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Fallbeispiel 3

Mobilfunksendeanlagen in 20, 75 und 150 m Entfernung - extreme Schlafstörungen, Kopfschmerzen, chronische Erschöpfung, depressive Stimmung, Konzentrationsstörungen, Blutdruckschwankungen

Bamberg, den 12.02.2008

Ärztliche Stellungnahme (Lesen Sie den ganzen Bericht als PDF unter Download)

Herr B.H., geb. 1958

Diagnose: Kausalzusammenhang zwischen Hochfrequenzexposition und unerträglichen Krankheitssymptomen seit 2000 (Rothenburger Str.: ca. 10 Mobilfunkanlagen in 20 und 75 m Entfernung; ...str.: ca. 5 Mobilfunksendeanlagen in 150 m und weitere in 250 m und 500 m)
(extreme Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Kopfdruck, chronische Erschöpfung, depressive Stimmung, Konzentrationsstörungen, Blutdruckschwankungen u.a) Z. n. Schilddrüsen- Op. Labile Hypertonie (abhängig von Hochfrequenzexposition)

Therapie: Beendigung der Hochfrequenzexposition durch Umzug

Die Stellungnahme gründet sich auf einen Hausbesuch bei Herrn H. am 22.11.2007 (14:30-17:00) in der ...str. mit Anamnese und orientierender Hochfrequenzmessung, auf Hochfrequenzmessungen am 28.11.07 in Begleitung von Herrn H. in der Rothenburger Str., und in der Freien Christengemeinde, Nürnberg-Langwasser, und auf zur Verfügung gestellte ärztliche Unterlagen.

Jetzige Anamnese

Bei dem 49-jährigen Redakteur und Buchautor waren mit dem Umzug in die Rothenburger Str. im Frühjahr 2000 von einem Tag auf den anderen massive Schlafstörungen (mit gerädertem, verkatertem Aufwachen) und wenig später auch ständige Kopfschmerzen aufgetreten.

Bald darauf litt er oft zusätzlich unter folgenden Symptomen:
chronische Erschöpfung, Antriebsarmut, Unlust, Kopfdruck, Benommenheit, Nervosität, Unruhe, Unwohlsein, depressive Stimmung, Gefühl der Hilflosigkeit, Konzentrationsstörungen, Lernstör-ungen, Appetitlosigkeit.
Lärmempfindlichkeit und Tinnitus rechts beeinträchtigte ihn ständig.

Manchmal traten auf: Hitzegefühl, Gereiztheit, Aggressivität, zwanghafte Denkwiederholungen, Schreibfehler, Vergesslichkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen (Arme), Nackenschmerzen, Schmerzen im linken Brustkorb, Stechen hinter rechtem Auge, Augenbrennen, nächtliches Schwitzen, anfalls-weise Blutdruckerhöhung. Er suchte ab 2000 ständig Ärzte auf.

Da er die Ursache in dem Verkehrslärm der Rothenburger Str. sah, drängte er den Vermieter (WBG) zum Einbau von Schallschutzfenstern. Der Einbau im Sommer 2000 brachte jedoch keine Besserung der Symptome. Daher nahm er an, dass der Schall weiterhin durch die dünnen Außenwände (17 cm) dringe.

Ab September 2000 spürte er wiederholt ein unangenehmes Druckgefühl im linken Brustraum. Eine Blutdruckmessung in einer Apotheke ergab 160/100 mmHg.
Am 13.10.00 war es besonders stark, sodass er abends die Notaufnahme des Klinikums Nord aufsuchte. Außer einer Blutdruckerhöhung (160/100 mmHg) konnte kein pathologischer Befund erhoben werden.

Bei Aufenthalten andernorts konnte er ab der 2. Nacht wieder normal schlafen und fühlte sich wie „neugeboren“. Die meisten der oben aufgeführten Symptome verschwanden spurlos. In den Jahren 2001 und 2002 fuhr er daher etwa alle vier Wochen für 14 Tage zu seinen Eltern nach Magdeburg oder an einen anderen Ort.

Ab September 2002 konnte er nicht mehr. Ärzte verschiedener Fachrichtungen wurden aufgesucht: Dr. L. (Allgemeinarzt), Dr. U. (Internist), Dr. T. (Neurologin, Psychiaterin), Dr. M. (Psychosomatische Klinik), Dr. Ö. (Kardiologe), Dr. A. (Umweltmedizin), Dr. E. (Neurologe), Dr. P. (Endokrinologe), Dr. F. (Psychotherapeutin), Herr I. (Psychologe), Dr. Ü. (Psychiater).

Diese rieten dringend zu Wohnungswechsel. Es gestaltete sich schwierig, da er auf die Mitnahme seines Fachbucharchivs und auf Unterstützung durch das Sozialamt angewiesen ist.

Im Jahr 2004 war er regelmäßig zur Psychotherapie bei Herrn vom I.; in den Jahren 2005/2006 bei Dr. F. In den Jahren 2004 und 2005 nahm er regelmäßig die verordneten Schlafmittel und Antidepressiva. Hierdurch konnte keine Besserung erzielt werden. Die in den Jahren 2004/2005 in der Praxis von Dr. L gemessenen Blutdruckwerte lagen im Normbereich.
Im Jahr 2005 starb sein Vater. Da er der Selbstaufgabe nahe war und nicht mehr die Kraft hatte, sich eine andere Wohnung zu suchen, empfahl Dr. M. im März 2005 als zeitweise Hilfestellung einen Betreuer.

Es wurde eine Wohnung in der ...str., gefunden. Jedoch verstärkten sich die Kopfschmerzen sofort nach dem Einzug im April 2006 ins Unerträgliche.
In dieser Notlage erhielt er über den Pastor der Freien Christengemeinde Nürnberg-Langwasser ab Mai 2006 die Möglichkeit vorübergehend in einem Gästezimmer zu wohnen. Dort konnte er problemlos schlafen und bekam wieder Kraft und Lebensmut. Bei kurzzeitigen Aufenthalten in seiner Wohnung traten regelmäßig nach kurzer Zeit die heftigen Kopfschmerzen auf. Als Dank unterstützte er die Gemeinde mit seinen beruflichen Fähigkeiten.

Im Februar 2007 musste er das Gästezimmer verlassen, da ein Gastpfarrer der Gemeinde einzog. Nun versuchte er durch Auskleidung eines Zimmers und der Küche mit Alufolie den Aufenthalt zu ermöglichen. Aus den unerträglichen Kopfschmerzen („man will nur weg“) wurde hierdurch ein mittlerer Dauerkopfschmerz. Die Schlafstörungen bestehen trotz der Abschirmung. Seit Februar 2007 verbringt er die Tage weitgehend außer Haus (u.a. Lesesäle zweier Bibliotheken). Bleibt er zu Hause steigt sein Blutdruck von morgens 140/80 mmHg auf mittags 170/105 mmHg.

Er fährt seit mehreren Monaten im Dunkeln nicht mehr mit dem Auto, da er die Entfernungen nicht mehr richtig einschätzen und nicht ausreichend schnell auf Verkehrshindernisse reagieren kann. Im Sept. 07 hatte nach seinen Aussagen die verzögerte Reaktionsgeschwindigkeit und unzureichende Koordination zu einem Auffahrunfall geführt.
Bei Aufenthalten in Magdeburg und im Altmühltal war er wiederum völlig beschwerdefrei. Die Blutdruckwerte lagen nach einigen Tagen wieder im Normbereich.

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