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Wie stark werden Kinder und Jugendliche bestrahlt?

Gesundheitsgefährdungen durch WLAN-Strahlung
Die Frage, welche Strahlungsbelastung durch WLAN-Access-Point bzw. WLAN-Router, Funknetzwerkkarten und Antennen in Laptops und Tablets auf den Schüler zukommt, ist durch viele Untersuchungen in den vergangenen Jahren geklärt worden (IMST, Uni Bremen 2001, Nova-Institut 200119, ÖKO-Test Heft 11/2002 und 10/200320; Health Protection Agency (HPA)21; ECOLOG-Institut, 200322 u.a.).

Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Die Strahlenintensität (Leistungsflussdichte) durch Access-Points kann im Nahbereich unter 1 m je nach Gerätetyp und Auslastung einige  mW/m2 betragen, aber auch 100 – 200 mW/m2 erreichen. Mit zunehmendem Abstand nimmt die Intensität schnell ab, erst in größeren Abständen von etwa 3 m ergeben sich etwa 0,5 mW/m2.

Bei einer Laptop- bzw. Tablet-Nutzung gilt: Wenn man eine Entfernung des Nutzers vom Gerät von 0,35 m als repräsentativ ansieht, schwankt die damit verbundene Leistungsflussdichte zwischen 6 mW/m2 und 100 mW/m2. Mittlere Werte liegen bei 20 - 30 mW/m2. Dies stellt somit gemäß dieser Messergebnisse die typische Belastung eines Laptop-Benutzers bei aktiver WLAN-Strahlung dar (vgl. Tabelle 1 - links).

Mit diesen Werten lässt sich nun der Bereich an Strahlungsintensität ermitteln, mit dem ein Schüler belastet wird. Hierzu könnte man folgendes typische Szenario zugrunde legen - siehe Tabelle rechts:

Dazu muss ggf. noch berücksichtigt werden: Strahlung von Handys, nächster Mobilfunkmast, ggf. DECT-Telefon. Im Mittel kann von einer andauernden Belastung von ca. 30 mW/m2 = 30.000 μW/m2 ausgegangen werden.

Die Hauptbelastung entsteht also durch die Nähe zum WLAN-aktiven Laptop oder Tablet, die Belastung durch den Access-Point kann durch genügend großen Abstand gering gehalten werden.

Da diese Werte die amtlichen Grenzwerte im „Normalfall“ nur zu einem geringen Prozentsatz ausschöpfen, wird WLAN-Anwendungen im Klassenraum in der Regel „grünes Licht“ gegeben. Dies ist aber gerade zu hinterfragen: Wird die Strahlenexposition von Kindern und Jugendlichen hierdurch wirklich angemessen bewertet? Brauchen wir uns bei dieser im Vergleich zum Grenzwert geringen Strahlenexposition wirklich keine Sorgen um die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen zu machen? Ist bei diesen Werten der immer wieder nachdrücklich erhobenen Forderung nach Minimierung der persönlichen Strahlenbelastung wirklich genüge getan?

Inzwischen gibt es Warnungen von der Industrie selbst: Alle Hersteller von Smartphones weisen in ihren Sicherheitshinweisen darauf hin, dass die Endgeräte in einem Mindestabstand vom Körper des Nutzers gehalten werden müssen, damit die gesetzlich gültigen Grenzwerte für Mikrowellenstrahlung nicht überschritten werden. Zum Beispiel soll beim Smartphone Blackberry Torch 9800 ein Abstand von mindestens 25 mm eingehalten werden, insbesondere auch vom Unterleib schwangerer Frauen (Belastung des Fötus) und Jugendlicher (Belastung der Hoden). Laut der Bedienungsanleitung des iPhone 5 soll man Kopfhörer benutzen und es mindestens 10 mm vom Körper entfernt halten.

Barbara-Eckholdt_pixelio.de

Der Mindestabstand für Laptops und Tablets dagegen liegt nach den Anforderungen der US-Telekombehörde Federal Communications Commission (FCC) bei 20 cm Abstand zum Körper. In kleinerem Abstand können die Grenzwerte bereits erreicht oder sogar überschritten sein! Der Abstand von 20 cm wird als „normale Nutzungsbedingung“ angesehen.

Unter Berücksichtigung vieler begutachteter Studien zum Mobilfunkrisiko und einschlägiger Veröffentlichungen aus dem Zeitraum 2009 bis 2014 finden sich in einer neueren US-Studie (Morgan, Kesari, Davis, 2014) umfassende Belege dafür, dass für Kinder die Risiken durch die Strahlenbelastung von Smartphones, Tablet-PCs und WLAN besonders hoch sind (vgl.  Befindlichkeits- und Entwicklungsstörungen). Insbesondere macht sie deutlich, dass die 20 cm - Abstandsregelung keineswegs der "normalen Haltung" bei der Nutzung entsprechen muss: Die Bezeichnung "Laptop" impliziert ja bereits, dass der Nutzer den Computer in den Schoß legt, wobei ein Abstand von
20 cm ja nicht eingehalten wird. Auch bei der immer häufigeren Nutzung von Tablets durch junge Kinder in Schulen wird dieser vorgegebene Mindestabstand unterschritten, da diese Kinder kürzere Arme haben und daher die Geräte unter Umständen gar nicht 20 cm von ihrem Körper entfernt halten können.

Die Bewertung der Strahlenexposition von Kindern und Jugendlichen durch WLAN im Klassenraum muss mit den derzeit verfügbaren Kenntnissen differenzierter ausfallen. Sie ist keinesfalls durch Verweis auf die geringe Grenzwertausschöpfung ausreichend durchdacht.