diagnose funk

Innenstandort versus Außenstandort

Eckpunkte der Diskussion
Durch die Wahl emissionsarmer Standorte kann die Strahlung, die bei den Menschen in den Häusern ankommt, bereits massiv reduziert werden, wie folgende Untersuchung in Pliezhausen-Rübgarten bei Tübingen zeigt. Erst die Einschaltung eines externen Sachverständigen durch die Gemeinde hat zu diesem Ergebnis geführt.

Bild 1: Geplanter 15 m hoher Standort eines Betreibers am tief gelegenen Teil des Dorfes mit sehr hohen Immissionen in großen Teilen der Gemeinde—die Antennen strahlen in allen Richtungen gegen den Hang

Bild 2: Alternative – ein 25 m Mast an der B28 mit verminderten Emissionen

Bild 3: akzeptierte Alternative – ein 40 m Strommast oberhalb des Dorfes, die maximalen Emissionen im Dorf betragen hier nur noch 7 % des Erststandorts.

Vgl. hierzu das Modell der Hochschule HTWG-Konstanz zu Überlingen/Nussdorf http://blog.diagnose-funk.org/2012/05/07/zukunft-mit-weniger-strahlen/

Ein häufig genannter Kritikpunkt an einer Mobilfunkversorgung mit Basisstationen außerhalb der Bebauung bezieht sich auf die Strahlungsbelastung der Endgerätenutzer. Der Vorwurf lautet, dass durch die weiter von der Wohnbebauung entfernten Basisstationen zwar die Immissionsbelastung der Wohnbevölkerung durch die Strahlung der Basisstationen reduziert wird, die Endgeräte aber dadurch mehr Sendeleistung aufbringen müssten, was zu einer höheren Strahlungsbelastung der Nutzer führe.

Diese Argumentation ist nur dann richtig, wenn man bei der Entwicklung einer strahlungsminimierten Mobilfunkversorgung nichts anderes tun würde als eine „normale“ Basisstation von einem Standort innerhalb der Wohnbebauung an einen Standort außerhalb der Wohnbebauung ohne Berücksichtigung der Bebauung und Topografie zu verschieben.

Die Qualität der Funkverbindung und damit die Sendeleistung des Handys wird aber nicht nur durch die Entfernung zwischen Basisstation und Handy bestimmt, sondern ganz entscheidend dadurch, ob und welche Hindernisse sich zwischen Basisstation und Endgerät befinden.

Innerörtliche Basisstationen befinden sich häufig in unmittelbarer Nähe der Bebauung. Bei Mobilfunknutzern, die sich nur ein oder zwei Straßenzüge entfernt von der Basisstation aufhalten, ohne direkte Sicht zur Basisstation, kann das Funksignal nur nach mehreren Reflexions- und oder Beugungsvorgängen sein Ziel erreichen – auch dies führt bereits zu hoher Sendeleistung bei den Handys und Basisstationen.

Es profitieren die Bevölkerung und der Handynutzer!

Durch eine Versorgung „von außen“ und/oder „von oben herab“ gelingt es, die sogenannten „Pfadverluste“ – also die Schwächung des Funksignals auf dem Weg vom Sender zum Empfänger – erheblich zu reduzieren. Im Ergebnis kann bei gut gewählten Außenstandorten die Gesamtdämpfung des Funksignals geringer sein als bei einem typischen innerörtlichen Standort. Diese Aussage wird gestützt durch Untersuchungen des Instituts für Hochfrequenztechnik der Universität Stuttgart, welche das Mobilfunk-Versorgungskonzept für die Stadt Attendorn im Jahr 2004 einer unabhängigen Überprüfung unterzogen hatte.11 Das Konzept der Außenversorgung führt demnach auch zu einer geringeren Belastung der Handynutzer als die innerörtliche Versorgungsstruktur nach den Vorgaben der Netzbetreiber.

3D-Simulation der Strahlungsausbreitung innerörtlicher Sendeanlagen

Die Grafik zeigt die Strahlungsausbreitung um Sektor-Sendeanlagen im städtischen Umfeld. Gut erkennbar sind die hohen Immissionen bei Sichtverbindung zur Anlage. Auch direkt unter der Sendeanlage sind hohe Strahlungspegel (rot) durch sog. Nebenkeulen der Anlage und Reflexionen der Strahlung an anderen Gebäuden vorhanden. Steht ein Gebäude zwischen Sender und Aufenthaltsort, kommt es zu Abschattungen mit erheblicher Leistungsreduktion (dunkelblau), auch hier ist noch guter Empfang, selbst im Keller.