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Handy-Forscher in der Kritik

Schweizer Forschungsprogramm NFP57
Kritische Organisationen sind alarmiert. Angeblich sei das NFP57 von industriefreundlichen Forschern durchsetzt.

Mobilfunk-Gegner prangern Nationalfonds an

Mobilfunk: Die Strahlung soll erforscht werden
Kritische Organisationen schlagen Alarm: Das Schweizer Forschungsprogramm zur Handystrahlung sei von industriefreundlichen Forschern durchsetzt.

Handy, Funktelefone, drahtloses Internet: Heute kann man der Mobilfunk-Strahlung kaum mehr entrinnen. Der Schweizerische Nationalfonds, eine öffentliche Stiftung, will herausfinden, ob diese Strahlen der Gesundheit schaden. Fünf Millionen Franken sollen in den nächsten Jahren in die Forschung fliessen.

Doch jetzt melden sich Kritiker zu Wort. Die Leitungsgruppe, die über die Vergabe der Gelder entscheidet, sei alles andere als unabhängig, sagt etwa Lothar Geppert von der Umweltorganisation diagnose:funk: «Sie ist von industriefreundlichen Forschern durchsetzt.»

In der Kritik sind:
• Jørgen Bach Andersen. Er arbeitete jahrelang für Siemens und andere Telekommunkationsfirmen.
• Andres Ahlbom, Mitglied der «ICNIRP». Laut Geppert ein «industrienaher Verein, der unverhältnismässige Grenzwerte empfiehlt».
• Elisabeth Cardis, Koordinatorin der von EU und Handyherstellern finanzierten «Interphone»-Studie.

Auch Hans-Ulrich Jakob von der Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener sagt, er sei entsetzt, wer alles in der Leitungsgruppe sitze: «Fünf der acht Mitglieder stehen der Industrie nahe.»

Alexander Borbély, Präsident der Leitungsgruppe, sieht darin kein Problem: Die Mitglieder seien «international angesehene, unabhängige» Wissenschaftler, schreibt er dem Gesundheitstipp. «Für Experten in diesem Fachbereich sind Kontakte zur Industrie erforderlich, da von ihr neue Entwicklungen ausgehen.» Auch mit der ICNIRP hat Borbély kein Problem: «Die Organisation nimmt keine Mitglieder auf, die von der Industrie bezahlt werden.»

Doch wer das Geld vergibt, hat einen grossen Einfluss auf das Resultat einer Studie. Dies belegte eine Untersuchung der Universität Bern. Sie kam zum Schluss, dass Studien, die ausschliesslich von der Industrie finanziert sind, viel seltener über negative gesundheitliche Auswirkungen berichten.
(che)

Leserbrief zu Artikel

Betrifft: "Handy-Forscher in der Kritik", Gesundheitstipp Nr. 3, März 2007, S. 14

Am Ende des Artikels wird der Eindruck erweckt, die Mittel für das Nationale Forschungsprogramm «Nicht ionisierende Strahlung – Umwelt und Gesundheit» NFP 57 würden von der Industrie stammen. Dies ist nicht der Fall: Die Gelder des NFP 57 wurden vom Bundesrat aus den Mitteln des Bundes bewilligt. Der Schweizerische Nationalfonds wurde mit der Durchführung des Programms betraut. Das NFP 57 wird unabhängig von der Industrie durchgeführt. Sie hat weder eine Mitsprache noch steuert sie Mittel zur Forschungsförderung im Rahmen des NFP 57 bei.

Mathis Brauchbar, Umsetzungsbeauftragter des NFP 57
c/o advocacy ag, Forchstrasse 70, CH-8008 Zürich
Tel. + 41 44 383 90 47, Fax + 41 44 420 18 61

Kommentar

Zur Aussage von Prof. Borbély: Man erfährt selten, ob ein Forscher direkte Zuwendungen von der Industrie erhält, ausser er gibt es vor der Presse zu, wie etwa Michael Repacholi, der kürzlich ausgeschiedene  Leiter der Abteilung für elektromagnetische Felder bei der WHO. Es ist jedoch bekannt, dass diverse Mitglieder der ICNIRP Forschungsgelder von der Industrie erhalten. Meist versiegen diese Gelder spätestens dann, wenn der Forscher nicht die genehmen Ergebnisse liefert.
 
Lothar Geppert
diagnose:funk

Artikel veröffentlicht:
22.03.2007
Autor:
Konsumentenzeitschrift Gesundheitstipp
Quelle:
Gesundheitstipp Nr. 3 / 2007 Veröffentlicht auf diagnose:funk mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

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