diagnose funk

Österreich übernimmt Vorreiterrolle

Kommunale Mobilfunk-Vorsorgekonzepte
Unser Nachbarland Österreich ist uns hier voraus. Mit dem „Leitfaden Senderbau“ wird dokumentiert: Die Bevölkerung muss vor der Strahlung von Sendemasten geschützt werden und die Strahlenminimierung bei der Aufstellung von Mobilfunkmasten ist dafür ein entscheidendes Kriterium. Damit setzen sich die Herausgeber von der Verharmlosungspolitik ab, die in den meisten europäischen Ländern betrieben wird, und stellen eine Vorsorgepolitik dagegen.

Im Vorwort des österreichischen Leitfadens-Senderbau heißt es:

„Die wissenschaftliche Datenlage weist zunehmend darauf hin, dass intensive und jahrelange Nutzung verschiedener funktechnischer Dienste mit einem erhöhten Krankheits-Risiko (z.B. Hirntumoren) verbunden ist. Zuletzt wurden von der internationalen Krebsagentur der WHO (IARC) hochfrequente Felder des Mobilfunks in die Gruppe 2B eingestuft, also als Umwelt-Faktor mit »möglicherweise krebserregender« Wirkung. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen Oberster Sanitätsrat (2008) und Gesundheitsministerium: Sie empfehlen einen »insgesamt vernünftigen Umgang mit Handys, was zur Vermeidung von unnötigen Expositionen führen soll«. So sollten insbesondere Kinder und Jugendliche unnötige Expositionen vermeiden.

Die vorhandenen Befunde sind nicht unmittelbar für alle Situationen anwendbar, wo Belastungen durch Hochfrequenzfelder auftreten – wie z.B. in der Umgebung von ortsfesten Funkanlagen. Die wissenschaftliche Datenlage rechtfertigt aber auch für solche Situationen einen umsichtigen Umgang mit der EMF-Anwendung, denn die dazu vorliegenden spezifischen Studienergebnisse sind jedenfalls ausreichend, um aus vorsorgemedizinischer Sicht die Anwendung des Minimierungsprinzips zu empfehlen.“

Es ist zu wünschen, dass dieser Leitfaden mit seinen Grundätzen in allen europäischen Ländern als erster Schritt zur Senkung der EMF-Belastung übernommen wird.

Anmerkung

Dieser Leitfaden wurde für Österreich erstellt. Er stellt die konkrete Forderung nach maximal zulässigen Immissionswerten von 1.000 µW/m². Dies ist in Österreich möglich, weil dort keine Verordnung auf Bundesebene wie die 26. BImSchV in Deutschland vorliegt.

In Deutschland sind solche konkreten Maximalwert-Forderungen nicht zulässig.

Das Ziel ist die maximal mögliche Immissions-Minimierung.

 

Der "Leitfaden Senderbau" (2. Aufl., Okt. 2014) wird herausgegeben von:

  • Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt
  • Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA)
  • Wiener Arbeiterkammer
  • Österreichische Ärztekammer
  • Wiener Umweltanwaltschaft
  • Wirtschaftskammer Bundesinnung der Elektro-, Gebäude-,
  • Alarm- und Kommunikationstechniker
  • UNI-Wien Institute für Umweltmedizin
  • UNI-Wien Institut für Krebsforschung

 

2. Auflage Oktober 2014Format: A4Seitenanzahl: 44 Veröffentlicht am: 01.10.2014 Herausgeber: Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt

Leitfaden Senderbau

Vorsorgeprinzip bei Errichtung, Betrieb, Um- und Ausbau von ortsfesten Sendeanlagen
Autor:
Wiener Arbeiterkammer; AUVA – Allgemeine Unfallversicherungsanstalt; Wirtschaftskammer - Bundesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm-, u. Kommunikationstechniker; Wiener Umweltanwaltschaft; Österreichische Ärztekammer; Wissenschaftler der MedUni Wien, Institut für Umwelthygiene und Institut für Krebsforschung.
Inhalt:
Die Einführung und weltweite Verbreitung von radiofrequenten Funkdiensten (z.B. W-LAN, Mobilfunk) ist in der Geschichte technischer Innovationen ohne Beispiel. Die rasante Entwicklung wird von Bedenken zu gesundheitlichen Auswirkungen begleitet. Dies führt zu erheblichen Widerständen seitens der Bevölkerung besonders dort, wo Infrastruktur ohne Einbindung der Anrainer ausgebaut wird. Der vorliegende Leitfaden beschreibt Strategien und Vorgangsweisen, um dem Bedürfnis nach technischer Innovation einerseits und dem verständlichen Wunsch nach geringen Immissionen andererseits gerecht zu werden. Die Empfehlungen basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen vergangener Jahre. Der Leitfaden bietet konkrete Empfehlungen für ein partizipatives Vorgehen bei der Errichtung von Basisstationen für Baubehörden, Anrainer und Betreiber-Gesellschaften mit dem Ziel gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen zu berücksichtigen. Konfliktträchtige Bauvorhaben können so über einen konstruktiven dialoggesteuerten Prozess im Konsens mit den Anrainern verwirklicht werden.