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Kleinzellennetze der Betreiber — falsch konzipiert

Eckpunkte der Diskussion
Die Mobilmachung des Internets führt seit Einführung der SmartPhones und Tablet PCs zu einer ständigen Überlastung der Infrastruktur der kommerziellen Mobilfunknetze, trotz neuer Techniken wie LTE.

Der alte Ansatz, allen Nutzern mit wenigen großen Sendeanlagen viel Übertragungskapazitäten anbieten zu wollen, ist nicht zukunftsfähig. Das wissen auch die Betreiber. Vordergründig machen sie nun dasselbe wie in St. Gallen: Kleinzellen-Netze aufbauen. Doch mit völlig anderen Vorgaben.

Viele kleine Sender, in Wohnungen und Kellern montiert, sollen aus den Häusern auf die Straße, in die Nachbarschaft strahlen. Damit soll anderen Kunden, die gerade zufällig vorbei gehen, ein Internetzugang ermöglicht werden. Der Ausbau, u.a. auf der lizenzfreien WLAN-Technik basierend, entwickelt sich z.Zt. ungeplant und unkontrolliert. Der Nutzen für die Netzentlastung ist minimal, der für den Endkunden kaum spürbar, die Belastung für Menschen und Umwelt hoch.

Kabel-Deutschland (2013 gekauft von Vodafone):

Änderte bestehende Festnetzkunden-Verträge. Nur aktiver Widerspruch verhindert die automatische Inbetriebnahme des WLAN am Router in der eigenen Wohnung.17 Gegen unterschiedliche Entgelt steht dieses WLAN-“Netz“ auch jedem zur Verfügung.

Deutsche Telekom:

Versucht das gleiche mit dem Angebot WLAN-TO-GO in Kooperation mit dem spanischen Anbieter FON-Wireless-Limited. Der wichtige Unterschied: Die Endkunden müssen sich schriftlich zu dieser Freischaltung bereit erklären.

Liquid Broadband:

Ein seit 2014 agierendes ´Firmenkonsortium` bemüht sich um die Ersteigerung von Mobilfunk-Frequenzen im 700 MHz-Band von der Bundesnetzagentur im Jahr 2015. Damit will man ein „neues, flächendeckendes Mobilfunknetz in Deutschland aufbauen“, mit Funkstationen, die nicht größer sind als WLAN-Router, welche in privaten Haushalten/ Unternehmen aufgestellt werden sollen. Der Kunde soll das Netz bauen.

Alcatel-Lucent:

Ende 2014 hat der Entwickler und Netzwerkausrüster angekündigt, in Zukunft die Mobilfunkinfrastruktur auf eine Basis von Kleinzellennetzen umbauen zu wollen. Die medienwirksame Aussage in der Presseerklärung war die Ankündigung, „damit das Festnetz überflüssig zu machen“. Datenkapazität sei dann kein Problem mehr, weil die multifunktionale Funkzelle in der Straßenlaterne ja nur noch wenige Gebäude und Nutzer pro Einheit zu versorgen habe, so Alcatel-Lucent.18 Was nicht dazu gesagt wurde: Auch dieses Netz braucht eine funktionierende kabelgebundene Glasfaser Infrastruktur, mit der die Kleinzellen in das weltweite Netz eingebunden werden müssen.

Bewertung dieser Art von „Kleinzellen-Netze“

Solche Konzepte ignorieren die Grundlagen der Wellenausbreitung der Mikrowellenstrahlung. Hindernisse wie Baumasse müssen durchstrahlt werden. Dies führt zu einem potenziell störungsanfälligem System mit geringen Übertragungskapazitäten und damit schlechterer Qualität.

  • Das Konzept zwingt zu hohen Sendeleistungen, nicht nur bei den Basisstationen, sondern auch bei den Endgeräten.
  • Auf Belange der Strahlungsminimierung wird keine Rücksicht genommen, Drittschutz kann damit nicht gewährleistet werden — Nachbarn und sog. By-Stander werden zwangsbestrahlt. Die Strahlenbelastung wird insbesondere in der schutzwürdigen Wohnung zusätzlich erhöht.
  • Ein nachfrageorientierter Netzaufbau (wie bei Liquid-Broadband) kann zudem nur zu einem lückenhaften Netz führen, weil er ohne Plan ist.

Ein zukunftsfähiges Netz lässt sich damit nicht aufbauen.

 

Entwicklung von Kleinzellen

Eine Kleinzellen-Entwicklung von Alcatel-Lucent z.B. nennt sich Light Radio Cubes (LRC). Dabei handelt es sich um kompakte Funkmodule, die Mobilfunktürme ersetzen bzw. ergänzen können. Diese Funkeinheiten sollen in der Lage sein, alle Frequenzen über ein Modul zu bedienen. Andere Firmen wie Ericsson, Huawai, Cisco, Samsung, NEC und Nokia-Siemens erforschen ebenfalls Mini-Module, die sie "Small Cells" nennen.