diagnose funk

Kritik an Stiftung Warentest

Zweifelhafte Babyphone-Bewertungen
Kommentar des Baubiologen Wolfgang Maes zum Babyphone-Bericht der Stiftung Warentest "Trügerische Ruhe" in deren 'Test'-Heft vom Mai 2011.

"Elektrosmog an Babyphonen kein Grund zur Sorge" - Vorsicht!

Was bei Stiftung Warentest im aktuellen 'Test'-Heft zum Sieger gekürt wurde, nämlich das Babyphon Avent SCD525 von Philips, wäre beim 'Öko-Test' der Verlierer, bekäme die schlechteste Note.

Dafür landet das Babyphon Angelcare AC 420 D von Funny bei Stiftung Warentest nur im befriedigenden Mittelfeld, in 'Öko-Test' und anderen Verbrauchermagazinen wie dem Schweizer 'K-Tipp' wurde es zuvor mehrfacher Testsieger.

Konträrer können Bewertungen nicht ausfallen. Warum?
Stiftung Warentest bewertet hauptsächlich technische Aspekte, Funktion, Bedienung, Störfestigkeit, Reichweite... 'Öko-Test', 'K-Tipp' und andere Testzeitschriften beziehen darüber hinaus wichtige ökologische und gesundheitliche Aspekte mit ein, bewerten z.B. elektromagnetische Feldbelastungen oder chemische Risiken durch Kunststoffe, Weichmacher und Flammschutzmittel, um das empfindliche Baby hiervor zu schützen.

Mit dem Stiftung-Warentest-Sieger Philips Avent SCD525 holt man sich offenbar eine unnötige, kritische Elektrosmogquelle ins Haus, ins Kinderzimmer, nah ans Babybett:

1. Das Philips Avent SCD 525 funkt mit biologisch besonders bedenklichen Mikrowellen, mit so genannten gepulsten Wellen, typisch für den digitalen DECT-Standard.

2. Das Avent SCD 525 funkt zudem mit starken elektromagnetischen Feldintensitäten, zigfach stärker als viele andere Mitbewerber auf dem Markt.

3. Außerdem funkt es permanent, nonstop, rund um die Uhr, selbst wenn es gar kein Schallereignis gibt, sprich das Baby ruft.

4. Hinzu kommen die Felder der Stromversorgung, und zwar am Babyphon selbst, am Zuleitungskabel und am Steckernetzteil, weil die nicht geschirmt oder geerdet sind. Gerät, Kabel und Stecker, alle drei überschreiten Computerarbeitsplatznormen.Trotzdem schreibt Stiftung Warentest zum Philips-Babyphon fett in einer Überschrift: "Elektrosmog kein Grund zur Sorge". Das verstehe, wer will.

Es besteht Grund zur Sorge, nicht nur wegen der bedenklichen DECT-Mikrowellen und anderen Felder, sondern auch wegen der bedenklichen Bewertung - sprich Entwarnung - von Stiftung Warentest, die den Anwender über die Risiken im Unklaren lässt.


Beleuchten wir diese Elektrosmogaspekte am Beispiel Philips Avent etwas näher:

1. Kritische gepulste DECT-Strahlung beim 'Test'-Sieger Avent SCD525, vor der Wissenschaftler, Mediziner, Behörden, Verbraucherinitiativen... seit langem warnen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz, bekanntermaßen großzügig in der Bewertung des Risikos von elektromagnetischen Feldern: "Wer sicher sein will, verzichtet auf DECT." DECT solle nicht in Kinder-, Schlaf- und Wohnzimmer oder auf Schreibtische. Die Bundesregierung: "DECT-Techniken stellen im Haushalt oftmals die stärkste Strahlungsquelle dar." Die Ärztekammer Niedersachsen: "Ein DECT-Gerät gehört nicht auf den Nachttisch." Die Ärztekammer Wien: "DECT führt zu einer hohen

Strahlenbelastung." Hersteller mahnen, in diesem Fall Swisscom: "DECT sollte vom Schlafraum fern gehalten werden." 'Öko-Test': "Ein Skandal, wenn man bedenkt, dass gepulste Felder das Krebsrisiko erhöhen und Schlafstörungen verursachen können."

