diagnose funk

Funkstrahlung möglicherweise krebserregend

WHO-Interphone Studie abgeschlossen
Lyon, Frankreich, 31. Mai 2011 - Die International Agency for Research on Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation stufte die Strahlung „von Mobiltelefonen möglicherweise als krebserregend für den Menschen (Gruppe 2B), bezogen auf ein erhöhtes Risiko für ein Gliom, einer bösartigen Form von Hirntumor", ein.

Die Formulierung „möglicherweise“ ist ein Kompromiss. An der Untersuchung des IARC haben 31 Wissenschaftler aus 14 Ländern mitgewirkt. Schwedische und israelische Wissenschaftler werden deutlicher: sie gehen von einem 2-5 fachen Krebsrisiko für Vieltelefonierer aus. “Viel telefonieren“ ist definiert als eine halbe Stunde täglich! Bisher nutzte die Industrie die WHO als Kronzeuge für die Ungefährlichkeit der Strahlung. Damit hat es nun ein Ende.

Die Bewertung der hochfrequenten elektromagnetischen Strahlung erscheint als IARC-Monografie Nummer 102 und als Zusammenfassung im britischen Medizinjournal «The Lancet Oncology».

Lesen Sie die IARC Pressemitteilung vom 31. Mai 2011 - siehe Downloads.

Aktualisiert am 22.06.2011

Strahlenschutz in Deutschland im Abseits
Die Internationale Krebsforschungsagentur der WHO hält Krebs durch Mobilfunkstrahlung für möglich.

Ein Kommentar zur IARC-Einstufung der Hochfrequenzstrahlung von Prof. Franz Adlkofer - siehe Downloads.

Aktualisiert am 11.06.2011

Mögliche Krebsgefahr von WHO bestätigt
Die Einstufung der WHO über die möglichen Gefahren von Handys muss nun Politik, Medien und Industrie auf den Plan rufen. Lesen Sie hierzu die Erklärung der Wiener Ärztekammer vom 09.06.2011 - siehe Downloads.

Interview mit Prof. Franz Adlkofer

Fragen von Diagnose-Funk an Prof. Adlkofer zur Krebsrisikio-Einschätzung des IARC:

DF: Wie beurteilen Sie die Arbeit und das erzielte Ergebnis der IARC?

Prof. Adlkofer:
Zu einem Urteil über die Arbeit der IARC fühle ich mich nicht befugt, da ich bei der Konsenssuche nicht anwesend war und ein aussagekräftiger Bericht über den Verlauf der Tagung noch nicht vorliegt. Was das Ergebnis angeht, ist dieses für jeden Wissenschaftler mit einiger Erfahrung in der Mobilfunkforschung im Hinblick auf die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe voraussehbar gewesen. Zu berücksichtigen ist, dass Konsens in einer wissenschaftlichen Fragestellung den wahren Stand des Wissens selten korrekt wiedergibt. Konsens entspricht dem Mittelwert der Meinungen, die von ausgewählten „Experten“ mit mehr oder weniger Verstand und mehr oder weniger Abhängigkeit vertreten werden. Durch die Auswahl der Experten wird folglich das Ergebnis bereits im Vorfeld festgelegt.

DF: Welche Bedeutung hat die Einstufung der Mobilfunkgerätenutzung als „potentiell
krebserregend“ durch die IARC?


Prof. Adlkofer: Für Industrie und Politik kommt die Einstufung der Hochfrequenzstahlung durch die IARC als „möglicherweise kanzerogen“ einem Schuss vor den Bug gleich. Mehr aber auch nicht! Sie sind noch einmal davongekommen. Zu befürchten ist deshalb, dass - wie nach der Aufnahme der niederfrequenten Strahlung 2002 in dieselbe Wertungsstufe - bezüglich des Strahlenschutzes im Verlauf der kommenden Jahre keine ernst zu nehmenden Konsequenzen gezogen werden. Statt qualifizierte Forschung zu fördern, wird mit etlicher Wahrscheinlichkeit die so genannte Risikokommunikation zur Verharmlosung der Mobilfunkstrahlung - wie bereits begonnen - weiter verstärkt werden. Die große Frage ist lediglich, ob sich die durch das IARC-Urteil aufgeschreckte Bevölkerung diese Verdummung auf Dauer gefallen lässt.

