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St. Gallen: Weniger Strahlung - mehr Daten

Alternatives Projekt und ein Konzept mit Zukunft
Die herkömmlichen Mobilfunkmasten (Makro-Zellen) haben in Innenstädten und in sensiblen Bereichen ausgedient, ja sie müssen rückgebaut werden. Das ist möglich, ohne die Versorgung zu gefährden.

Zur Abb.: Kleinstzellenversorgung  in der Innenstadt von St.Gallen. Die Strahlung von Femtozellen mit einer effektiven Sendeleistung von 0,1 W beträgt in einem Abstand von 10 m weniger als 80 µW/m². Bei einem Abstand von 20 m sind es maximal 20 µW/m² und hinter einer Hauswand liegt die Einstrahlung dann bereits bei weniger als 1 µW/m².

"Pilotinstallation Wireless St. Gallen als erster Schritt in Richtung eines strahlungsarmen Mobilfunks in der Stadt“

heißt das 2014 in den Normalbetrieb übergegangene Projekt. Es arbeitet mit Kleinzellen (Femtozellen) und erfüllt dabei vier wichtige Forderungen zur Schaffung eines leistungsfähigen und strahlungsarmen Funknetzes:

  • Es gibt nur ein Netz für alle Nutzer.
  • Mit einem Kleinzellennetz wird die Funkstrecke so kurz wie möglich gehalten.
  • Die Indoor- und Outdoor-Versorgung wird voneinander getrennt.
  • Router/Access-Points werden gegenüber den Gebäuden abgeschirmt und so montiert, dass die Einstrahlung in Gebäude vermieden bzw. minimiert wird.

Die Vorteile eines Kleinzellenprojektes sind: 

  • Wohnungen werden nicht von außen durchstrahlt und bleiben nach Möglichkeit funkfrei.
  • die Funkzellen senden mit geringer Leistung, die Strahlenbelastung bleibt auch im näheren Umfeld der Sendeanlagen gering.
  • die Endgeräte können mit wenig Leistung empfangen und senden, weil keine dämpfende Baumasse überwunden werden muss.

Minimierung ist möglich

Das Projekt ist ein praktisches Beispiel in Richtung Verbraucherschutz, wie ihn diagnose:funk fordert:

  • Die Mobilfunk-Netzplanung endet an der Hauswand.
  • Jeder Haushalt wird an schnelles Breitband angeschlossen (Glasfaser, Kupfer- oder Koax-Kabel), um nicht auf von außen eingestrahlte Breitbandangebote angewiesen zu sein.
  • Mobilfunksendeanlagen als Makrozellen sollten zur Ausnahme werden – bestehende Infrastrukturen, die hohe Immissionen verursachen, sind insbesondere in sensiblen Bereichen zurückzubauen, bzw. sind in der Sendeleistung so zu drosseln, dass das Versorgungsziel nur noch die Außenversorgung mit mobilen Diensten ist -> Mobilfunk eben!
  • WLAN - wie es hier aus Mangel an Alternativen zum Einsatz kam* - muss weiterentwickelt werden:
  1. hochgradig leistungsgeregelte Router und Endgeräte
  2. Abschaltung der Router bei Nichtnutzung (ECO-WLAN), Aktivierung durch Endgeräte
  3. keine kritischen sog. Beacon-Signale wie die 10 Hz-Taktung im Standby
  4. Nutzung höherer Frequenzen z.B. 60 GHz für schnellere Übertragungsraten und mit geringen Durchstrahlungseigenschaften (Baumasse wird aufgrund der hohen Frequenz kaum noch durchstrahlt)
  5. Minimierung der Signalisierungs-Intervalle an den Endgeräten.

Wer in seinem Haus mobil online sein will, kann sich eine eigene Femtozelle anschließen - aber so ausgestattet und eingestellt, dass die Nachbarn nicht zwangsbestrahlt werden.

