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Michelbach a.d. Bilz: Skandalöses Vorgehen von Telekom und Grundstückseigentümer

Petition der Bürgerinitiative gegen Sendeanlage, gegen die sich auch die Kommune aussprach.
Im Kreis Schwäbisch Hall hat der Mobilfunk-Widerstand eine fast 20-jährige Tradition. Vier Mobilfunksendeanlagen wurden dort schon verhindert. Siebenundzwanzig Informationsveranstaltungen fanden seit 2006 mit Pionieren wie Jürgen Groschupp (Begründer Mobilfunk Bürgerforum), Dr. Scheiner, Dr. Waldmann-Selsam, Dr. Schorpp oder Dr. Ulrich Warnke u,v.a.m.statt.

Wieder formiert sich der Widerstand in einem besonders drastischen Fall.  Gegen den mehrfach geäußerten Willen von Bevölkerung und Gemeinderat soll der Hauptort der 3400-Seelen-Gemeinde Michelbach an der Bilz alleine von der Telekom mit 21 Antennen bestrahlt werden – einzige Ausnahme: der Grundstücksverpächter.

>>> Direktlink zur aktuellen Petition der Bürgerinitiative Michelbach/Bilz

>>> Weitere Informationen und Flyer der Bürgerinitiative unter Downloads

Seit 2014 versucht die Deutsche Telekom mit allen Mitteln in Michelbach an der Bilz einen Sendemast für LTE zu installieren. So eindeutig gegen den Willen der Bevölkerung, wie das nur an wenigen Orten gezeigt wurde.

  • Anfang 2015 entschied der Gemeinderat einstimmig (bei einer Enthaltung), keine gemeindeeigenen Grundstücke für diese Risikotechnologie zur Verfügung zu stellen.
  • Darüber hinaus gab es einen öffentlichen Appell von Verwaltung und Gemeinderat an Grundstückseigentümer, ebenfalls keine Grundstücke dafür zu verpachten.
  • Es gab eine dringende Bitte der damaligen Schulleitung des ev. Schulzentrums zum Schutz der Schüler, darunter auch Kinder, die bereits mit Krankheitssymptomen auf Mobilfunkstrahlung reagieren, auf eine weitere Aufrüstung zu verzichten.
  • Weiterhin gab es eine Unterschriftenaktion mit über 500 Unterschriften von Michelbacher Bürgern im Hauptort.

All diese Appelle hielten die Telekom nicht davon ab, weiter private Grundstücksanbieter zu suchen. Allerdings konnte ein erster Privatmann 2015 von der Bürgerinitiative dazu bewegt werden, von seinem Angebot zurückzutreten.

Nach drei Jahren der (Funk-)Stille kam die Telekom erneut auf die Gemeinde zu und forderte 2018 einen Standort im Ort, favorisiert im Ortskern. Nachdem die Telekom die Plattform für eine öffentliche Informationsveranstaltung bekam, organisierte die Bürgerinitiative einen Vortragsabend mit Prof. Dr. Mario Babilon und Dr. Wolf Bergmann.

Nach mehreren Gemeinderatsterminen kam das Thema öffentliches Grundstück 2019 – mit neuem Gemeinderat – erneut zur Abstimmung. Und wurde auch diesmal abgelehnt, allerdings nur noch mit Stimmengleichheit.

  • Daraufhin brachte die Bürgerinitiative vorsorglich eine 1. Petition in den Gemeinderat ein mit der Bitte, grundsätzlich jedem weiteren Mobilfunkausbau in der Gemeinde das gemeindliche Einvernehmen zu versagen und natürlich keine gemeindeeigenen Flächen für einen Sendemast zur Verfügung zu stellen.
  • Diese Petition wurde von 424 wahlberechtigten Bürgern des Hauptortes unterzeichnet.
  • Die Petition wurde vom Gemeinderat aus formalen Gründen – kein konkretes Vorhaben – abgelehnt.

Unbeeindruckt vom erneuten Votum von Gemeinderat und einer Vielzahl Einwohner machte sich die Telekom erneut intensiv auf die Suche nach privaten Grundstücksverpächtern – und wurde dieses Mal bei einem privaten Grundstücksbesitzer am Ortsrand fündig.

Gespräche mit diesem, Hilfsangebote und Angebote der (finanziellen) Unterstützung im Fall einer Klage gegen den Vertrag brachten nichts. Stattdessen deutete der Grundstückseigentümer an, dass sein Wohnhaus von der Strahlung ausgenommen werde.

  • Im April dieses Jahres ging nun der Bauantrag ein, der ebendas bestätigte: Der Sendemast wird den ganzen Ort bestrahlen. Es liegt bereits eine Standortbescheinigung für 21 Mobilfunkantennen der Deutschen Telekom vor.
  • Als einziges Haus im Ort ist nur das Wohnhaus des Verpächters von der Bestrahlung ausgenommen!!

Die zwei GSM Antennen, die bis jetzt wiederkehrend Verlängerungen der Laufzeit bekommen haben, werden in einer ersten Ausbauphase allein von der Telekom durch 21 Antennen(!) in allen Frequenzbereichen ersetzt.

Die Telekom setzt damit eindrucksvoll ihr öffentlich in der Gemeinderatssitzung propagiertes „Marketingkonzept“ um, das sinngemäß lautet: „Wir schaffen ein Angebot und spätestens nach 6 Monaten folgt die Nachfrage“.

Artikel veröffentlicht:
07.06.2020
Autor:
Bürgerinitiative Michelbach/Bilz