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Entwicklung von WLAN an Schulen

Realisierungsdruck führt zu Aufklärungsdefiziten
Die digitale Medienkompetenz für Schüler soll derzeit durch Politik und Behörden in Schulen eingeführt werden. Die entsprechenden Verordnungen und Bildungspläne erzeugen dabei einen entsprechenden Realisierungsdruck.

Dies hat zu verschiedenen ernsthaften Problemen in den Schulen geführt, da Kommunikationsinfrastrukturen realisiert wurden, die nicht „zu Ende“ gedacht waren, u.a. weil oft die Expertise für ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Konzept fehlte oder die finanziellen Mittel nicht für mehr Qualität reichten:

  • Die Ausstattung der Schulen mit Informations- und Kommunikationstechniken ist derzeit äußerst heterogen, was zu verschiedensten Problemen bzgl. der Kompatibilität der verschiedenen Substrukturen führt. Anwender sind schnell mit der technischen Bewältigung dieser Probleme überfordert und eine effiziente Nutzung wird erschwert. Die Probleme werden noch potenziert, wenn keine einheitlichen Endgeräte zur Verfügung stehen, sondern die unterschiedlichsten Geräte von Schülerinnen und Schülern genutzt werden sollen.
  • Die wenigsten Schulen erhalten kurzfristig weitere finanzielle Mittel für einen prinzipiellen Umbau in eine effiziente Kommunikationsinfrastruktur.
  • Die aus Ermangelung staatlicher Finanzmittel und Richtlinien den Schulen angebotene Vielfalt an Produkten und Diensten ist heute bereits kaum zu überblicken und ihre Relevanz für die Medienkompetenz ist nur noch von Experten – wenn überhaupt – zu beurteilen. Dies beeinträchtigt die Qualität der Kommunikationsinfrastruktur, insbesondere ihre Störungssicherheit und Wartungsfreiheit, sowie ihre Transferkapazität. Unnötig hohe Energiekosten und ein nicht zu verantwortendes Maß an Funkstrahlung in der unmittelbaren Nähe der Kinder durch die Ballung von Endgeräten verschärfen die heutige Schieflage.
  • Die eingesetzten WLAN-Router sind meist überdimensioniert und bestrahlen dauerhaft und mit großen Intensitäten Klassenräume und andere Bereiche der Schulen, in denen die Funkstrahlung gar nicht genutzt wird. Dadurch sind Gesundheitsrisiken unnötig erhöht.

Aus Unkenntnis über Alternativen und unter dem Zeitdruck, möglichst schnell digitale Medien in den Unterricht einbeziehen zu können, werden diese Nachteile oft unhinterfragt hingenommen. Dabei muss betont werden, dass digitales Lernen und die Entwicklung von Medienkompetenz mit der Art des Transports der Daten nichts zu tun hat, also auch per Kabelanbindung der Endgeräte entwickelt werden kann.

Alle Empfehlungen in unserem  Ratgeber sind vorrangig dem Ziel verpflichtet, eine Bestrahlung der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Lehrerinnen, Lehrer und des weiteren Schulpersonals durch die Nutzung funkbasierter digitaler Medien vollständig zu vermeiden.

Erst wenn dies – aus welchen Gründen auch immer – nicht realisierbar ist, wird als Notlösung empfohlen, funkbasierte Netze mit minimierten Sendeleistungen einzurichten und so das ALARA-Prinzip (As Low As Reasonable Achievable) umzusetzen. Dazu stehen derzeit verschiedene technische Möglichkeiten zur Verfügung.

Grundsätzlich gilt: Vor jeder Einrichtung eines Kommunikationsnetzes in Schulen sollten die Betroffenen (Lehrer, Eltern und Schüler) unvoreingenommen und angemessen über die damit verbundenen Risiken und über mögliche technische Unzulänglichkeiten aufgeklärt werden. Dann erst sollte gemeinsam unter Berücksichtigung aller Aspekte und technischen Möglichkeiten ein Kompromiss gesucht werden, der von möglichst vielen mitgetragen werden kann. Es ist abzusehen, dass mit der herkömmlichen WLAN-Technik eine stundenlange und räumlich geballte Strahlung mobiler Endgeräte entsteht. Ziel muss es daher sein, risikoarme Kommunikationsnetze einzurichten, die aber auch energiesparend, leistungs- und zukunftsfähig sind.