Stiftung Warentest selbst schreibt in 'Test' vom Juli 1997: "DECT-Telefone sind elektronische Umweltverschmutzer." Und im Februar 2000: "Die DECT-Basisstation sendet immer. Deshalb sollte sie nicht in der Nähe der Schlafstätte und schon gar nicht im Kinderzimmer stehen." Schon vergessen?

Nicht nur der Testsieger, auch einige andere Babyphone in diesem aktuellen 'Test'- Heft vom Mai 2011 funktionieren nach DECT, für die gilt das Gleiche.

2. Außergewöhnlich starke Felder beim Testsieger Avent SCD525, aber auch bei den anderen DECT-Babyphonen im aktuellen Stiftung-Warentest-Heft.

Das Philips kommt auf 8000 Mikrowatt pro Quadratmeter Strahlungsbelastung in einem Meter Abstand. Andere Babyphone auf dem Markt liegen unter 100. 'Öko-Test' setzt die Grenze auf 100, aber auch nur dann, wenn das Gerät nicht gepulst und lediglich kurzfristig bei einem Schallereignis funkt. Der Blaue Engel fordert ähnliche Maximalwerte wie 'Öko-Test', die werden vom Philips um die 100fach überschritten.

Der Medizinphysiker Dr. Lebrecht von Klitzing will für DECT-Dauerbelastungen bei Kindern 1 Mikrowatt pro Quadratmeter unterschritten wissen. Wir messen diesen Wert noch in bis zu 50 Metern Entfernung vom DECT-Dauerstrahler a la Philips und Co. Andere Wissenschaftler haben ähnliche Ansprüche. Die Landessanitätsdirektion Salzburg will 0,1 Mikrowatt pro Quadratmeter speziell für DECT, vorsorglich.

Die Bundesärztekammer fordert 1000 Mikrowatt pro Quadratmeter für die Summe aller gepulsten Strahlungsquellen einzuhalten, auch kurzfristig. Das messen wir noch in drei Metern Abstand zum Philips, das langfristig. Das Strahlenschutzamt über DECT: "Eine Minimierung der persönlichen Strahlenbelastung ist immer anzustreben."

Wissenschaftler finden in der Philips-Größenordnung von 8000 Mikrowatt pro Quadratmeter (näher als ein Meter ist es noch viel heftiger) Hirnstromveränderungen, eine erhöhte Durchlässigkeit der Blut Hirn-Schranke, hormonelle, neurologische, kognitive, vegetative und immunologische Störungen, Blutdruckentgleisungen, Zell- und Nervenschädigungen, Aggressivität, Hyperaktivität, Blutbildveränderungen, Herzrhythmusstörungen und mehr. Tinnitus, Krebs, Leukämie sind im Gespräch.

3. Permanenter Funk ohne Pause, egal ob das Baby schreit oder nicht.

Eigentlich ist dies Problem einer solch unnötigen Dauerbelastung schon seit vielen Jahren vom Tisch. Moderne Babyphone funken nur, wenn das Baby Laut gibt und schalten danach den Funk wieder ab. So macht es Sinn, so sollte es sein. Ist es aber beim 'Test'-Sieger Philips und anderen DECT-Konkurrenten nicht. Deren Babyphone strahlen nicht nur heftig, steilflankig und periodisch gepulst, sondern zu allem Übel noch unaufhörlich, so lange sie in der Steckdose stecken und eingeschaltet sind.

Stiftung Warentest selbst ermahnt seine Leser im November 2005: "Bevorzugen Sie Geräte, die nicht dauerhaft senden, sondern nur bei Geräuschaktivierung. Reduzieren Sie elektromagnetische Felder, wo es geht - vor allem im Kinderzimmer." Vergessen?

4. Hochfrequente elektromagnetische Funkwellen sind nicht das einzige Elektrosmog-Problem bei Babyphonen. Die niederfrequenten elektrischen und magnetischen Felder der Stromversorgung gesellen sich hinzu.

