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Gesundheitsgefahren durch WLAN unterhalb der Grenzwerte

Gesundheitsgefährdungen durch WLAN-Strahlung
Es ist wissenschaftlich längst anerkannt, dass biologische Wirkungen unterhalb der Grenzwerte – oft als athermische Wirkungen bezeichnet – auftreten. Die absorbierte Strahlung führt hierbei nicht primär zu einer Körpererwärmung, sondern zu Störungen der elektrischen Vorgänge auf Zell- und Nervenebene. Diskutiert wird, inwiefern die biologische Reaktion einen schädlichen Effekt auf die Gesundheit darstellt oder diesen im Laufe der Zeit entwickelt.

Nach 20 Jahren intensiver Forschung ist deutlich erkennbar, dass es durch Strahlenbelastungen unterhalb der Grenzwerte erhebliche Risiken für die Gesundheit der Menschen, sowie für Tiere und Pflanzen gibt. Es ist mittlerweile auch von den Behörden anerkannt, dass Dauerbestrahlung unterhalb der Grenzwerte eine Hauptquelle für Gesundheitsrisiken ist. Dies wird unter anderem durch die Empfehlungen des dt. Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) und eine erneute Pressemitteilung von 2014 klar bestätigt.

Bereits 2000 wurde vom ECOLOG-Institut in Hannover im Auftrag von T-Mobile eine Übersicht über die in der Literatur bekannten Risiken der Mobilfunkstrahlung erstellt. Sie liegt derzeit in einer aktualisierten Fassung von 2006 vor. Das Ergebnis zeigt folgende Grafik:

Abb. 1 aus: e+s rück 2006, Risiken durch elektromagnetische Felder S. 71, Abb. 3.2, Wissenschaftliche Evidenz für gesundheitliche Auswirkungen und biologische Effekte durch HF-Strahlung sowie Wertebereiche, in denen diese Wirkung festgestellt wurde (nach Neitzke 2006, Ecolog-Institut).

Die Abbildung zeigt, bei welchen Strahlungsintensitäten die verschiedenen biologischen Wirkungen in den Studien auftraten. Jeder farbige horizontale Balken repräsentiert mehrere vergleichbare Studien. Insgesamt wurden für diese Grafik weit über 100 Studien ausgewertet (Stand: 2006). Eine Aktualisierung auf den heutigen Kenntnisstand würde ergeben, dass viele der Balken schon bei weit geringeren Intensitätsbereichen beginnen würden.

Einen wissenschaftlichen Nachweis (Beweis) gibt es nach dieser Klassifizierung nur für akute thermische Wirkungen (hellroter Bereich). Nur vor diesen schädigenden Wärmewirkungen schützen die derzeitigen Grenzwerte. Die dunkelblauen Balken repräsentieren Studien mit „konsistenten Hinweisen“, d.h. mehrere identische Untersuchungen lieferten übereinstimmende Ergebnisse. Sie belegen damit einen eindeutigen Zusammenhang (signifikante Korrelation) zwischen Mobilfunkstrahlung und dem untersuchten Endpunkt, d.h. die Wissenschaft ist sich hier sehr sicher, für den Beweis fehlt bisher das Vorliegen eines wissenschaftlich begründeten und anerkannten Kausalzusammenhangs. Für diese Zusammenhänge sollte man den Begriff „wissenschaftlich anerkannt“ verwenden: Eine analoge Situation liegt bei der Sonnenstrahlung vor: Es ist wissenschaftlich anerkannt, aber bis heute nicht streng bewiesen, dass Sonnenstrahlung Hautkrebs hervorrufen kann, da es auch hier in der Kausalkette noch Lücken gibt, ein wissenschaftlich begründeter Kausalzusammenhang also nicht vollständig vorliegt. Hellblaue Bereiche kennzeichnen starke Hinweise, d.h.: Es liegen übereinstimmende Ergebnisse aus unterschiedlichen (nicht notwendig identischen) Untersuchungsansätzen mit gleichem Endpunkt vor. Die Charakterisierungen zu „deutliche Hinweise“ und „ausreichende Hinweise“ stehen im EMF-Handbuch des ECOLOG-Instituts.

Aus Sicht des ECOLOG-Instituts ist aufgrund dieser damals bereits bekannten Hinweise ein Vorsorgegrenzwert von 10 mW/m² = 10.000 µW/m2 angemessen, um die Risiken weitestgehend zu vermeiden (andere Institutionen fordern sogar einen Vorsorgegrenzwert von 1.000 µW/m² und darunter).

Der dunkelgelbe vertikale Streifen markiert den typischen Bereich der Strahlungsintensität (20 – 30 mW/m2) bei der Nutzung von WLAN-Laptops und Tablets. Die Überlappung dieses Streifens mit den farbigen Balken zeigt, welche biologischen Effekte mit welcher wissenschaftlichen Sicherheit (Evidenz) auftreten können, wenn ein Erwachsener solch einer WLAN-Strahlung immer wieder ausgesetzt ist. Für Kinder und Jugendliche muss noch ein erhöhter Risikofaktor beachtet werden.

