diagnose funk

Funkende Verbrauchszähler (Smart Meter)

Vermeiden unnötiger Funkbelastung / Strahlung bei Strom-, Wasser-, Heizkörper-, Fernwärme-, Gaszählern und auch Pumpen
„Intelligente“ Zähler, auch Smart Meter genannt, sind digitale Energie- oder Mengenverbrauchszähler, die mit Übertragungssystemen ausgestattet werden können, um einen Austausch von Daten und Steuersignalen zwischen Versorger und Verbraucher zu ermöglichen.

Mit dem neu geschaffenen "Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende", welches im Juli 2016 vom Bundestag mit schwarz-roter Mehrheit verabschiedet wurde, sind Hausbesitzer in Deutschland mit einem Stromverbrauch größer als 6.000 kWh/Jahr oder bei Betrieb eines Energieerzeugers (z.B. Fotovoltaikanlage) größer 7 kWpeak gesetzlich verpflichtet, nach und nach digitale Stromzähler mit einem sog. Kommunikationsmodul einbauen zu lassen. Alle anderen Haushalte werden einfache digitale Zähler (vorerst) ohne Übertragungssystem installiert bekommen. Umfassende Kritik an diesem Gesetz finden Sie in verschiedenen Artikeln auf unserer Netzseite (siehe LINKS am rechten Bildrand oder unten).

Die Datenübertragung kann über drei Arten erfolgen:

  1. Am Gerät angeschlossenes LAN-Kabel mit Verbindung zum Internet. Empfohlen!
  2. Mittels sog. Powerline Communication (PLC oder auch dLAN genannt). Hierbei werden hochfrequente Signale über das Stromnetz übertragen – entweder hausintern zum Internetanschluss oder über die Gebäudeanschlussleitung des Netzbetreibers zu einem Datensammler und dann ins Internet. Nicht empfohlen!
  3. Über im Gerät eingebaute Sender, welche die Daten über Mobilfunk (i.d.R. GSM) ins Internet übertragen. Nicht empfohlen!

PLC-Signale können zu erhöhten Expositionen durch Felder im kHz- oder MHz-Bereich führen, insbesondere an Orten mit bereits erhöhten 50 Hz-Feldern. Bei PLC-Übertragungen über die Anschlussleitung zum Versorger ist der Einbau eines Netzfilters zwischen Smart Meter und Hausstromverteiler zielführend (vgl. www.bajog.de).

Auch bei Wasserzählern werden verstärkt Übertragungsmodule eingesetzt, die in kurzen Intervallen (24/7/365) Zählerinformationen mittels Funk aussenden.

Gebäudeeigentümer sind nicht verpflichtet, die Nutzung von Funk- oder PLC-basierten Zählern zuzulassen. In Deutschland kann der sog. Messstellenbetreiber, der die Zähler einbaut und betreibt, frei gewählt werden – unabhängig davon, wer der Netzbetreiber oder Stromlieferant ist. Verpflichten Sie den Messstellen-betreiber auf eine elektrosmogfreie Datenüber-tragung, am besten mit LAN-Kabel. Achten Sie darauf, dass ggf. integrierte PLC-Funktionen vollständig deaktiviert sind (schriftlich bestätigen lassen).

Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2011 hat der Mieter in Deutschland den Einbau von Funkzählern vom Prinzip her jederzeit zu dulden, wenn der Vermieter dies vorhat. Zu beachten ist, dass hiermit nicht über die Frage des datenschutzrechtlichen Zulässigkeit von dauerfunkenden Zählersystemen verhandelt wurde. Beachten Sie hierzu auch die nachstehenden Smileys.

Das Prinzip fernauslesbarer Verbrauchszähler hält auch Einzug bei Wasser-, Gas- und Wärme. Geräte die mit häufig ausgesandten Funksignalen arbeiten, sollten nicht akzeptiert werden. Die Wasserzähler der Firma K. senden alle 16 Sekunden und die der Fa. D. alle 10 Sekunden ein Signal mit 10 mW Leistung, wobei nur damit einmal jährlich der Datensammler am Haus vorbeifährt, um die Signale aufnehmen.

Das immer wieder vorgebrachte Argument, der Dauersender beim Endkunden werde gebraucht, um damit z.B. eine Leckageortung vorzunehmen, ist i.d.R. praktisch irrellevant, wie uns Techniker von mehreren Wasser-Versorgungsunternehmen mitgeteilt haben. Im Hauptnetz mag das Sinn machen. Für den Endkundenhaushalt ist es ein vorgeschobenes Verkaufs- und Durchsetzungsargument.

Empfehlungen:

  1. Erkundigen Sie sich bereits im Vorfeld über die Planungen Ihres Wasserversorgers
  2. Verweigern Sie (ggf. präventiv) den Einbau von Dauerfunkern => Musterbrief
  3. Suchen Sie sich Verbündete, schaffen Sie Öffentlichkeit zum Thema vor Ort

Wasserverbrauchszähler die andauernd Datenpakete aussenden (häufiger als für die Abrechnung relevant) werden von den Datenschutzbeauftragten der Länder und des Bundes ohne eine explizite gesetzliche Grundlage als unzulässig eingestuft. Vgl. hierzu unseren Artikel vom 20.07.2016.

