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Tutzing (Starnberger See): Grüne, Freie Wähler, SPD und ÖDP beschließen Moratorium für 5G+

Gemeinderat fordert Technikfolgenabschätzung, Vorsorge und Mobilfunkkonzept
Tutzing beschließt: Erst die Sicherheit für Mensch und Umwelt prüfen - dann ablegen. Bild: Wikipedia

In Tutzing (Bayern) setzten vier Fraktionen gemeinsam ein Moratorium für die hochfrequente Technologie durch. Die Süddeutsche Zeitung berichtet:

  • "Sendeanlagen für Mobilfunktechnologie mit mehr als 3,8 Gigahertz unterstützt die Gemeinde demnach auf dem gesamten Gemeindegebiet inklusive ihrer Liegenschaften künftig erst dann, "wenn die Unbedenklichkeit für Mensch und Umwelt durch industrie- und regierungsunabhängige Wissenschaftler verlässlich nachgewiesen ist". Dieses Moratorium, angestoßen von der Bürgerinitiative 5G-freies Tutzing, ging am Dienstag im Gemeinderat mit 10:8 Stimmen durch. Gleichzeitig soll eine möglichst flächendeckende, leistungsstarke und soweit möglich auf Festnetztechnologie basierende Breitbandversorgung Tutzings und seiner Ortsteile sichergestellt werden. Zudem will man mit Fachleuten ein "Mobilfunkvorsorgekonzept" entwickeln - eine Positivplanung, wo Anlagen im Sinne der Gemeinde aufgestellt werden könnten, um die Immissionsbelastung der Bürger zu minimieren. In der emotional geführten Debatte verwies die Ärztin und Gemeinderätin der Freien Wähler, Verena von Jordan-Marstrander, darauf, dass es bislang "keinen Beweis für die Unbedenklichkeit" hochfrequenter Mobilfunktechnik gebe. Sie habe "deutliche gesundheitliche Bedenken". Autonomes Fahren, Echtzeitübertragungen und neue Endgeräte - "brauchen wir das? Wollen wir das?", fragte sie ... ÖDP-Gemeinderätin Caroline Krug, die seit vielen Jahren kritisch die Mobilfunkentwicklung am Ort verfolgt, pochte auf das Vorsorgeprinzip. Demnach muss die Gemeinde der Daseins- wie der Gesundheitsvorsorge ihrer Bürger Rechnung tragen. Krug zufolge haben 700 Tutzinger den Appell für das Moratorium unterschrieben, darunter auch 40 Gewerbetreibende."(12.11.2020)

FDP und CSU kritisierten den Beschluss scharf.

Quelle und mehr Informationen auf: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/mobilfunk-kritischer-umgang-mit-5g-1.5112864

Der Beschluss des Gemeinderates führt im Netz zu Diskussionen. Die Bürgerinitiative antwortet fundiert auf die Vorwürfe, die Kritik an 5G beruhe auf unbegründeten, ja esoterischen Behauptungen.

Bürgerinitiative 5G-freies Tutzing am 13.11.2020 - 21:47

Nur trägt leider der von Ihnen genannte Beitrag auch nicht zu einer industrieunabhängigen Darstellung der Pros und Cons bei, ganz im Gegenteil! Die von Ihnen angegebene Quelle erwirkt jedenfalls nicht den Eindruck einer wissenschaftlich fundiert vorgenommenen Analyse.
Warum Sie die der hohen Anzahl wissenschaftlicher Studien sowie bspw. Feststellungen des Technikfolgeausschusses der Bundesregierung, des Wissenschaftlichen Dienstes des Europäischen Parlaments, um nur einige zu nennen, als esoterisch einschätzen, ist für uns nicht nachvollziehbar.

(1) Eine Technikfolgenabschätzung ist noch nicht erfolgt. Der LEITER DES TECHNIKFOLGENAUSSCHUSSES DES BUNDESTAGES, Prof. Armin Grunwald, nennt 5G ein „Experiment am Menschen“. ( vgl. Prof. Armin Grunwald, Leiter des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag, Juli 2019, abrufbar unter https://kurzelinks.de/hv8f)

(2) Auf Grund der Eingruppierung der bisherigen Technik, der Strahlung von 2G (GSM), 3G (UMTS), 4G (LTE) und WLAN als „möglicherweise Krebs erregend" (Kategorie 2B) durch die IARC der WHO warnen wissenschaftliche Dienste der Europäischen Union in Grundsatzpapieren für die Abgeordneten vor den potentiellen Gesundheitsrisiken von 5G.

(3) So stellt der WISSENSCHAFTLICHE DIENST DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS im Februar 2020 fest: Zu 5G gibt es keine gesicherten Erkenntnisse hinsichtlich seiner Unbedenklichkeit. „Die aktuelle wissenschaftliche Literatur zeigt, dass dauerhaft einwirkende drahtlose Strahlung wahrscheinlich biologische Auswirkungen hat, was für die speziellen Merkmale von 5G in besonderer Weise zutrifft: die Kombination aus Millimeterwellen, einer höheren Frequenz, der Anzahl der Sender und der Anzahl der Verbindungen. Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass 5G die Gesundheit von Menschen, Pflanzen, Tieren, Insekten und Mikroben beeinträchtigen würde – und dass bei 5G ein vorsichtiger Ansatz angebracht wäre, da es sich um eine nicht getestete Technologie handelt.“ vgl. ebenda (Briefing des EPRS), S. 1, Dokument abrufbar unter https://kurzelinks.de/f0w7

(4) Interessanterweise empfiehlt selbst die PRÄSIDENTIN DES DEUTSCHEN BUNDESAMTS FÜR STRAHLENSCHUTZ (BfS), Fr. Dr. Inge Paulini in 3sat am 25.02.2019 eine behutsame Vorgehensweise unter vorläufiger Verschonung „sensibler Orte“ von 5G.
Video abrufbar unter https://www.3sat.de/wissen/nano/gefahr-fuer-die-gesundheit-100.html?mode=play&obj=79212 (abrufbar bis 26.02.2024)

(5) Interessant ist sicher aber auch, dass die französische Stadt Lille ein Moratorium für 5G beschließt, ca. 600 Kommunen in Italien, die Millionenmetropolen Marseille und Lyon neben weiteren 9 Städten in Frankreich einen 5G-Ausbaustopp fordern, wie auch bereits Brüssel und Genf. (vgl. https://www.diagnose-funk.org/publikationen/artikel/detail&newsid=1613)

(6) Zur weiteren Recherche empfehle ich auch “Wann gibt es in Deutschland wieder einen Strahlenschutz?”, Offener Brief mit Handlungsoptionen an die Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz, Dr. Inge Paulini, von Jörn Gutbier / Peter Hensinger, diagnose:funk e.V., S. 2 und S. 3, Dokument abrufbar unter https://kurzelinks.de/vtzw

Kommen Sie gern bei Fragen auf uns zu: Tutzing@posteo.de">5G-freiesTutzing@posteo.de
Weitere Informationen und Quellen finden Sie auch unter https://www.5g-freies-tutzing.de

Quelle: Vor-Ort-News Tutzing: https://www.vorort.news/tutzing/kommunalpolitik/2020/11/11/tutzing-verlangt-nachweis-fuer-5g-unbedenklichkeit/

Artikel veröffentlicht:
14.11.2020
Autor:
diagnose:funk