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Kommunale Strahlenkataster - wo wird gemessen?

Eckpunkte der Diskussion
Bevor in einer Kommune ein Standort gesucht wird, muss der erste Schritt die Bestandsaufnahme der realen Strahlenbelastung durch einen unabhängigen Gutachter sein. Hierbei ist mit Vorort-Messungen und Simulationen gleichermaßen zu arbeiten. Der zweite Schritt ist die Simulation der Strahlenbelastung durch die geplante Anlage.

Bei der Erstellung eines Strahlenkatasters müssen eindeutige Kriterien für die Messpunkte festgelegt werden. Es muss v.a. dort gemessen werden, wo sich die Menschen aufhalten, also auch in den oberen Geschossen der Häuser im Hauptstrahl der Sender.

Die Mess-Vorschriften zur 26.BImSchV. werden falsch ausgelegt

In den „Hinweisen zur Durchführung der Verordnung über elektromagnetische Felder“ zur 26. BImSchV.13, werden falsch ausgelegt. Dort ist unter III.3.2.1.4 Messorte und Messpunkte festgelegt:

„Messorte und Messpunkte werden nach dem jeweiligen Erfordernis der maßgebenden Immissionsorte ausgewählt“. Grundsätzlich können „Außen– und Innenmessungen“ vorgenommen werden (III.3.2.2.4.). Und „Die Messung soll in 1,5 m Höhe über Boden (Körperhöhe) durchgeführt werden.“ (III.3.2.2.5.)

Die Messtechniker der Bundesnetzagentur (BNA) behaupten dann vor Ort „Wir messen nur außen, 1,5 m über Erdboden – so ist die Vorschrift!“. Dass diese Auslegung falsch ist, mussten auch die zuständigen Fachleute in der BNA einräumen. Dieses Vorgehen, nur über Erdboden zu messen, garantiert in der Regel niedrige Werte, die mit der Lebensrealität der Menschen wenig zu tun haben. Die Messwertekarte der BNA ergibt somit ein komplett falsches Bild der Realität, s.u..

Dort messen, wo sich die Menschen aufhalten!

Eine durchgeführte Messwerte-Erhebung des EMF-Institutes Nießen in Stuttgart-West im September 2011 deckte diese großen Diskrepanzen auf. Während sich die Messungen der BNA im Bereich um 100 µWatt/m² bewegten, kam das EMF-Institut auf Werte bis zu 543.000 µWatt/m², das ist 5.400-fach höher! Das Institut hat einfach dort gemessen, wo sich die Menschen auch aufhalten, wo Haupt - und Nebenkeulen auftreffen und nicht nur dort, wo eine politische Entscheidung es vermeintlich (s.o.) vorgibt.

Abbildungen: Links die Messpunkte um die Vodafone/O2-Anlage in Stuttgart-West, bestückt mit drei GSM- und sechs UMTS-Sektorantennen. Rechts die Messwerte des EMF-Instituts Nießen (blau) im Vergleich zu Messungen der BNA (grün) die auf der Straße in 1,5 m Höhe misst.