Babyphone, Zuleitung und Stecker sind beim Philips Avent SCD 525 (und nicht nur bei dem) bis zu fünffach feldintensiver, als es Computerbildschirme sein dürften. Das nur, weil sie nicht abgeschirmt sind. Dabei gibt es Mitbewerberprodukte auf dem Markt, die darauf achten, die Babyphon-Gehäuse nebst Kabeln und Steckernetzteilen schirmen und erden mit dem Ergebnis: kein Feld mehr.

Es kommt wesentlich darauf an, nach welchen Kriterien man misst und bewertet.

Es gibt keine Standards für die Messung und Bewertung von Babyphonen, wie für so viele Elektrogeräte - von der Energiesparlampe bis zum Induktionsherd - auch nicht. Deshalb orientiert man sich an anderen, hierfür geeigneten Normen.

Geeignet ist z.B. die Computernorm TCO, die seit zwei Jahrzehnten für einen strahlenarmen PC-Arbeitsplatz sorgt, gesundheitliche Vorsorge zur Grundlage hat und weltweit als Maßstab gilt. 'Öko-Test' und 'K-Tipp' lehnen sich an die TCO an. Was am Schreibtisch für Erwachsene mit wissenschaftlicher Rückendeckung als kritisch gilt, sollte nicht im Wohnzimmer und erst recht nicht im Kinderzimmer zu finden sein.

Stiftung Warentest nimmt die Elektrosmogverordnung, die rechtlich verbindliche 26. Bundes-Immissionsschutz-Verordnung, zum Maßstab. Nur, die hält überhauptnichts von gesundheitlicher Vorsorge und sieht eine Gefahr erst, wenn sich Körper in Feldern erwärmen, bekannt vom Würstchen im Mikrowellenherd. Entsprechend hoch fallen die Grenzwerte aus. Und die erreichen Sie im praktischen Alltag garantiert nie. Außerdem ist die Verordnung für solche Zwecke gar nicht gedacht, denn sie gilt nurfür ortsfeste Anlagen, sprich für Hochspannungstrassen, Funktürme, Bahnleitungen und Trafohäuser, nicht für Elektrogeräte wie Babyphone oder Telefone.

Die TCO setzt bei elektrischen Feldern die Grenze auf 10 Volt pro Meter und bei magnetischen auf 200 Nanotesla, die Elektrosmogverordnung auf 5000 Volt pro Meter und 100000 Nanotesla. Welch gewaltiger Unterschied, in beiden Fällen das 500fache! Kein Wunder, dass bei Stiftung Warentest Elektrosmog kein Thema ist, so gesehen...

Wenig Sachverstand zeigt Stiftung Warentest nicht nur beim Durcheinanderbringen von elektrischen und magnetischen, nieder- und hochfrequenten Feldern, sondern auch beim Kommentar zur Abschirmung. Zitat: "Im Test stießen wir auf Werbeaussagen wie 'Gehäuseinneres des Senders zur Reduzierung von Elektrosmog mit Kupfer beschichtet'. Ein Funkgerät wie das Babyphon muss aber senden. Solche Hinweise spielen mit der Angst der Eltern vor Funkwellen. Doch die ist unbegründet." Zitat Ende. Nur: Die Beschichtung hat mit dem Sender - dem Funk - überhaupt nichts zu tun, denn hiermit werden nur die heftigen elektrischen Felder geschirmt, eine sinnvolle Maßnahme. Der Funk bleibt unberührt, der kommt aus der Außenantenne und liegt bei einigen Babyphonen auf dem Markt - wie erwähnt - erfreulicherweise unter 100 Mikrowatt pro Quadratmeter, und die ungepulst und nur wenn's Baby brüllt, beim Warentestsieger dafür 80fach stärker, nämlich 8000, und die gepulst und immer. Angst unbegründet?

Philips ziert sein Avent SCD525 mit der werbeträchtigen Bezeichnung "Eco-Modus". Aber wofür? In der Gebrauchsanleitung steht lediglich, dass das Gerät im Eco-Modus etwas weniger Strom braucht. Auf dem Karton ist zu lesen: Reduzierte Sendeleistung. Auch die haben wir überprüft. Nach Aktivierung war eine Reduzierung der Funkintensität von um die 50 Prozent zu messen, nicht der Rede wert, statt 8000 Mikrowatt pro Quadratmeter immer noch unaufhörliche und gepulste 4000, viel zu viel.

