diagnose funk

Die Trennung von Indoor- und Outdoorversorgung

Mobiler Funk und nicht Festnetzersatz
Die Outdoor-Versorgung findet über GSM-, UMTS- oder LTE-Mobilfunkmasten statt. Über sie telefonieren, SMSen oder surfen wir mit den Handys, SmartPhones und Tablets. Die Abstrahlleistung der Mobilfunkmasten ist so ausgelegt, dass sie alle Dämpfungswiderstände (Häuser, Bäume, Reflexionen usw.) überwinden, damit überall und — noch in mehreren Kilometern Entfernung — am Rande einer Funkzelle im Haus telefoniert und gesurft werden kann. Das führt v.a. für die nahe am Mobilfunkmast wohnenden Menschen zu extremen Dauerbelastungen. In Gutachten wie dem für Stuttgart-West wurden Stärken von über 100.000 µWatt/m2 in den umliegenden Häusern gemessen.

Doch diese Technik stößt an ihre Grenzen, weil sie vor allem das extrem anschwellende Datenvolumen durch die Mobilmachung des Internets nicht mehr transportieren kann. Deshalb weichen die Betreiber aktuell auch auf lizenzfreie WLAN-Hot-Spots als weiteres Netz aus. Neue Sendeanlagen sind i.d.R. keine Frage der funktechnischen Erreichbarkeit mehr. Sie sind Ausdruck von überholten Versorgungskonzepten und erhöhen in völlig unnötiger Weise die Strahlenbelastung, anstatt sie zu senken. Wie könnte diese Spirale gestoppt werden?

Die Anbindung aller Haushalte und Industriebetriebe an das Glasfasernetz (oder ein sehr schnelles Kupfernetz für den Übergang) muss zur Grundversorgung werden. Damit ist ein schneller und nahezu unbegrenzter Datentransport in die Häuser möglich, ohne erst die Baumasse und / oder große Entfernungen mittels Funksignalen überwinden zu müssen. Jeder Bürger ist dann über seinen verkabelten Anschluss optimal versorgt. Die Durchstrahlung der Gebäude für schnelles Internet von außen, wie es vor allem in ländlichen Gebieten gerne beworben wird, kann entfallen. Wer im Haus (Indoor) trotz Festnetz auf einen mobilen Smartphone / Tablet- Empfang nicht verzichten will und eine Strahlenbelastung in Kauf nimmt, nutzt seinen Router als sogenannte Mini- (Femto-) Zelle, ein kleiner Mobilfunksender in der Wohnung, der die Mobilfunksignale des Anbieters über das Kabel ins Haus bringt. Die Strahlungsstärke kann dabei so gering eingestellt werden, dass nur ein Raum versorgt und kein Nachbar zwangsweise bestrahlt wird. Technische Störungen durch sich überlagernde Funknetze werden damit ausgeschlossen und hohe Datenraten gewährleistet. Und nachts kann jeder alles ausschalten, um sich von der Mobilfunkstrahlung nicht stören zu lassen bzw. sich davon zu erholen.

Das Recht auf den Schutz der Wohnung, in diesem Fall vor elektromagnetischen Feldern, bleibt damit gewahrt und auch sehr empfindliche Menschen könnten wieder Lebens - und Rückzugsräume in einem normalen städtischen Umfeld finden bzw. in ihren angestammten Orten bleiben.

In der Outdoor-Versorgung können auf der Grundlage einer lückenlosen Glasfaser-Infrastruktur nun neue Wege gegangen werden. Die herkömmlichen Mobilfunkmasten (Makrozellen) werden durch viele Picozellen (Mini-Basisstationen) ersetzt, die auch im Nahbereich nur schwache Funkbelastungen verursachen. Ziel ist die Absenkung der Sendeleistung aller heutigen Outdoor-Basisstationen auf einen Immissionspegel, der nur zur Versorgung des Außenbereichs dient. Eine Optimierung der Senderstandorte ermöglicht, abhängig von Topographie, Zellgröße und Zellart, eine Immissionsminderung um mehrere Zehnerpotenzen. Wenn keine Innenräume von außen versorgt werden müssen, werden zukünftige Outdoor-Basisstationen viel kleiner, preisgünstiger und können mit hoher Homogenität und besserer Ausleuchtung störungsfrei und leistungsarm betrieben werden. Diese Lösung wurde bereits vor 15 Jahren im MiniWatt Programm der Bundesregierung vorgeschlagen. In St. Gallen (Schweiz) wird eine solche Versorgung mit der Zielvorgabe der Immissionsminimierung und gleichzeitig maximaler Kapazität praktiziert.  Und dabei ist es nur logisch, dass für diese Versorgung ein Netz aufgebaut werden muss, in das sich alle Betreiber einmieten. Mehr Daten mit weniger Strahlung, das lässt sich technisch verwirklichen. Es ist nur eine Frage des politischen Willens, ob das Rad der Geschichte auf Fortschritt gedreht wird, auch gegen Widerstände der Industrie.

Die Trennung von Indoor- und Outdoor-Versorgung und der schrittweise Übergang zu kleineren Zellen verbessern die Netze und können die Strahlenbelastung um 10er-Potenzen minimieren. Anwohner und Endgerätenutzer profitieren vom Prinzip der kurzen Funkstrecke. Wer innen keinen Funk haben will, wird auch nicht zwangsweise bestrahlt. Wer es aber innen mobil haben will, installiert Minizellen, die so schwach strahlen, dass sie den Nachbarn nicht mehr erreichen - und jederzeit kann abschaltet werden. Grundlage sehr guter Netze ist die Breitbandinfrastruktur mit Glasfaser und Kupferkabel.

Format: A4Seitenanzahl: 6 Veröffentlicht am: 24.01.2013 Bestellnr.: 219Sprache: Deutsch

Die Zukunft der Mobilen Kommunikation

Mobil und risikoarm kommunizieren
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Die Herausforderung an eine zukunftsfähige Mobilkommunikation (MK) besteht darin, die Nachteile der Mikrowellentechnologie auf ein Minimum zu reduzieren und die bisher erzielten technischen Entwicklungen für hohe Datenraten und Strahlungsminimierung auszu-bauen. Die mit der heutigen Mobilkommuni-kation verbundenen gesundheitsschädigenden Auswirkungen elektromagnetischer Felder können zukünftig vermieden werden, und damit den heute bereits betroffenen Elektrohypersensiblen wieder Lebensraum und Lebensqualität eingeräumt werden. Die nachstehend skizzierten Leistungs- und Qualitätsmängel der heutigen Mobilfunknetze sollten von der Industrie, den Nutzern und den Politikern als Anlass genommen werden, möglichst schnell einen Paradigmenwechsel in der Mobilfunk-Politik vorzunehmen.