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Zunehmende Verhaltens- und Entwicklungsstörungen von Kindern und Jugendlichen

Gesundheitsgefährdungen durch WLAN-Strahlung
Auch Verhaltens- und Entwicklungsstörungen von Kindern und Jugendlichen haben in letzter Zeit dramatisch zugenommen.

Im Arztreport der Barmer GEK von 2012 (Grobe et al. 2012) heißt es:

  • Jährlich wird in Deutschland bei 1,12 Millionen Kindern bis zu 14 Jahren – d.h. bei jedem 10. Kind – eine Sprech- oder Sprachstörung festgestellt.
  • Ärzte diagnostizieren mittlerweile bei jedem dritten Vorschulkind eine gestörte Sprachentwicklung – mit auffälligen Unterschieden zwischen Jungen (38%) und Mädchen (30%), jeweils im 6. Lebensjahr.
  • 10% der Jungen und 6% der Mädchen (jeweils im 9. Lebensjahr) werden von einem Neurologen oder Psychiater behandelt, davon 60% (bei den Jungen) und 40% (bei den Mädchen) wegen ADHS.
  • Von 2000 bis 2012 hat sich die Zahl von depressiven, stationär behandelten Jugendlichen in Bayern versechsfacht (+ 600 %) (DAK–Bericht 2014, www.regio-aktuell24.de)

Die Entwicklung ist besonders auffällig für ADHS. Der Arztreport der Barmer GEK (201342) weist einen dramatischen Anstieg der ADHS-Diagnosen in 5 Jahren (2006 – 2011) um etwa 42% bei Kindern und Jugendlichen nach (siehe obenstehende Grafik) .

Im Jahr 2011 waren 472.000 Jungen und 149.000 Mädchen betroffen. 20% aller Jungen, die im Jahr 2000 geboren wurden, bekommen im Alter zwischen 6 und 11 Jahren ADHS.

Diese Entwicklung zeigt sich sogar weltweit43: In den USA stellte das Center for Disease Control and Prevention (2012) einen Anstieg in 10 Jahren (2002 – 2012) um ca. 52% bei Kindern und Jugendlichen (bis 17 Jahre) fest. Bei 11% aller Schulkinder (15% der Jungen, 7% der Mädchen) wurde ADHS festgestellt. Im Alter zwischen 14 und 17 Jahren waren 20% der Jungen von ADHS betroffen.

Die Aufmerksamkeitsstörung hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt, die sich zumindest nach den Zahlen epidemisch ausbreitet. Zwei Drittel der Diagnostizierten werden medikamentös mit Ritalin oder Adderall behandelt. Die Verkäufe von ADHS-Medika-menten haben sich in USA innerhalb von 5 Jahren mehr als verdoppelt. In Deutschland hat der Ritalinverbrauch im Zeitraum 1994 – 2004 um das 25-fache (von ca. 1 Mill. Tagesdosen auf 25,8 Mill.), 1990 – 2004 um das 86-fache zugenommen.

Der Arztreport der Barmer GEK spricht sogar davon, dass wir derzeit eine ADHS-Generation heranzüchten, wobei die Ursache einem unbekannten Stressor zugeschrieben wird. Die Auswirkungen für den Lehrbetrieb in Schulen sind derzeit nicht zu übersehen und führen in vielen Fällen zur Überforderung von Lehrerinnen und Lehrern und zu einer Behinderung des Unterrichts. Die Themen Verhaltensauffälligkeiten und Sprachförderung gehören derzeit mit zu den nachgefragtesten Themen in Lehrerfortbildungen!

Die dramatische Zunahme von ADHS findet statt, obwohl fast alle sonstigen Umweltbelastungen (Pestizide, Blei, Luftverunreinigungen, Methan) seit Jahren konstant geblieben oder sogar rückläufig sind (teils bis auf die Hälfte). Auch die - seit mehr als 10 Jahren - erhöhte Sensibilität von Eltern, Erziehern und Ärzten in Sachen „Modekrankheiten“ (insb. ADHS) kann diese Entwicklung allein nicht erklären.

Mittlerweile gibt es eine Reihe von epidemiologischen Studien, die deutlich zeigen, dass Mobilfunkstrahlung bei den enormen ADHS-An-stiegen eine verstärkende Rolle spielt: Eine Studie der WHO (Divan et al. 2008, 2010) untersuchte das Risiko für Verhaltensauffälligkeiten von Kindern, die Mobilfunkstrahlung ausgesetzt waren, gegenüber Kindern, die nicht exponiert waren. Insgesamt wurden Daten von 29.000 Kindern ausgewertet. Dabei ergab sich:

Wenn Mütter während der Schwangerschaft digital schnurlos telefonieren, ist das Risiko, dass die Kinder hyperaktiv werden und Verhaltensauffälligkeiten oder Beziehungsstörungen zu Gleichaltrigen zeigen, um 54% erhöht (3. Säule in der Grafik von Abb. 4). Wenn diese Kinder vor dem 7. Lebensjahr auch noch selbst mit dem Handy telefonieren, steigt das Risiko um 80% (4. Säule in der Grafik). Diese Kinder haben zu 25% seelische Probleme, 34% haben Probleme mit Altersgenossen, 35% zeigen Hyperaktivität, 49% ein auffälliges Verhalten.

Neuere Studien in USA und Dänemark, sowie Tierstudien haben die Ergebnisse bestätigt: Eine Studie aus Korea begleitete Kinder in der ersten Klasse (7–8 Jahre) bis zu ihrem 12. bzw. 13. Lebensjahr und ermittelte deren ADHS-Risiko. Dabei zeigte sich insbesondere für Kinder, die relativ hohen Bleibelastungen ausgesetzt waren, ein Zusammenhang zwischen der Anzahl der Telefonate mit einem Funktelefon und dem Risiko, ADHS-Symptome zu entwickeln (Moskowitz, 2013). In der Gruppe der Kinder, die niedrigere Bleiwerte im Blut hatten und länger als 3 Minuten pro Tag Videospiele spielten, ergab sich ebenso ein signifikantes ADHS-Risiko.

Da Mikrowellenstrahlung im Niedrigdosisbereich die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke erhöht, legt dies nahe, dass Kinder, die Blei aus-gesetzt sind und Funktelefone benutzen, erhöhte Bleiwerte im Blut ihres Gehirns aufweisen und dadurch ein erhöhtes Risiko für ADHS tragen.

Bei einer Studie an der Yale University School of Medicine wurden schwangere Mäuse Mikrowellenstrahlung ausgesetzt (2012). Ergebnis der Studie: Die im Mutterleib exponierten Mäuse waren hyperaktiv und ihre Gedächtnisleistung wurde beeinträchtigt: Sie wiesen eine von der Expositionsdauer abhängige Beeinträchtigung der Glutamatübertragung in den Synapsen des präfrontalen Kortex auf.