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AUVA weist Persilschein für Mobilfunk zurück

Entrüstung über Wissenschaftlichen Beirat Funk
WBF widerspricht sich selbst: Einerseits sieht er Forschungsbedarf und hält "umsichtigen Umgang" für sinnvoll, andererseits gibt er Entwarnung.

Entgegen Behauptungen des "Wissenschaftlichen Beirats Funk" keine Garantie für Unbedenklichkeit von intensivem Handy-Gebrauch

Wien. Mit Entrüstung reagiert die AUVA auf die Aussendung des Wissenschaftlichen Beirats Funk (WBF) vom 23. April über die Unbedenklichkeit von intensivem Handy-Gebrauch. AUVA Experte Dipl.-Ing. Dr. Hamid Molla-Djafari und Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Mosgöller von der Medizinischen Universität Wien entgegnen: "Wenn bisher keine schädigenden Wirkungen erwiesen sind, bedeutet das noch lange nicht, dass es keine gibt."

Interessanterweise sieht der WBF selbst - in einem Anhang versteckt - Forschungsbedarf unter anderem bei "epidemiologischen Studien zu möglichen Langzeiteffekten bei Kindern und Erwachsenen" und hält einen "umsichtigen Umgang" mit diesen Technologien für sinnvoll.

AUVA Studie weist Zellbrüche nach

Aus unserem Alltag sind Handys als nützliche Kommunikationsmittel kaum wegzudenken. Da das Handy nicht zuletzt auch ein Arbeitsmittel ist, hat die AUVA gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien und den Austrian Research Centers ein Forschungsprojekt zu diesem Thema durchgeführt (s. Fußnote 1).

Bis vor kurzem wurde nur die thermische Wirkung von elektromagnetischen Feldern als gesundheitsrelevant angesehen. "Thermische Wirkung" bedeutet, dass elektromagnetische Felder ab einer gewissen Stärke den menschlichen Körper erwärmen. Mittlerweile wurden aber auch nicht-thermische Wirkungen beobachtet. Zweck des Forschungsprojektes war es herauszufinden, ob die elektromagnetischen Felder von Mobiltelefonen unterhalb der (nur für thermische Wirkungen geltenden) Grenzwerte gesundheitsrelevante athermische Wirkungen haben können.

In Versuchsreihen mit elektromagnetischen Feldern, die über mehrere Stunden auf Menschen einwirkten, konnten bei bestimmten Zelltypen DNA-Brüche nachgewiesen werden. So kam es bei der Exposition von Bindegewebszellen weit unterhalb der derzeitigen Grenzwerte zu DNA-Brüchen und Erhöhungen der Proteinsyntheseraten. Besonders interessant dabei war, dass unterbrochenes Telefonieren - also z.B. fünf Minuten Gespräch, zehn Minuten Pause - mehr DNA-Brüche zur Folge hatte als Dauergespräche.

Keine akute Gesundheitsgefahr - Vorsicht ist dennoch angebracht

Alles in allem sehen die Wissenschaftler keine akute und kurzfristige Gesundheitsgefahr. Dennoch deuten die gefundenen DNA-Brüche auf lange Sicht auf ein erhöhtes Krebsrisiko hin, das jeder Handynutzer mit Hilfe von einfachen Verhaltenstipps minimieren kann.

Zum Beispiel:

- indem man beim Kauf ein Handy auf einen möglichst niedrigen SAR-Wert (s. Fußnote 2) achtet
- indem man Headset oder Bluetooth, am besten jedoch die Freisprechfunktion (den Handylautsprecher) verwendet
- indem man nicht stundenlang mit dem Handy telefoniert
- indem man im Auto Handylautsprecher, Headset oder Bluetooth, am besten jedoch eine Freisprechanlage mit Außenantenne verwendet
- indem man nicht unbedingt bei schlechtem Empfang, z.B. im Keller oder im Aufzug, mobil telefoniert, weil dann das elektromagnetische Feld besonders stark ist
- indem man das Handy nicht am Körper, sondern in der Hand- oder Aktentasche trägt

Fußnoten:

1) Das ATHEM-Projekt hat neue wissenschaftliche Erkenntnisse in bestmöglicher Qualität erbracht, die für die Risikobewertung bei massivem Mobilfunkgebrauch relevant sind. Die Ergebnisse wurden unter Einhaltung höchster Qualitätsstandards (doppelblinde Untersuchungen, Reproduzierbarkeit, Falsifizierbarkeit, Negativ- und Positiv-Kontrollen etc.) durchgeführt.

2) SAR steht für "Spezifische Absorptions-Rate". Sie gibt Auskunft über die Absorption von elektromagnetischen Feldern im menschlichen Gewebe. Der SAR-Wert wird in Watt pro Kilogramm angegeben. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt als maximal zulässigen Grenzwert einen SAR-Wert von 2,0 W/kg. Viele moderne Handys liegen aber bereits um Einiges unter diesem Grenzwert. Der für das jeweilige
Gerät geltende SAR-Wert ist im Benutzerhandbuch angeführt.

Über die AUVA: Soziale Unfallversicherung für rund 4,4 Millionen Versicherte

Bei der AUVA sind rund 4,4 Mio. Personen gesetzlich gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert: 1,2 Mio. Arbeiter, 1,5 Mio. Angestellte, 370.000 Selbstständige sowie 1,3 Mio. Schüler und Studenten. Die AUVA finanziert ihre Aufgaben als soziale Unfallversicherung überwiegend aus Pflichtbeiträgen der Dienstgeber. Diese zahlen 1,4 Prozent der monatlichen Bruttolohnsumme jedes
Dienstnehmers (bis zur Höchstbeitragsgrundlage von 3.930,00 Euro) als Unfallversicherungsbeitrag ein.

Prävention ist die vorrangige Kernaufgabe der AUVA, weil sich damit das Schadensgeschehen ursächlich beeinflussen lässt. Prävention, also die Verhütung von Unfällen und die Vorbeugung von Berufskrankheiten, senkt die Kosten für die Heilbehandlung, die Rehabilitation und die finanzielle Entschädigung von Unfallopfern am wirksamsten. Die AUVA hat sich daher nie als "Verwalter" von
Arbeitsunfällen betrachtet oder sich darauf beschränkt, "nur" die Haftung der Arbeitgeber im Falle von Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten zu übernehmen. Die AUVA hat es immer als ihre vorrangige Aufgabe angesehen, aktiv und offensiv Arbeitsunfälle zu verhüten: etwa durch intensive Aufklärung über Gefahren am Arbeitsplatz, Information oder Motivation der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, durch Forschung oder durch vorbeugende Betreuung von besonders bedrohten Versicherten. In die Säule Prävention wurden 2007 rund 60 Mio. Euro investiert.

Rückfragehinweis:
AUVA - Sicherheitsmarketing und Presse
Dr. Wilfried Friedl
Adalbert-Stifter-Straße 65, 1200 Wien
Tel.: +43 1 33 111-530
E-Mail: wilfried.friedl@auva.at
Web: www.auva.at

Publikation zum Thema

Format: A4Seitenanzahl: 10 Veröffentlicht am: 20.07.2009 Bestellnr.: 201Sprache: Deutsch

Brennpunkt: ATHEM-Report

Athermische Wirkungen bestätigt - Grenzwerte in Frage gestellt - Vorsorge gefordert.
Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Die österreichische Allgemeine Unfallversicherung legt einen Forschungsbericht zu athermischen Wirkungen der Mobilfunkstrahlung vor und fordert eine Vorsorgepolitik.
Artikel veröffentlicht:
04.05.2008
Autor:
Pressemitteilung der AUVA