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AUVA präsentiert Forschungsergebnisse

Veranstaltung in Wien und Pressemitteilung
In einem Forschungsprojekt der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) in Österreich wurden mehrere athermische Wirkungen unterhalb der aktuellen Grenzwerte festgestellt.

Bei der Veranstaltung der AUVA am 26. Juni 2007 und 25. September 2007 im Technischen Museum Wien (Veranstaltungs-Flyer s.u. weiterführende Links) wurden nicht nur die Ergebnisse des Forschungsprojektes, sondern auch Regeln und Empfehlungen zum vernünftigen Umgang mit Mobiltelefonen besprochen. Zusammenfassend legen die Ergebnisse nahe, die Schutzkonzepte im Arbeitnehmerbereich zu adaptieren.

Veranstaltungshinweis der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA)

Achtung Elektrosmog!

Athermische Wirkungen von elektromagnetischen Feldern

Das so genannte „Handy” ist aus dem Arbeitsleben nicht mehr wegzudenken. Die dabei zum Einsatz kommenden Mikrowellen verursachen im menschlichen Gewebe nicht nur thermische (erwärmende), sondern auch athermische Wirkungen. Lange Zeit galten die thermischen Wirkungen als die einzig biologisch schädlichen Wirkungen, und so schützen die aktuellen Grenzwerte nur vor diesen. Mit der zunehmenden Nutzung des Mobilfunks steigt jedoch die Besorgnis der Öffentlichkeit vor möglichen schädlichen Wirkungen an. Dabei rücken auch die athermischen Effekte elektromagnetischer Felder in den Blickpunkt des Interesses. Ein vor kurzem abgeschlossenes Forschungsprojekt der AUVA beschäftigte sich ausschließlich mit den athermischen Wirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern im Mobilfunkbereich. In Doppelblindversuchen wurden mehrere athermische Wirkungen unterhalb der aktuellen Grenzwerte gefunden.

PRESSEMITTEILUNG

der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (Österreich)

Einfache Verhaltenstipps zum sicheren "Handyfonieren"

AUVA präsentiert Forschungsergebnisse zu möglichen gesundheitsrelevanten Wirkungen des Mobiltelefons

Wien (OTS) - Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) stellt heute (25.09.2007) Forschungsergebnisse zu möglichen gesundheitsrelevanten Wirkungen des Mobiltelefons vor. Daraus leiten die AUVA-Experten die folgenden einfachen Verhaltenstipps zum sicheren "Handyfonieren" ab:

  • Handy mit niedrigem SAR-Wert* wählen
  • Zum Telefonieren Freisprech-Funktion bzw. Headset (Kopfhörer) verwenden
  • Zum Telefonieren wenn möglich (vor allem bei langen Gesprächen) das Festnetz benützen
  • Mobiltelefon in einer Hand- oder Aktentasche und nicht am Körper tragen
  • Nicht neben oder auf dem eingeschalteten Handy schlafen
  • Stundenlanges Telefonieren mit dem Mobiltelefon vermeiden
  • Nach längerem oder häufigem Telefonieren mit dem Handy Pausen einlegen
  • Im Auto Freisprechanlage mit Außenantenne verwenden oder zumindest die Freisprech-Funktion des Handys aktivieren (denn ohne Außenantenne sendet das Mobiltelefon im Auto mit höherer Leistung als im Freien)
  • Nicht bei schlechtem Empfang, z.B. im Keller oder im Aufzug, mobil telefonieren

Verhaltenstipps im Sinne des Präventionsgedankens

Dipl.-Ing. Dr. Hamid Molla-Djafari (Projektleiter, AUVA) erklärt den Sinn dieser Verhaltenstipps: "Aus unserem Alltag sind Handys als nützliche Kommunikationsmittel kaum mehr wegzudenken. Daher rufen wir alle Handynutzer in ihrem eigenen Interesse und im Sinne des Präventionsgedankens zu einem verantwortungsvollen und möglichst sicheren Umgang mit dem Mobiltelefon auf. Vor allem Langzeit- und Vieltelefonierer sowie Kinder und Jugendliche sollten unsere einfachen Tipps beherzigen, um die gesundheitlichen Risiken durch Mobiltelefone so gering wie möglich zu halten."

Hintergrund zum Forschungsprojekt der AUVA

Bis vor kurzem wurde nur die thermische Wirkung von elektromagnetischen Feldern als gesundheitsrelevant angesehen. "Thermische Wirkung" bedeutet, dass elektromagnetische Felder ab einer gewissen Stärke den menschlichen Körper erwärmen. Mittlerweile wurden aber auch nicht-thermische (also "athermische") Wirkungen von elektromagnetischen Feldern auf den Organismus beobachtet.

Ausgehend von diesen Beobachtungen hat die AUVA ein Forschungsprojekt initiiert, um zu untersuchen, ob die elektromagnetischen Felder von Mobiltelefonen auch unterhalb der geltenden Grenzwerte gesundheitsrelevante athermische Wirkungen haben können. An dem von der AUVA in Auftrag gegebenen, finanzierten und geleiteten Projekt beteiligten sich seitens der Medizinischen Universität Wien das Institut für Krebsforschung, das Institut für Umwelthygiene und die Abteilung Arbeitsmedizin sowie die Austrian Research Centers GmbH Seibersdorf. Am heutigen 25. September werden die Forschungsergebnisse bei einer Informationsveranstaltung im Technischen Museum Wien präsentiert.

