diagnose funk

Schädigungen weit unter den Grenzwerten

Stellungnahmen zur Bedeutung
diagnose:funk veröffentlicht in einem Brennpunkt die Übersetzung des Reviews (Systematische Übersichtsarbeit) der ukrainischen Forschergruppe um Prof. Igor Yakymenko am Kiewer Institut für experimentelle Pathologie, Onkologie und Radiobiologie. In einem der bisher umfangreichsten Reviews ergaben 93 von 100 verfügbaren Studien, dass Mobilfunkstrahlung zu schädigenden Oxidationsprozessen in Zellen durch die Überproduktion von Freien Radikalen führt.

Stellungnahmen von Wissenschaftlern und Ärzten

Prof. Dr. med. Franz Adlkofer, Pandora - Stiftung für unabhängige Forschung:

"Wenn es noch eines Beweises für das krankheitsverursachende Potenzial der Hochfrequenzstrahlung unterhalb des  Grenzwertes bedurft hätte, die Ergebnisse des vom Bundesamt für Strahlenschutz gemeinsam mit den Netzbetreibern finanzierten und der Arbeitsgruppe des Professor Alexander Lerchl durchgeführten Forschungsvorhabens haben diesen Beweis in überzeugender Weise erbracht (siehe Stellungnahme Stiftung-Pandora). Igor Yakymenko et al. haben nun in ihrer Arbeit die Mechanismen aufgezeigt, die nach der niedrig dosierten Bestrahlung von Lerchls Versuchstieren bei der Tumorvermehrung in Leber und Lunge zusammengewirkt haben. Ob Industrie und Politik es wahr haben wollen oder nicht, für ihre über Jahrzehnte hinweg mit Lug und Trug verteidigten Grenzwerte ist damit die Endzeit angebrochen."

Dr. med. Horst Eger (Naila), Ärztlicher Qualitätszirkel "Elektromagnetische Felder in der Medizin-Diagnostik, Therapie, Umwelt", Kassenärztliche Vereinigung Bayerns: 

"Es ist unstrittig, dass technisch erzeugte Mikrowellen zentimetertief in den menschlichen Körper eindringen. In den Körperzellen kommt es dann nicht nur zu „Schwingungen von Wassermolekülen“, sondern die Zellfunktion wird so verändert, dass vermehrt aggressive „Sauerstoffteilchen“ (ROS) entstehen.  Dieses „Rosten in den Zellen“ ist ein dem Körper aufgezwungener Vorgang, der als ungewollter Stressfaktor zu beschreiben ist und dessen Schäden repariert werden müssen. Die Übersichtsarbeit von Yakymenko et al. beweist dies anhand vieler Studien und bietet damit eine Erklärung auf biochemischer Ebene für die im Zusammenhang mit chronischer Mikrowellenexposition beobachteten Erkrankungen."

Dipl. Ing. Jörn Gutbier, Vorsitzender Diagnose-Funk e.V., Mitglied im AK Emissionsschutz des BUND, Stadtrat GRÜNE Herrenberg:

"Dieser Review der Arbeitsgruppe von Prof. Igor Yakymenko ist mehrfach bedeutend, denn er entzieht der oft platten und immer gleichen Argumentation von Industrie- und Behördenvertretern den Boden. Er widerlegt die Behauptungen (i) es gäbe keine einzige Studie im EMF-Bereich, die ein krankheitserregendes Potential nachweise, (ii) man kenne keine Wirkmechanismen, die das breit dokumentierte Spektrum an Gesundheitsschäden, verursacht durch EMF, erklären könnte, (iii) dass einmal gefundene Effekte hätten nicht reproduziert werden können, (iv) dass die geltenden Grenzwerte schützen würden. Deshalb hat der Review in der Auseinandersetzung um den Verbraucherschutz eine große Bedeutung, er legitimiert unsere Kritik. Der Grat der offiziellen verharmlosenden Strahlen“schutz“politik, nicht nur in Deutschland, ist damit sehr schmal geworden. Für diesen wichtigen Beitrag gilt den Autoren großer Dank."

Prof. Lennart Hardell, MD, PhD, Örebro (Schweden), Department of Oncology, University Hospital:

"RF-EMFs do not cause direct DNA damage. On the contrary, numerous studies have shown generation of reactive oxygen species (ROS) that can cause oxidative damage of DNA. This is a well-known mechanism in carcinogenesis for many agents. The broad biological potential of ROS and other free radicals makes radiofrequency radiation a potentially hazardous factor for human health, not only cancer risk but also other health effects. The article by Yakymenko et al is a comprehensive review of the scientific literature in this area and adds to the urgent need to revise guidelines for RF-EMF exposure."