Der Blaue Engel: "Aus Vorsorgegründen sollten alle technischen Möglichkeiten genutzt werden, um die Exposition gegenüber hochfrequenten und niederfrequenten Feldern
- gerade bei den als besonders empfindlich zu bewertenden Babys und Kleinkindern - so gering wie möglich zu halten." Vorsorge, Verbraucherschutz? Fehlanzeige bei Stiftung Warentest und Philips.

Ich erinnere mich an andere Veröffentlichungen der staatlich unterstützten Stiftung Warentest, wo es ähnlich fragwürdig zuging, z.B. bei Energiesparlampen.

Mehrfach behaupteten die Tester, die Sparlichter flimmern nicht. Falsch, sie flimmern in mehreren Frequenzen. 2006 die Meldung: "Erstmals haben wir die elektromagnetische Strahlung der Sparlampen gemessen." Falsch, wir messen sie seit 1992 für 'Öko-Test'.

Jahrelang misst Stiftung Warentest die elektromagnetischen Felder an Sparlampen - wie wir - in Anlehnung an die oben erwähnte, hierfür gut geeignete Computernorm TCO, welche gesundheitliche Aspekte in den Vordergrund stellt, und kommt - wie wir - zu besorgniserregenden Ergebnissen, die zigfach (!) über den TCO-Forderungen liegen. Ab 2010 ist der solide Maßstab bei den Warentestern plötzlich verschwunden, ein neuer namens DIN EN 55015 musste her, und der bewertet - zur großen Freude der Industrie - nun viel gröber, und deshalb gelten alle Sparlampen in Sachen Elektrosmog ab sofort als unbedenklich, obwohl sich an der Feldbelastung gar nichts geändert hat. Zudem: Diese Norm ist für solche Messungen gar nicht geeignet, sie ist für Funkstörungen zuständig und will verhindern, dass Elektrogeräte andere Geräte stören, berücksichtigt die elektrischen Felder, um die es bei Energiesparlampen hauptsächlich geht, nicht einmal.

Unabhängig davon, dass der hohe Elektrosmog von Stiftung Warentest früher zwar nach TCO-Computernorm gemessen und veröffentlicht wurde, aber damals wie heute nie in die Gesamtbewertung des Produktes eingeflossen ist. Andere kritische Aspekte, die Energiesparlampen reichlich aufweisen, wurden und werden ebenfalls ignoriert.

Wir haben erstmals auf unangenehme Gerüche beim Betrieb der Energiesparlampen hingewiesen. 'Öko-Test' macht Phenole und Glykole dingfest. Stiftung Warentest bestätigt 2008 in 'Test', dass flüchtige organische Stoffe, die als gesundheitsschädlich gelten, freigesetzt und Grenzwerte für die Raumluft überschritten würden. Aber - so die Warentester - das wäre nicht so schlimm. Woher wissen die das? Woher weiß das ohne nähere Stoff- und Konzentrationsangaben der Leser? Andere Zeitschriften und Institute weisen Flammschutzmittel und Weichmacher nach. 'NDR-Markt' findet krebserregende Gifte wie Phenol, Styrol und Tetrahydrofuran. Im März-Heft 2011 tauchen bei Stiftung Warentest nur noch dezente Hinweise auf "flüchtige organische Verbindungen" auf, die nicht näher benannt werden. Und die Sparlichter miefen weiter, und das nicht zu knapp.

Im gleichen 'Test'-Heft von 2011 finden die Warentester bei Sparlampen "Befürchtungen hinsichtlich elektrischer Felder wieder unbegründet", eben wegen der erwähnten neu herangezogenen DIN-Norm, die für den Rückschluss nicht mal gedacht und geeignet ist. Und die heftigen Felder sind nach wie vor da und sprengen PC-Normen um das Zigfache.

 

 

Artikel veröffentlicht:
27.05.2011
Autor:
Wolfgang Maes. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Schlagwörter dieses Artikels