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Gefahren des Mobilfunks vermeiden

BUND bezieht Position zum Thema Elektrosmog
Elektrosmog bedroht nicht nur die menschliche Gesundheit, sondern ist auch für Schäden in der Tier- und Pflanzenwelt verantwortlich, so der BUND in seiner Pressemitteilung.

Pressemitteilung des BUND vom 29. Oktober 2008

Gefahren des Mobilfunks vermeiden:
BUND legt Konzept zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung vor

Berlin. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) legte heute ein Schutz- und Vorsorgekonzept vor, mit dem ein Mindest-Schutz vor künstlich erzeugten elektromagnetischen Feldern erreicht werden kann, die durch Anwendungen wie Mobilfunk, WLAN und andere kabellose Übertragungstechniken entstehen. Elektrosmog bedrohe nicht nur die menschliche Gesundheit, sondern sei auch für Schäden in der Tier- und Pflanzenwelt verantwortlich.

Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND: „Es ist unverantwortlich, dass Umweltminister Sigmar Gabriel erst kürzlich noch Entwarnung gab, die Strahlung des Mobilfunks schade zumindest erwachsenen Handynutzern nicht. Das EU-Parlament hingegen hält die Grenzwerte nicht für ausreichend. Viele Studien zeigen, dass die Mobilfunkstrahlung nicht nur dem Menschen, sondern auch Pflanzen und Tieren schadet. Zudem weiß man noch viel zu wenig über die Langzeitwirkungen von Strahlung durch Funkanwendungen. Statt jedoch diese Erkenntnislücke zu schließen, genehmigt die Bundesnetzagentur immer weitere Funknetze für neue Anwendungen.“

Beim Menschen nachgewiesene gesundheitliche Schäden seien u. a. Schlafstörungen und Erschöpfungszustände. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten Störungen des vegetativen Nervensystems sowie eine erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke, wodurch Umweltschadstoffe direkt ins Gehirn gelangen können. Zudem bestehe der Verdacht auf Förderung sowie Auslösung von Hirntumoren. Insekten und Tiere wie Bienen, Brieftauben oder Fledermäuse verlören durch künstliche elektromagnetische Felder zum Teil die Orientierung und könnten nicht mehr Heim finden.

Wilfried Kühling, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des BUND: „Lebewesen sind auf natürliche, von der Natur vorgegebene bioelektrische Steuerungsprozesse angewiesen. Mit den technischen Funksignalen wird als Störsender permanent und in immer komplexerer Weise in diese natürliche Steuerung eingegriffen, wodurch falsche und biologisch nicht sinnvolle Reaktionen ausgelöst werden.“ Vor allem in bewohnten Gebieten lägen die künstlichen Felder in vielen Fällen bereits mehr als zehntausend- bis millionenfach höher als die natürliche Strahlung und damit im Bereich von biologisch nachweisbaren Wirkungen. Kühling: „Da diese Strahlung alle festen Körper durchdringt, entsteht quasi eine Zwangsbestrahlung, der sich niemand entziehen kann.“

Der BUND machte zudem Vorschläge, wie eine zukunftsfähige Kommunikationstechnologie aussehen müsse, die Schäden für Gesundheit und Umwelt ausschließe. So müsse der aktuelle Grenzwert für elektromagnetische Strahlung um das Zehnmillionenfache auf 1 Mikrowatt pro Quadratmeter verschärft werden, um die gesetzlich vorgeschriebene Vorsorge zu erreichen. Die mobile Versorgung müsse künftig durch strahlungsarme Anwendungen ermöglicht werden, Sendeanlagen sollten nur an Orten gebaut werden, wo eine minimale Belastung der Anwohner erreicht wird, statt Standorte mit den geringsten Mietkosten auszuwählen. Zudem müssten mehrfach angebotene Netze zurückgebaut und netzgebundene Techniken ausgebaut werden. Der Übergang zu mobilen optischen Übertragungstechniken biete sich als eine gesundheitsverträglichere Alternative an.

Bernd Müller, BUND-Mobilfunkexperte: „Damit künftig Umwelt- und Gesundheitsschäden ausgeschlossen werden können, dürfen Funknetze nicht weiterhin massiv ausgebaut werden, sondern es müssen neue Wege der Kommunikationstechnologie gefunden werden. Dazu gehört auch ein Rückbau vieler Sendeanlagen, weil bereits eine nicht notwendige Mehrfachversorgung vorhanden ist.“

Der Umweltverband will jetzt an Umweltminister Gabriel herantreten und um einen ergebnisoffenen Diskurs unter seiner Leitung mit allen Akteuren und Betroffenen über den weiteren Umgang mit Funktechnologien bitten. Erste Gespräche mit mobilfunkkritischen Gruppen zeigten deren Bereitschaft zur konstruktiven Mitgestaltung.

