Hintergrundinformationen

Was wir ändern und wie wir uns schützen können.

Die mobile Kommunikation ist die Leittechnik des 21. Jahrhunderts und die umsatzstärkste Branche unserer Zeit. Sie wurde ohne Beachtung ihrer Risiken eingeführt und basiert auf gepulster / modulierter Mikrowellenstrahlung. Hinzu kommt, dass ihre Faszination das Nachdenken über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefahren zu ersticken scheint. Wir befinden uns mit 5G in einer neuen Phase des Ausbaus der Funkanwendungen: In den 90er Jahren ging es um den reinen Sprachmobilfunk. Am Anfang der Jahrtausendwende und mit der Einführung der Smartphones und Tablets fand die Mobilmachung des Internets statt. Mit der 2010 eingeführten LTE-Technik wurde der mobile Zugriff auf das Internet erst richtig praktikabel. Jetzt, mit 5G, geht es um das Internet der Dinge (IoT - Internet of Things). Jedes Gerät, vom Fernsehapparat bis zum Kühlschrank, jeder Gegenstand soll Informationen übermitteln. Nicht mehr unser Wunsch nach Kommunikation und Datenaustausch ist der Antrieb des Mobilfunkausbau, sondern die Dinge selbst sollen andauernd und überall Daten austauschen. Das bedeutet: Jedes Tun soll und wird immer mehr, überall und kontinuierlich digital erfasst, gesammelt und gespeichert werden. Das ist BigData, ein perfektes Überwachungssystem. Das nächste Mammutprojekt ist die komplette Vernetzung, Überwachung und Steuerung des Autoverkehrs, v.a. für das geplante autonome Fahren. Die neuen Anwendungen für dieses futuristische Vorhaben haben zur Folge, dass die Strahlenbelastung steigt und steigt. Deshalb drängen sich folgende Fragen auf:

  • Können wir daran etwas ändern?
  • Können wir uns schützen?
  • Kann die Politik handeln?

Dreimal ja, denn es gibt Alternativen!

Ein kurzer Blick zurück. Die Risiken der Mobilfunktechnologe waren bereits vor deren ziviler Einführung aus den Militärforschungen und aus den gewonnenen militärischen Erfahrungen, in den USA, der DDR und der Sowjetunion bestens bekannt. Vor allem in der Sowjetunion gab es umfangreiche, detaillierte und sehr interessante Dokumentationen. Diese Tatsache ist auch deutschen Institutionen bekannt. So ließ das Bundesamt für Telekommunikation in den 90er Jahren die umfangreiche sowjetische Forschung durch Prof. Karl Hecht (Charité Berlin) aufarbeiten. Danach veröffentlichen die zuständigen Sachbearbeiter im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) noch im Jahr 2005 die „Leitlinien Strahlenschutz“, in denen sie vor der „unkontrollierten Exposition“ warnten und staatliche Regulierung einforderten.

Daraufhin ließ die Bundesregierung das sog. Mini-Watt-Programm erarbeiten. Diskutiert wurden sinnvolle Regulierungsmaßnahmen wie „Ein Netz für alle Anbieter“, so wie beim Strom, beim Gas und im Straßenbau. Verpflichtendes Roaming (für alle Anbieter ein Netz) für alle Mobilfunkbetreiber würde die Strahlenbelastung erheblich senken. Ein Risikobewusstsein war also vorhanden. Doch es ging nicht vorwärts. Industrie-Kanzler Schröder und 50 Milliarden Euro Lizenzgebühren für den UMTS-Ausbau beendeten die Diskussion. Verkaufte Gesundheit nennen wir das. Flankierend dazu wurde ein ganzes System zur Risikoverschleierung aufgebaut. Die unkontrollierte Bestrahlung wurde zugelassen, heute haben wir bis zu einem Dutzend parallel betriebener Mobilfunknetze.

Was wäre notwendig, was wäre eine Verbesserung? Wir brauchen ein staatliches Minimierungsgebot unter dem Aspekt der EU-rechtlich vorgesehenen und auch national verankerten Vorsorge nach dem ALASTA-Prinzip (as low as scientifically and technically achievable – so niedrig wie wissenschaftlich und technisch erreichbar). Für unseren Gesundheitsschutz müsste und könnte in einem ersten Schritt die Strahlenbelastung um ein Mehrtausendfaches gesenkt werden. Immissionsminimierung ist durch fünf Maßnahmen erreichbar, ohne die Kommunikationsmöglichkeiten einzuschränken:

1. Durch die Trennung der Innen- und Außen-Versorgung, die den Schutz der Wohnung vor ungewollter Durchstrahlung ermöglichen würde.

2. Durch ein Netz für alle Anbieter; so wie wir auch nur ein Stromnetz und nur eine Straßeninfrastruktur haben.

3. Durch leistungsfähige aber trotzdem strahlungsarme Mobilfunkstandards, bessere Antennen und Endgeräte.

4. Durch leistungsschwache Kleinzellensender (s. Modell St. Gallen) in verdichteten Siedlungsräumen, um Makrozellen in der Nähe von Wohnungen / Arbeitsplätzen zu vermeiden.

5. Die Mikrowellentechnologie muss schnellstmöglich durch eine gesundheitsverträgliche Technologie abgelöst werden. Daran wird geforscht. Die optische Übertragungstechnik-VLC (Visible Light Communication, LiFi), über LED-Licht ist zur Anwendungsreife entwickelt und bereits auf dem Markt.

Bürgerschaftliches Engagement für Vorsorge

Bürger gehen auf die Straße Foto: diagnose:funk
Hunderte Bürgerinitiativen protestieren in ganz Europa für einen besseren Schutz vor Mobilfunk-Strahlung. Werden auch Sie aktiv!