Anmerkungen zur Projektumsetzung

  • Da sich die Betreiber geweigert haben hier mitzuarbeiten, musste die Stadt auf die WLAN-Technologie mit seinen frei verfügbaren Frequenzen zurückgreifen, anstelle die hierfür besser geeigneten (weil hochgradig, an beiden Enden - am Mobilgerät und am Sender - leistungsgeregelten) UMTS- oder LTE-Technologien zu nutzen.
  • Die WLAN-Infrastruktur (bei 2,4 GHZ) in der Innenstadt von St.Gallen umfasst 19 Router.
  • Die Sendeleistung der Geräte beträgt 0,1 Watt effektive Sendeleistung.
  • Die Standard 10 Hz Standbysignale der Router sind nicht leistungsgeregelt.
  • Die WLAN-Strahlung der städtischen Router kommt zur bereits vorhandenen Strahlenbelastung hinzu.

Da die Betreiber nicht aktiv mitgewirkt haben, führt die zusätzlich zur Verfügung stehende Übertragungskapazität des WLAN-Netzes zunächst nur dazu, dass bei den drei Schweizer Mobilfunkbetreibern der Druck zu weiteren Aufrüstungen in diesem Altstadtbereich verringert wird.

St.Gallen beweist, dass eine extreme Strahlungsminimierung möglich wäre

*Solange die Betreiber sich aber weigern und auch nicht von der Politik dazu gezwungen werden, ihr Versorgungskonzept zu ändern, führt so ein Projekt nicht oder nur unwesentlich zur Reduzierung der bereits vorhandenen Strahlenbelastung. 

Aber das Projekt St.Gallen Wireless zeigt, dass die Minimierung der Strahlenbelastung quasi zu einem ´Abfallprodukt` einer modernen, in die Zukunft ausgerichteten Mobilfunkversorgung werden kann. 

Darum kämpft die Stadt St.Gallen mit ihrem Beispiel-Projekt auch dafür, dass die Initiative der Schweizer Mobilfunkbetreiber, im Bundesrat eine Aufhebung des Schweizer Vorsorgewertes durchzusetzen, nicht erfolgreich sein wird. Minimierung anstelle ständiger Zunahme der Strahlungsbelastung ist möglich - hier und jetzt und mit den vorhandenen Techniken.

Betreiber mit ins Boot

Weitere Projekte dieser Art müssen die bei St.Gallen-Wireless noch bestehenden Defizite in der Umsetzung überwinden. Dies wäre auch ohne politischen Zwang möglich, sobald die Betreiber einsehen würden, dass Minimierung der Strahlenbelastung ein erstrebenswertes Ziel ist. Es erschließt sich nicht, warum sie dies nicht tun.

Jede Wohnung kann/muss wieder eine "Weisse Zone" sein/werden

Nur auf Grundlage der oben beschriebenen Vorgaben, könnte jede Wohnung wieder zu einer sog. "Weissen Zone" werden, bzw. bleiben - ein Ort ohne, bzw. mit nur minimalster Mikrowellenstrahlung, an dem gesundes Leben, Wohnen und Arbeiten möglich ist und an dem Erholung wieder stattfinden kann.

Format: A4Seitenanzahl: 8 Veröffentlicht am: 18.03.2015 Bestellnr.: 229Sprache: Deutsch

Weniger Strahlung - mehr Daten

Intelligente Mobilfunkversorgung in St. Gallen
Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Ist es möglich, die Strahlenbelastung wesentlich zu begrenzen, Wohnungen zu schützen und in Zukunft in Innenstädten und Wohngebieten auf Mobilfunksendemasten zu verzichten? Und besser mobil zu kommunizieren als vorher? Der Praxisbeweis dafür ist da. Politiker, BUND- und Diagnose-Funk Vorstände waren auf Einladung der Stadtverwaltung in St. Gallen. Lesen Sie den Bericht über das Projekt "St. Gallen - Wireless" im neuen Brennpunkt.