In Deutschland gibt es rund 260.000 Mobilfunk-Sendeanlagen, ca. 2 Millionen kleinere Sendeanlagen, rund 50 Millionen häusliche Sendeanlagen wie WLAN, schnurlose Telefone und Anlagen zur Daten- und Videoübertragung sowie rund 100 Millionen Mobiltelefone. Viele Geräte würden die Grenzwerte der Verordnung über elektromagnetische Felder (26. BImSchV) überschreiten, dazu gehörten auch als strahlungsarm angebotene DECT-Telefone. Mobiltelefone überschritten die Grenzwerte bis zum Faktor 10.

Die Mobilfunk-Position des BUND „Für zukunftsfähige Funktechnologien“ finden Sie untenstehend. 

Pressekontakt: XXXX bzw. Katrin Riegger, BUND-Pressestelle, Tel. 030-27586-464/-489, Fax: 440, E-Mail: presse@bund.net, www.bund.net

ZUM INHALT


Zusammenfassung 3
Executive Summary 6
1 Einfuhrung 8
2 Wo kommen die hochfrequenten elektromagnetischen Felder her? 11
2.1 Betrachtung der Emissionen (Quellen) 11
2.2 Betrachtung der Immissionen (Einwirkungen) 13
3 Welchen Gefahren und Risiken sind Mensch und Umwelt ausgesetzt? 15
3.1 Gesundheitliche Auswirkungen 15
3.2 Auswirkungen auf Tiere 18
3.3 Auswirkungen auf Pflanzen 21
4 Welche gesellschaftlichen Auswirkungen sind zu befurchten? 23
4.1 Generelle Problemlage 23
4.2 Probleme wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Wahrnehmung 23
4.3 Der Umgang mit Betroffenen 23
4.4 Mobilfunk als Energie- und Ressourcenfresser 24
4.5 Wertminderung von Immobilien 25
5 Welche konkreten Regelungslucken bestehen? 26
5.1 Klarung des Vorsorge- und Gefahrenbegriffs 26
5.2 Die unzureichende Verordnung uber elektromagnetische
Felder – 26. BImSchV 28
6 Welche Schutzziele sind erforderlich und wie sind sie umzusetzen? 30
6.1 Vorbemerkungen 30
6.2 Begrundung von Immissionswerten zum Schutz und zur Vorsorge 31
6.2.1 Grundlagen 31
6.2.2 BUND-Gefahrenabwehrstandard: 100 μW/m2 (0,2 V/m) 33
6.2.3 BUND-Mindest-Vorsorgestandard: 1 μW/m2 (0,02 V/m) 33
6.2.4 Entwicklung einer auf die Dosis bezogenen Messtechnik 34
6.3 Der Diskurs als Losungsweg im Vorfeld verbindlicher Regulierungen 34
7 Die BUND-Losung fur eine zukunftsfahige Kommunikationstechnik 36
7.1 Vorbemerkung zur Wende in der mobilen Kommunikationstechnik 36
7.2 Begrenzung des Ausbaus von HF-Funktechnologien, Frequenzzuteilung 38
7.3 Weiterentwickelte und neue Techniken 38
7.4 Gesetzliche Regelungen 39
7.5 Verbindlicher Diskurs mit gesellschaftlichen Gruppen 41
7.6 Raumliche Vorsorge und Planung 41
7.7 Transparente und zielorientierte Forschung 42
Fussnoten 43

Publikation zum Thema

Format: A4Seitenanzahl: 48 Veröffentlicht am: 01.06.2008

Für zukunftsfähige Funktechnologien

Positionspapier 46
Autor:
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Inhalt:
In Deutschland gibt es (2008) rund 260.000 Mobilfunk-Sendeanlagen, etwa zwei Mio. kleinere Sendeanlagen, rund 50 Mio. häusliche Sendeanlagen wie WLAN oder schnurlose Telefone sowie ca. 100 Mio. Mobiltelefone – sie alle senden elektromagnetische Strahlen aus, die uns draußen und in unseren eigenen vier Wänden ungeschützt durchdringen. Das Positionspapier des BUND arbeitet die Forschungslage auf und entwickelt Forderungen zum Schutz von Mensch, Tier und Umwelt.
Artikel veröffentlicht:
29.10.2008
Autor:
Pressemitteilung des BUND e.V.

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