Assoz.-Prof. PD Dipl.-Ing. Hans-Peter Hutter, Institut für Umwelthygiene, ZPH, Medizinische Universität Wien:

"Alle Überlegungen zu Grenzwerten basieren ausschließlich auf der Körpertemperaturzunahme durch Absorption elektromagnetischer Energie bzw. auf dem Konzept der thermischen Wirkung von Mikrowellen.  Die vorliegende Vielzahl von Studien zu Radikalbildungen belegt eindrucksvoll Effekte, denen ein anderer Mechanismus zugrunde liegt. Sie treten weiters bereits bei einer Dosis auf, bei welcher aufgrund derzeitiger Modelle keine relevante Wärmewirkung mehr zu erwarten ist. Daher ist das gesamte Prinzip der derzeitigen Grenzwertfindung einzig und allein über die Gewebserwärmung stark zu hinterfragen, wenn nicht sogar als obsolet zu bezeichnen. Es zeigt sich jedenfalls, dass trotz ständiger Beteuerungen der Mobilfunkindustrie,  es gäbe keine relevanten Effekte der Mikrowellenstrahlung auf zellulärer Ebene, solche Wirkungen vielfach wissenschaftlich belegt wurden. Auch unterstreicht diese umfassende Arbeit von Yakymenko et al. erneut unsere schon seit langem gestellte Forderung, im Umgang mit der mobilen Kommunikation nach dem Vorsorgeprinzip vorzugehen bzw. eine umsichtige Minimierung der Exposition der Bevölkerung zu betreiben."

Prof. Dr. Wilfried Kühling, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland):

„Die aktuelle systematische Übersichtsarbeit verfügbarer wissenschaftlich überprüfter Fachliteratur von Yakymenko et al. (2015) zeigt, dass die nun erklärbaren gesundheitlichen Effekte und Schädigungen dringend zu einer Neubewertung des grundgesetzlich verbrieften Anspruchs auf Schutz vor Gesundheitsgefahren bei hochfrequenter Strahlung führen müssen. Die 26. BImSchV muss diese Erkenntnisse zumindest für eine Konkretisierung der bisher fehlenden Vorsorge verwenden, die politisch verantwortlichen Stellen müssen dringend eine Aufklärungskampagne für die Verbraucher starten, die Produzenten kabelloser Techniken müssen endlich zur Minimierung der Strahlenquellen verpflichtet werden.“

Prof. Dr. Wilhelm Mosgöller, Forschungskoordinator, Medizinische Universität Wien:

"Als im Jahr 2008 öffentlich wurde, dass Exposition mit niedrig dosierten elektromagnetischen Feldern DNA-Brüche vermehrt, also gentoxisch wirken kann, wurden deutsche und österreichische Wissenschaftler mit Fälschungsvorwürfen überhäuft, diffamiert und verleumdet. Einige Jahre später sind diese Befunde mehrfach repliziert, und darüber hinaus verdanken wir nun Yakymenko et al. eine bemerkenswerte Studienzusammenstellung, die plausibel erklärt, wie es zur gentoxischen Wirkung kommen kann: Niedrig dosierte elektromagnetische EM Felder erhöhen den oxidativen Stress der Zellen mit all seinen Folgen. Fazit: So wenig wie die Erde eine Scheibe ist, so wenig schützen die aktuellen Grenzwerte vor oxidativem Stress und dessen Auswirkungen. Nachdem nun hinreichend belegt ist, dass die bestehenden Grenzwerte zum Schutz vor Elektromagnetischen Feldern die vermehrte Bildung freier Radikale und oxidative Zellschäden zulassen, stehen Entscheidungsträger vor der Wahl: „Stures Beharren am Grenzwertkonzept wie bisher“ oder man ergreift die Chance und forciert die Entwicklung strahlungsreduzierter Technologien. Bis neue Grenzwerte vorliegen, verlagert sich das Schutzkonzept – weg von den Grenzwerten - zu mehr Eigenverantwortung der Konsumenten, dazu bräuchte es weniger Lobbyismus und mehr transparente Vorsorgestrategien auf gesellschaftlicher und individueller Ebene."