DF: Hat der Ausschluss/Rücktritt von Prof. Ahlbom, resp. die Nichtzulassung von als voreingenommen eingestuften Personen wie Prof. Lerchl Auswirkungen auf das erzielte Ergebnis?

Prof. Adlkofer:
Nein

DF: Welche Konsequenzen sollten die der WHO angeschlossenen Staaten aus dieser Einstufung Ihrer Ansicht nach ziehen?

Prof. Adlkofer:
Das kanzerogene Risiko der Mobilfunkstrahlung ist bis jetzt zwar nicht bewiesen, aber sicherlich sehr viel wahrscheinlicher, als es durch den auf der Grundlage eines Kompromisses zustande gekommenen IARC-Konsens zum Ausdruck kommt. Die Besschlusslage sollte jedoch ausreichen, um folgende Empfehlungen umzusetzen: 1) Vorsorgemaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu ergreifen und durchzusetzen, 2) die maßlos überhöhten Grenzwerte auf ein die Funktion der Technik garantierendes Mindestmaß zu senken, 3) qualifizierte Mobilfunkforschung durch unabhängige Arbeitsgruppen zu gewährleisten und zu fördern, und 4) die bestehenden nationalen und internationalen Beratungsgremien in Sachen Strahlenschutz von den wissenschaftlichen Zuarbeitern der Mobilfunkindustrie zu säubern.

DF: Wo sollte Ihrer Meinung nach ein Focus in der Debatte um die Gefährlichkeit der Mobilfunkstrahlung gelegt werden? International beobachten wir, dass es z.B. in Bezug auf die beobachtete Schäden von EMF auf die Fruchtbarkeit von Männern in der wissenschaftlichen Forschung ein sehr viel deutlicheres Bild gibt, als beim Krebsrisiko. Besteht nicht die Gefahr das diese alarmierenden Ergebnisse in der aktuellen Debatte untergehen könnten?

Prof. Adlkofer:
Die Meinung, dass wir mehr über die schädliche Wirkung der Mobilfunkstrahlung auf Fruchtbarkeit von Männern als über die Zunahme eines Krebsrisikos wissen, teile ich nicht. Wir müssen vielmehr davon ausgehen, dass durch elektromagnetische Felder eine Vielzahl von molekularen, zellulären und interzellulären Prozessen verändert werden. Ob diese Störeffekte für den Organismus bedeutungslos, nützlich oder schädlich sind, ist vermutlich ganz wesentlich abhängig von der sich stetig ändernden Konstitution des Organismus und damit mehr oder weniger dem Zufall unterworfen. Zwangsläufig ist bei einer solchen Voraussetzung zu befürchten, dass das Wohlbefinden empfindlich gestört werden kann oder im Extremfall sogar die Entstehung einer Reihe von Krankheiten wie z. B. Krebs, Alzheimer und anders mehr begünstigt wird. Die Erforschung dieser Zusammenhänge befindet sich als Folge einseitiger Forschungsförderung durch Staat und Industrie nach wie vor in den Anfängen. Richtig ist deshalb, dass die zukünftige Forschung nicht allein auf das jetzt für möglich angesehene Krebsrisiko beschränkt werden darf.

DF: Welche Konsequenzen erhoffen Sie sich nun durch die Politik?

Prof. Adlkofer:
Meine bisherigen Erfahrungen als Mensch und Wissenschaftler sprechen dafür, dass von der Politik nichts zu erwarten ist, solange sich in der Bevölkerung keine Mehrheit findet, die einen echten Strahlenschutz erzwingt. Ich setze deshalb ausschließlich auf die Vernunft der Bürger.

(DF-Interview Adlkofer - siehe auch unter Downloads.)

 

Zur IARC

The International Agency for Research on Cancer (IARC) is part of the World Health Organization.

IARC's mission is to coordinate and conduct research on the causes of human cancer, the mechanisms of carcinogenesis, and to develop scientific strategies for cancer prevention and control. The Agency is involved in both epidemiological and laboratory research and disseminates scientific information through publications, meetings, courses, and fellowships.

s. weiterführende Links

Medienspiegel s. unter weiterführende Links