Solche datenübertragenden Zählersysteme können vom Endkunden grundsätzlich abgelehnt werden. Nutzen Sie unser Musteranschreiben.

Auch der Bayerische Datenschutzbeauftragte macht praktmatische Vorschläge, wie es möglich wäre, das Datenschutzproblem zu regeln. Die Funkübertragung wird zu  Ablesezeiten für kurze Zeit vom Verbraucher selbst aktiviert. Dazu wäre nur der Einbau eines Schalters - sowie eine automatische Abschaltautomatik notwendig. Damit wäre eine Fernablesung ohne Beeinträchtigung des informationellen Selbstbestimmungsrechts gegeben. Auch die Belastung durch Funkimpulse könnte so gemindert werden.

Dr. Moldan

Ständig funkende Thermostaten und Verbrauchszähler am Heizkörper die alle paar Minuten Signale übertragen, sind gerade große Mode. Messungen an solchen Geräten zeigen, dass in einem Abstand von 1 m bis zu 1.000 µW/m² (0,61 V/m) gemessen werden.

Metallgewebe reduziert die Signalstärke, unterbindet aber ggf. die Fernauslesung.

Müller-Electronic

Funkausleseeinheiten am Heizkörper die durch eine extern Aktivierung nur ein- oder wenige Male im Jahr ausgelesen werden, sind unkritisch.

TIPP: Hersteller wie die Firma Mueller-electronic.com nutzen eine Software, wo sich der Auslese- und damit Sendezeitraum für die Informationen exakt definieren lässt. Die Funksignale werden nur zu den benötigten Auslesintervallen erzeugt. Beispiele:

In Mehrfamilienhäusern mit zentralen Sammlern: 
Am 1. und 15. eines Monats morgens um 7 Uhr vom Zähler an den Sammler. Und der Sammler im Treppenhaus, sofern dieser nur mit Funkübertragung ausgestattet ist, sendet ebenso nur zweimal im Monat eine SMS.  

In Mehrfamilienhäuser wo von außen die Signale gesammelt werden: Während zwei Wochen im Februar, Werktags von 7 - 18 Uhr, alle vier Minuten ein Signal. Die Nacht bleibt funkfrei.

Das reicht, um alle praktisch erforderlichen Ableseintervalle und möglichen Wohnungswechsel messtechnisch zu erfassen und abzuwickeln. Nirgendwo müssen Zähler 15 Funk-Impulse in jeder Stunde des Tages, an 365 Tagen im Jahr aussenden => 131.400 Signale pro Jahr. Niemand braucht so etwas, also ist es zu unterlassen!

Immer öfter werden bei Heizungsanlagen Funktionen zur Steuerung, z.B. bei Pumpen, über Funk abgewickelt.

Ein besonders unsinniges Beispiel: Bei einem kombinierten Heizungs- und Solarspeicher mit sog. Frischwassermodul der Fa. S. werden die Pumpen des Herstellers G. über den Abstand von 30 cm (!) mittels dauerhaft strahlenden WLAN-Funk aufeinander abgestimmt. Das Argument dafür ist, dass auch noch weitere Module an anderer Stelle so leichter eingebunden werden könnten. Obwohl das hier nicht der Fall ist, ist das WLAN nicht abstellbar. In 1 m Abstand werden Werte um 1.000 µW/m², im Zimmer oberhalb der Stahlbetondecke noch 20 µW/m² gemessen. Das ist 200- mal so viel als für einen Schlafplatz empfohlen.

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Fragen Sie Ihren Vermieter, was im Haus geplant ist. Überzeugen Sie ihn davon, die elektrosmog-freie Variante z.B. über LAN-Kabel zu wählen. Bei Neubauplanungen oder Sanierungen planen Sie einen zentralen LAN-Verteiler gleich am/im Hausanschlusskasten und in der Nähe der Verbrauchszähler.

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Bis dahin werde ich (...) insbesondere darauf hinwirken, dass keine solchen Wasserzähler mehr eingebaut werden, für die eine formell-gesetzliche Rechtsgrundlage erforderlich ist.

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Prof. Dr. Thomas Petri, Datenschutzbeauftragter in Bayern, Rhön-Saalepost, 28.02.2017

Am 01. Dez. 2016 wurde die Charta der Digitalen Grundrechte veröffentlicht.

Artikel 11 unterstreicht die Aussage, dass dauersendende digitale Verbrauchszähler a´la Kamstrup und Diehl als Zustimmungspflichtig einzustufen sind:

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Art 11 Datenschutz und Datensouveränität

 

(2) Jeder hat das Recht, über seine Daten selbst zu bestimmen. Personenbezogene Daten dürfen nur nach Treu und Glauben und für festgelegte Zwecke erhoben und verarbeitet werden, wenn dies für das jeweilige Nutzungsverhältnis erforderlich ist und eine vorherige Einwilligung erfolgt ist oder auf gesetzlicher Grundlage. Die Einwilligung muss ausdrücklich und informiert erfolgen. Nutzungsverhältnisse müssen fair und transparent gestaltet werden. (...)
(4) Anbieter von Diensten oder Produkten dürfen nur solche Daten erheben und verarbeiten, welche für den Zweck der Benutzung erforderlich sind. Die Grundsätze von privacy by design und privacy by default sind einzuhalten.

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Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union