Die Forschungsergebnisse im Einzelnen

Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Mosgöller (Projektkoordinator, Medizinische Universität Wien) erläutert die Resultate der Versuchsreihen mit elektromagnetischen Feldern, die über mehrere Stunden auf Menschen einwirken: "Wir haben bei bestimmten Zelltypen DNA-Brüche nachweisen können. Die gleichen Zellen aktivierten auch die Eiweißsynthese - ein deutliches Zeichen für 'Zellstress' und DNA-Reparaturaktivität. Es stellte sich heraus, dass es widerstandsfähige und empfindliche Zellen gibt. Während die Exposition der für das Immunsystem zuständigen Lymphozyten und Monozyten bei einer spezifischen Absorptionsrate (SAR) von 1 W/kg keine Veränderungen bewirkte, kam es bei der Exposition von Bindegewebszellen weit unterhalb der derzeitigen Grenzwerte zu DNA-Brüchen und Erhöhungen der Proteinsyntheseraten (UMTS bei 0,1 W/kg, GSM bei 0,3 W/kg). Es bestätigten sich auch die Veränderungen der Gehirnfunktion und der Gehirnphysiologie, allerdings ohne Krankheitswert." Mosgöller verweist auch auf das bemerkenswerte Ergebnis, dass unterbrochenes Telefonieren - also z.B. fünf Minuten Gespräch, zehn Minuten Pause - mehr DNA-Brüche zur Folge hatte als Dauergespräche.

Keine akute Gesundheitsgefahr, aber Hinweise auf erhöhtes Krebsrisiko

Alles in allem sehen die Forscher zwar in keiner der im Versuch festgestellten athermischen Wirkungen von elektromagnetischen Feldern eine akute und kurzfristige Gesundheitsgefahr. Dennoch deuten die gefundenen DNA-Brüche auf lange Sicht auf ein erhöhtes Krebsrisiko hin, das jeder Handynutzer ganz einfach mit Hilfe der oben beschriebenen Verhaltenstipps minimieren kann.

* SAR steht für "Spezifische Absorptions-Rate": Diese physikalische Größe gibt Auskunft über die Absorption von elektromagnetischen Feldern im menschlichen Gewebe. Der SAR-Wert wird in Watt pro Kilogramm angegeben. Elektromagnetische Felder bewirken ab einer gewissen Stärke die Erwärmung des menschlichen Gewebes ("thermischer Effekt"), was negative gesundheitsrelevante Folgen haben kann. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt daher als maximal zulässigen Grenzwert einen SAR-Wert von 2,0 W/kg; viele moderne Handys liegen bereits um einiges unter diesem Grenzwert. Als Faustregel gilt: Je niedriger der SAR-Wert des Mobiltelefons, desto geringer wird das Gewebe durch das vom Handy erzeugte elektromagnetische Feld erwärmt und desto geringer sind auch mögliche gesundheitsrelevante Wirkungen. Der für das jeweilige Gerät geltende SAR-Wert ist im Benutzerhandbuch des Handy-Herstellers angeführt. Der SAR-Wert bezieht sich immer auf die maximale Sendeleistung des Handys, denn in gut ausgebauten Netzen bzw. bei gutem Empfang sendet das Mobiltelefon in der Regel mit geringerer Sendeleistung als in schlechter ausgebauten Netzen bzw. bei schlechtem Empfang.

Über die AUVA: Soziale Unfallversicherung für rund 4,4 Millionen Versicherte

Bei der AUVA sind rund 4,4 Mio. Personen gesetzlich gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert: 1,2 Mio. Arbeiter, 1,5 Mio. Angestellte, 370.000 Selbstständige sowie 1,3 Mio. Schüler und Studenten. Die AUVA finanziert ihre Aufgaben als soziale Unfallversicherung überwiegend aus Pflichtbeiträgen der Dienstgeber. Diese zahlen 1,4 Prozent der monatlichen Bruttolohnsumme jedes Dienstnehmers (bis zur Höchstbeitragsgrundlage von 3.840,- Euro) als Unfallversicherungsbeitrag ein.

Prävention ist die vorrangige Kernaufgabe der AUVA, weil sich damit das Schadensgeschehen ursächlich beeinflussen lässt. Prävention, also die Verhütung von Unfällen und die Vorbeugung von Berufskrankheiten, senkt die Kosten für die Heilbehandlung, die Rehabilitation und die finanzielle Entschädigung von Unfallopfern am wirksamsten. Die AUVA hat sich daher nie als "Verwalter" von Arbeitsunfällen betrachtet oder sich darauf beschränkt, "nur" die Haftung der Arbeitgeber im Falle von Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten zu übernehmen. Die AUVA hat es immer als ihre vorrangige Aufgabe angesehen, aktiv und offensiv Arbeitsunfälle zu verhüten: etwa durch intensive Aufklärung über Gefahren am Arbeitsplatz, Information oder Motivation der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, durch Forschung oder durch vorbeugende Betreuung von besonders bedrohten Versicherten. In die Säule Prävention wurden 2006 rund 56 Mio. Euro investiert.


Rückfragehinweis:

AUVA - Sicherheitsmarketing und Presse
Dr. Wilfried Friedl
Adalbert-Stifter-Straße 65, 1200 Wien
Tel.: (01) 33 111-530
E-Mail: wilfried.friedl@auva.at
Web: www.auva.at

Publikation zum Thema

Format: A4Seitenanzahl: 10 Veröffentlicht am: 20.07.2009 Bestellnr.: 201Sprache: Deutsch

Brennpunkt: ATHEM-Report

Athermische Wirkungen bestätigt - Grenzwerte in Frage gestellt - Vorsorge gefordert.
Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Die österreichische Allgemeine Unfallversicherung legt einen Forschungsbericht zu athermischen Wirkungen der Mobilfunkstrahlung vor und fordert eine Vorsorgepolitik.
Artikel veröffentlicht:
30.09.2007
Autor:
diagnose:funk
Quelle:
Pressemitteilung der AUVA, 25.09.2007

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