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HSV auf Platz 1: Lichtwellen zur Datenübertragung

VLC (Visible Light Communication/LiFi) im Pressezentrum
Als erster deutscher Fußballclub bietet der Hamburger SV seinen Medienvertretern eine Breitband-Konnektivität über die LED Beleuchtung an. So wird im Pressearbeitsbereich des Volksparkstadions eine Internetverbindung mit bis zu 150 MBit/s gewährleistet.
Journalist arbeitet über Li-Fi, Datenübertragung über die Deckenlampe. Bild:Signify

Hamburg 19.8.2019. Nachdem die Firma Signify, jüngst die Markteinführung seiner neuen drahtlosen Übertragungstechnik mit Lichtfrequenzen (Trulifi) bekanntgegeben hat, stattet das Unternehmen nun die HSV Fußball AG mit dieser Technologie aus. Das System, das anstelle von Funksignalen (wie 4G/5G oder WLAN) Lichtwellen für eine drahtlose Zwei-Wege-Kommunikation verwendet, wird künftig vor und an Spieltagen im Pressearbeitsbereich des Volksparkstadions für den drahtlosen Internetzugang sorgen.

 

Berichterstattung mit Lichtgeschwindigkeit

Wie alle Fußballstadien steht das Volksparkstadion vor der Herausforderung, dass gerade an Spieltagen viele Menschen gleichzeitig drahtlose Datenverbindungen nutzen. Dadurch kann die Geschwindigkeit der Datenübertragung drastisch sinken. Signify wirbt nun damit, dass insbesondere im Pressearbeitsbereich Journalisten eine zuverlässige drahtlose Verbindungsmöglichkeit benötigen würden.

„Hier bietet die LiFi-Technologie von Signify eine schnelle und stabile Alternative. Für Reporter, die ihre Berichte unter Zeitdruck schreiben, bearbeiten und hochladen müssen, ist dies von hoher Bedeutung“, erläutert Karsten Vierke. Signify den Pressekonferenzraum des Volksparkstadions mit 84 Philips PowerBalance gen2-LED-Einbauleuchten ausgestattet. Insgesamt verfügen acht der Leuchten über einen integrierten Trulifi 6002 Transceiver. Über diesen stellen sie eine verschlüsselte Internetverbindung von bis zu 150 Megabit pro Sekunde (Mbps) bereit.

Über einen USB-Adapter Signale empfangen und senden. Bild:Signify

Die Reporter erhalten einen USB Access Key, den sie an ihren Laptop anschließen können, um so über die Beleuchtung einen stabilen Internetzugang zu bekommen.

„Aufgrund der Tatsache, dass viele Journalisten unseren Pressebereich frequentieren und sich der Bedarf an Bandbreite immer weiter erhöht, wollen wir neue Technologien erschließen. Deshalb haben wir uns für LiFi entschieden“, erläutert Daniel Nolte, Bereichsleiter Organisation & Infrastruktur der HSV Fußball AG. „Mit dem LiFi-System können wir den Medienvertretern eine weitere verlässliche und sehr schnelle Verbindung anbieten, die darüber hinaus sehr sicher ist.“

Erweiterungsmöglichkeiten für die Zukunft

Damit Fotografen künftig direkt am Spielfeldrand große Bilddateien an die jeweiligen Fotoredaktionen hochladen können, überprüft Signify die Installation seines Trulifi 6013 Systems. Montiert auf einem Mast neben dem Spielfeld, könnte der Trulifi 6013 Transceiver einen farbigen Lichtstrahl nutzen, um eine robuste und schnelle 250 Mbps Punkt-zu-Punkt-Verbindung bereitzustellen. „Das wäre eine weitere interessante Option für uns. Wir sprechen hierbei über eine neuartige Technologie, mittels der sehr große Mengen an Daten wie Fotos schnell und sicher von Gerät zu Gerät übermittelt werden können. Und Schnelligkeit ist für die Fotografen in dieser Situation oft der entscheidende Faktor“, so Nolte.

Textvorlage: https://www.signify.com/de-de/our-company/news/press-releases/2019/20190819-signify-stattet-den-pressearbeitsbereich-des-hsv-lifi-technologie-aus

VLC-Projekt im Hegel-Gymnasium Stuttgart. Die Landtagsabgeordneten der GRÜNEN, Andrea Bogner-Unden (2.v.l.) und Thomas Marwein (4.v.l.), der die Projekte in Baden-Württemberg initiierte, informieren sich. In Baden-Württemberg wurde die VLC-Technik des HHI-Berlin als Pilotprojekt auf der Insel Mainau und dann im Hegel-Gymnasium Stuttgart erfolgreich erprobt, finanziert von der Landesregierung und der Stadt Stuttgart.

