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diagnose:funk fordert von Ampelkoalition: Digitalisierung nachhaltig gestalten!

Pressemitteilung von diagnose:funk, 21.10.2021
Ökologischer Fußabdruck, Schutz der Privatsphäre, kindgerechte Bildung, Strahlenminimierung

Stuttgart, 21.10.2021: Die Umwelt- und Verbraucherorganisation diagnose:funk fordert die neue Ampelkoalition auf Bundesebene auf, die Digitalisierung nachhaltig, also auch ökologisch und sozial zu gestalten. In einer Eingabe an die Verhandlungskommissionen von SPD, Grüne und FDP listet diagnose:funk vier ökologische und soziale Aspekte auf, die bei der Digitalisierung bisher unter den Tisch fallen. diagnose:funk fordert von den Koalitionspartnern:

  1. Angesichts der Klimakrise für jedes Digitalprojekt einen ehrlichen ökologischen Fußabdruck erstellen!
    Der Wissenschaftlicher Beirat globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU) nennt die Digitalisierung einen Brandbeschleuniger der Klimakrise und schreibt der Bundesregierung ins Stammbuch: „Ohne aktive politische Gestaltung wird der digitale Wandel den Ressourcen- und Energieverbrauch sowie die Schädigung von Umwelt und Klima weiter beschleunigen.“
     
  2. Die Privatsphäre der Nutzerinnen und Nutzer besser schützen!
    Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) schützt die persönlichen Daten (z.B. Zugriffsdaten, Klickverhalten, Geo-Daten) nur ungenügend vor kommerzieller Ausbeutung. Digitalkonzerne dürfen persönlichen Daten nicht zum digitalen Profiling nutzen und nicht kommerziell ausbeuten. Die Digitalisierung muss im Interesse des Gemeinwohls geschehen.
     
  3. Bildung in Kita, Grundschule und Unterstufe bildschirmfrei gestalten, denn eine Kindheit ohne digitale Medien ist der beste Start ins digitale Zeitalter.
    Die BLIKK-Studie der Bundesregierung, Studien der Krankenkassen, der Philologenverband und die ersten Auswertungen des Corona-Fernunterrichts warnen vor Risiken der frühen Mediennutzung für eine gesunde Entwicklung der Kinder. Insbesondere werden genannt: Mediensucht, Adipositas, Kurzsichtigkeit, Störung der sensomotorischen Integration und der Gehirnentwicklung.
     
  4. Glasfaserausbau vorantreiben, Mobilfunkgrenzwerte zur Strahlenminimierung senken, Technikfolgenabschätzung für 5G-Mobilfunkausbau.
     Wissenschaftliche Gremien des EU-Parlaments, des Österreichischen Parlaments und der Schweizer Regierung warnen unisono vor Gesundheitsgefahren durch Mobilfunk- und WLAN-Strahlung. Die WHO stuft die Strahlung als „möglicherweise krebserregend“ ein.

„Alle drei Koalitionspartner wollen Digitalisierung, aber zu welchem Preis?“, fragt Jörn Gutbier, Vorsitzender von diagnose:funk. „Die ungebremste Digitalisierung, die von SPD, Grünen und FDP bislang angestrebt wird, braucht dringend ökologische und soziale Leitplanken! Die Wissenschaft benennt die Problemlage beim Ressourcenverbrauch, beim digitalen Profiling, bei der digitalen Bildung und bei der Strahlenbelastung sehr klar. Die Koalitionäre müssen nun Lehren daraus ziehen, statt die Werbeslogans der Digitalkonzerne nachzuplappern. Im Koalitionsvertrag müssen der Digitalisierung ökologische und soziale Fesseln angelegt werden, sonst leiden Umwelt, Privatsphäre, Kinder und Gesundheit. Die digitale Technik muss sinnvoll genutzt werden!“

diagnose:funk hatte im Wahlkampf zur Bundestagswahl im Rahmen der Kampagne „Digitales Wunderland“ die Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, den Bundestagskandidatinnen und -kandidaten Fragen zu den vier genannten Themen (Klima, Datenschutz, Bildung, Gesundheit) zu stellen. Auf der Webseite https://digitales-wunderland.de hat diagnose:funk weitere Hintergrundinfos zu den vier Themengebieten aufgelistet.

Artikel veröffentlicht:
21.10.2021
Autor:
Matthias von Herrmann