Professor Dr. Michael Kundi, Medizinische Universität Wien: 

"Seit Jahrzehnten ist man auf der Suche nach dem Mechanismus, der für Schadwirkungen der Hochfrequenzstrahlung verantwortlich sein könnte. Man hat vermutet, dass dabei die Bildung von reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffspezies eine Rolle spielt. Yakymenko und Kollegen haben jetzt einen systematischen Übersichtsartikel vorgelegt, der zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der dazu veröffentlichten Forschungsarbeiten einen solchen Effekt zeigen, wobei das teilweise schon bei sehr niedrigen Einwirkungen von Hochfrequenzstrahlung der Fall ist. Damit ist ein Stein im Puzzle fixiert und man kann sich daran machen, die Frage anzugehen, warum es dazu kommt und was sich daraus ergibt."

Dr. rer. nat. Ulrich Warnke, Institut für Technische Biologie & Bionik, Saarbrücken:

"Alle neutralen Wissenschaftler wussten seit den Untersuchungen von Bawin und Adey in den neunziger Jahren: "Diese Ergebnisse legen nahe, dass ELF Magnetfelder einen starken Einfluss auf NO- Systeme im Gehirn ausüben; daher können sie den Funktionszustand von einer Vielzahl  neuronaler Ensembles modulieren.“ ( Bawin et al. 1996, Bioelectromagnetics 17) Bereits vorher hatten Adey und Bawin die ungünstigen Funktionen von dem Freien Radikal Nitrogenoxid NO im Gehirn untersucht. Wir überprüften diesen Effekt bereits 1993 und fanden ebenfalls, dass schwache Magnetfelder und Hochfrequenzstrahlung die NO-Produktion und NO-Ausschüttung erzeugen. Adey hatte die Ergebnisse nochmals ausführlich im Jahr 2004 in seinem Artikel „Elektromagnetic fields, the modulation of brain tissue functions – A possible paradigm shift in biology“ in der Encyclopedia of Neuroscience, Elsevier Science, zusammengefasst. Zwischenzeitlich waren immer wieder wissenschaftliche Artikel erschienen, die NO und andere ROS mit Basis-Stationen und Handy-Exposition in Verbindung brachten. Jeder geschulte Wissenschaftler kann aus den Ergebnissen die Gefährlichkeit einer Überdosierung der Feldexposition sofort erkennen. Aber die Verantwortlichen des Mobil- und Kommunikationsfunks kümmerten sich überhaupt nicht um diese brisanten Erkenntnisse und problematischen Konsequenzen. Tag für Tag findet seit vielen Jahren eine gewisse Körperverletzung durch die Felder bei Mensch und Tier statt, ohne jede Warnung davor von öffentlicher Seite. Im medizinischen Bereich wären bei gleicher Ausgangslage bereits Vorsorgemaßnahmen und Verbote erfolgt. Der Arbeit von Yakymenko ist es zu verdanken, dass der Stand des heutigen Wissens zu den Gefahren nochmals übersichtlich zusammengestellt wurde."

Dipl. Biol. Isabel Wilke, Redakteurin ElektrosmogReport:

"Diese Arbeit war längst fällig. Großen Dank an Prof. Igor Yakymenko aus der Ukraine und seine Mitautoren aus Finnland, Brasilien und den USA. Schon vor Jahren kristallisierte sich heraus, dass der oxidative Stress in Zellen und Geweben, der auch durch elektromagnetische Felder unterhalb der Grenzwerte hervorgerufen wird, einen klaren und nachvollziehbaren Mechanismus der Schädigung darstellt. Chronische Einwirkung elektromagnetischer Felder im Frequenzbereich des Mobil- und Kommunikationsfunks (900, 1800, 2100 und 2450 MHz) führt zu chronischer Zellschädigung, mit absehbaren Folgen: Fehlfunktionen im Stoffwechsel bis hin zu Entartung der Zellen und dem programmierten Zelltod. Wenn das bisher von „interessierter Seite“ nicht zur Kenntnis genommen wurde, jetzt kann man es – auch als Laie in der Industrie – nicht mehr übersehen."

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(...) Niedrig dosierte elektromagnetische EM Felder erhöhen den oxidativen Stress der Zellen mit all seinen Folgen. Fazit: So wenig wie die Erde eine Scheibe ist, so wenig schützen die aktuellen Grenzwerte vor oxidativem Stress und dessen Auswirkungen.

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Prof. Dr. Wilhelm Mosgöller in der Stellungnahme zum diagnose:funk Brennpunkt