Besondere Bedeutung für die Diskussion, ob WLAN schädlich ist,  hat der 2014 im Springer Reference-Book "Systems Biology of Free Radicals and Antioxidants" veröffentlichte Artikel von Nazioglu/Akman "Effects of Cellular Phone- and Wi-Fi-Induced Electromagnetic Radiation on Oxidative Stress and Molecular Pathways in Brain". Er arbeitet die Gesamt-Studienlage auf und weist noch einmal darauf hin, dass gerade auch schwache Strahlung gesundheitsschädlich ist: "Studies have shown, that neurological damage can be observed at exposure levels at 0,12 mW/kg (SAR-Wert) (Eberhardt et. al., 2008). This is less that one eighth the average exposure level of 1 mW/kg found 150 - 200m from a mobile phone mast. The researchers concluded, that "the weakest fields are the biologically most harmful.""

Entsprechend der Abb.1 gibt es unter dem Einfluss von WLAN-Strahlung vielfach belegte konsistente Hinweise auf gesundheitsbeeinträchtigende Wirkungen unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte:

  • Störungen des Zentralen Nervensystems,
  • Stressreaktionen auf zellulärer Ebene,
  • Verstärkte Zellteilung (Zellprofileration), d.h. u.a. schnellere Alterung,
  • negative Auswirkungen auf die Spermien und den Fötus, sowie
  • Befindlichkeitsstörungen.

Eine Studie der Salzburger Landeskliniken (SALK) (Salzburg, 200727) zeigte, dass Stressreaktionen bereits deutlich unterhalb des ECOLOG-Vorsorgewertes auftreten: Die Ärzte Dr. Hacker und Dr. Pauser setzten in einer Doppelblindstudie 57 Testpersonen 3 verschiedenen Expositionsstärken (10, 540, 3000 µW/m²) aus (Kurz-zeitexperiment: 5 Phasen à 50 min) und ermittelten dann ihre Stressbelastung. Das Ergebnis war eindeutig:

  • Das Immunsystem wird bereits ab 540 µW/m2 = 0,54 mW/m² geschwächt.
  • Es zeigen sich statistisch signifikante – und biologisch relevante – Erhöhungen des Cortisolspiegels und anderer Indikatoren für Stressreaktionen der Zelle.
  • Exponierte Personen, die innerhalb von 100 m zu einer Mobilfunksendeanlage

wohnen, sind offenbar vorbelastet.

Eine Bestrahlung der Schüler durch WLAN mit 20 - 30 mW/m² bedeutet also eine ggf. dauerhaft anhaltende Belastung ihres Immunsystems. Als Folge dieser Ergebnisse empfahlen die Forscher:

„Besonders sensible Einrichtungen sollten vorsorglich geschützt werden. Wir raten,
innerhalb oder in direkter Nachbarschaft zu Einrichtungen, bei denen es um Heilung geht (Krankenhäuser, Sanatorien etc.), aber auch in der Nähe von Einrichtungen, in denen sich Kinder für längere Zeit aufhalten (Schulen, Kindergärten etc.), keine Mobilfunksendeanlagen aufzustellen bzw. die Belastung zu reduzieren.“

Das Spektrum der möglichen biologischen Wirkungen unter WLAN-Strahlung für Kinder und Jugendliche ist nach heutigem Kenntnisstand noch größer:

Weit über 50 Studien allein zu WLAN weisen inzwischen auf weitere gesundheitliche Risiken hin:

  • Kopfschmerzen,
  • Konzentrationsstörungen,
  • Gedächtnisstörungen,
  • Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit,
  • Verhaltensstörungen wie ADHS,
  • Schädigungen des Herz-Kreislauf-Systems (Havas, M. 2006, 201029) u.a.

Neuere Studien zeigen, dass WLAN-Strahlung in der Zelle einen Überschuss an freien Radikalen bewirkt (sog. oxidativer Stress), der für viele dieser Symptome eine bedeutende Rolle spielt. Dazu kommen Einflüsse auf das Hormonsystem, auf den Stoffwechsel, auf die durchlässiger werdende Blut-Hirn-Schranke, auf die hier nicht im Einzelnen eingegangen werden kann. Schüler werden unter WLAN also einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt, die ca. 3-fach über dem ECOLOG-Vorsorgewert von 10 mW/m² liegt und etwa 60-fach über der von Hacker und Pauser gefundenen Stress-„Schwelle“ von 0,54 mW/m².

Eine Münchener Studie von 2008 ermittelte eine andauernde mittlere Strahlenbelastung der Schüler von 9 mW/m² und Maximalwerte von 40 mW/m², der abgeschätzte Wert für die Belastung durch die Arbeit mit einem WLAN-Gerät liegt also bereits deutlich oberhalb der mittleren Belastung eines Schülers im Jahre 2008. Die Belastung der Schüler wird sich daher durch WLAN-Geräte im Mittel deutlich erhöhen!