wird vor allem auch bei Tumoren am Kopf eingesetzt. «Um die Nebenwirkungen gering zu halten, wird die Bestrahlung auf viele tägliche Einzeldosen aufgeteilt und über drei bis vier Wochen verabreicht», erklärt Carla Rohrer Bley, Leiterin der Radio-Onkologie an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich. In manchen Fällen kann auch eine Chemotherapie nötig sein. Heisst: Der ganze Körper wird über die Blutbahn mit einem Medikament behandelt, welches das Wachstum der Tumorzellen verhindern soll.
Ist es chirurgisch nicht möglich, nur den Tumor zu entfernen, muss in manchen Fällen der betroffene Körperteil amputiert werden.

Krebsanfälligkeitist auch von der Rasse abhängig

Die Nebenwirkungen der einzelnen Behandlungen sind unterschiedlich: Nach einer Operation kann es zu Schwellungen und Entzündungen kommen. Bei der Strahlentherapie fallen an der betroffenen Stelle Haare aus, und eine Chemotherapie kann kurzfristig Erbrechen oder Durchfall auslösen. Weshalb ein Tier an Krebs erkrankt, ist schwierig zu klären. Fachleute betonen, dass meist verschiedene Faktoren dazu beitragen. Eine wichtige Rolle spielt sicher das steigende Alter. Ein weiterer Aspekt ist die Rasse. «Hunde und Katzen bestimmter Rassen sind eher gefährdet, da diese genetisch anfälliger für bestimmte Krebsarten sind», weiss Tina Hölscher von Aktion Tier. Zum Beispiel bekommen Boxer, Golden Retriever und Dobermann häufiger einen Hirntumor als andere Rassen. Laut Onkologin Barbara Kaser erkranken vor allem grosse Hunde an Knochenkrebs – und zwar zehnmal häufiger als Menschen.
Wissenschaftern zufolge sind auch Tiere von Rauchern einem zusätzlichen Risiko ausgesetzt. Eine amerikanische Studie mit 194 Katzen hat gezeigt, dass Katzen in einem Raucherhaushalt doppelt so häufig an Krebs erkranken wie Katzen von Nichtrauchern. Die Tiere nehmen beim Ablecken des Fells Rauchpartikel auf; ausserdem atmen Katzen schneller als Menschen. Auch Hunde in Raucherhaushalten besitzen laut österreichischen Forschern ein 60 Prozent höheres Risiko, Lungenkrebs zu bekommen.

«Einmal pro Woche sollten die Besitzer ihr Tier abtasten»

Tierärzte werden oft auf den Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs angesprochen. «Die wenigsten Studien dazu kommen zu schlüssigen Ergebnissen», sagt Fabienne Müller, Tierärztin an der Vetsuisse-Fakultät. Man vermute beispielsweise, dass die Ernährung von Katzen mit Dosenfutter – im Speziellen Thunfisch – mit der Entstehung von Mundhöhlenkrebs in Verbindung stehen könnte. «Allerdings spielt die Ernährung bei der Krebsentstehung eine untergeordnete Rolle», sagt Müller.
Wer seinen Hund oder seine Katze schützen will, muss die Tiere vor allem gut beobachten und mögliche Symptome ernst nehmen. Tina Hölscher rät: «Einmal wöchentlich sollten die Besitzer ihr Tier auf Hautveränderungen abtasten.» Schnell wachsende, nicht gut verschiebbare Verdickungen mit harten und weichen Anteilen und unregelmässigen Rändern deuten auf einen bösartigen Tumor hin.
Ein weiterer Tipp: Hündinnen sollten möglichst früh kastriert werden. Das Risiko, an Brustdrüsenkrebs zu erkranken, sinkt dadurch enorm.

Artikel veröffentlicht:
16.10.2007
Autor:
Sabine Rindlisbacher | Konsumentenzeitschrift saldo
Quelle:
saldo 15/2007 | 15. März 2006 Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

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