Dr. Klaus Scheler: Hintergrund zur Entwicklung von VLC

"Die Idee, von der Mikrowellenstrahlung auf sichtbares Licht überzuwechseln, stammt ursprünglich von der Keio-Universitat in Japan; inzwischen hat sie sich weltweit verbreitet. Im Ursprungsland Japan arbeiten Firmen wie NEC, Matsushita, Shimizu und weitere intensiv an der Entwicklung von praxistauglichen Systemen, in Korea beschäftigt sich das Unternehmen Samsung damit. In Deutschland sind Forscher am Fraunhofer HHI in Berlin (www.hhi.fraunhofer.de) damit befasst, im übrigen europäischen Raum mehrere Universitaten, vor allem in Edinburgh (Prof. Harald Haas) und Oxford (Prof. Dominic O’Brien). Einen umfassenden Überblick über die Technik und ihre Anwendungsmoglichkeiten bietet folgendes Dokument auf der Webseite von ieee802.org: www.t1p.de/as0e.

Aber auch bei dieser Technik muss erst die Frage nach den Gesundheitsrisiken geklärt werden, d. h.: „Die VLC-Technik muss vor ihrem Einsatz schnellstmöglich auf ihre Gesundheitsverträglichkeit und mögliche negative Effekte auf Tieren und Pflanzen untersucht werden, bevor diese auf den Markt kommen darf“ (diagnose:funk). Allerdings gibt es Hinweise dafür, dass bei der VLC-Technik nicht mit den hohen Gesundheitsrisiken der mikrowellenbasierten Technik zu rechnen ist. Dafür sprechen folgende Unterschiede zu den Mikrowellen (cm-Wellen):

  • der Mensch ist durch Schutzmechanismen evolutionär an die Frequenzen des sichtbaren Lichts angepasst;
  • die Daten-Modulationen sollen nach Aussage der Entwickler im hohen MHz- bis zum GHz-Bereich liegen und damit außerhalb der durch das Auge und die Haut rezipierbaren Frequenzen (kein Flimmern);
  • die Strahlung dringt nur Bruchteile von Millimetern in den Körper ein (gegenüber 5 - 10 cm bei Mikrowellen), tiefere Bereiche - wie das Gehirn - werden daher nicht bestrahlt;
  • der bei LED-Licht schädliche, oft hohe Blaulichtanteil kann durch neuartige Beschichtungen weitgehend reduziert werden.

Trotzdem gilt auch hier die Anwendung des ALARA-Prinzips (As Low As Reasonable Achievable)."

(Auszug aus dem neuen diagnose:funk WLAN Ratgeber, der im September 2019 erscheint)

Anmerkung von diagnose:funk : Chancen und Risiken der Visible Light Communication

Smartphones kommunizieren über elektromagnetische, gepulste Wellen. Es werden zurzeit Frequenzen zwischen 700 - 2600 MHz verwendet. Durch 5G soll das Spektrum bis über 40 GHz ausgeweitet werden. Die gepulsten Mikrowellen-Frequenzen sind gesundheitsschädlich.

Das natürliche und künstliche Licht ist auch eine elektromagnetische Welle – jedoch mit viel höheren Frequenzen, von 384 THz bis 789 THz (Terahertz). An diese evolutionär vorhandenen Frequenzen ist unser Körper angepasst.  Warum also nicht die Frequenzen des Lichts als Übertragungsmedium nutzen? Das macht die VLC-Technik (Visible Light Communication). Das hätte Vorteile, denn künstliche Lichtquellen sind überall vorhanden. Künstliche Lichtquellen sind in der Wohnung, in den Büros, in der Tiefgarage, sie strahlen aus Straßenlaternen und Verkehrsampeln. Wir haben also schon Milliarden potenzielle Basisstationen. Mit großer Sicherheit kann das ständig wachsende Datenvolumen zukünftig nur mit vielen kleinen Sendezellen und mit höheren Frequenzen bewältigt werden. Die Vorstellung ist bestechend: Ich schalte im Büro die Beleuchtung ein, und der PC empfängt das Internet und das Smartphone kommuniziert darüber. Die LED-Lampe ist Sender und Empfänger zugleich. Die LED-Technik macht es möglich, optisch zu kommunizieren.

Schutz für elektrohypersensible Menschen

Im Hochhaus mit 50 Wohnungen würden nicht mehr die WLANs aus den Nachbar-Wohnungen einstrahlen, denn Lichtwellen dringen nicht durch Wände. Das wäre ein großer Fortschritt für elektrohypersensible Menschen und zudem ein Schutz gegen Datenspionage. Ein betriebliches VLC-Internet ist sicher schwerer zu knacken. Die Belastung durch den Frequenzmix aus WLAN, GSM, UMTS, LTE, WLAN und Radar, dem wir heute in modernen Autos ausgesetzt sind, und dessen Wirkungen auf unsere Zellen noch gar nicht erforscht sind, könnte durch VLC/LiFi massiv gesenkt werden. Dieser Fortschritt durch VLC bedeutet konsequenterweise: An keiner Schule darf das schädliche WLAN eingeführt werden, sondern es müssen optische Systeme eingesetzt werden. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen muss WLAN abgebaut und durch optische Übertragungssysteme ersetzt werden.

Die Risiken beachten und erforschen

Künstliche Lichtquellen können je nach Farbe und Taktung negative Folgen haben, auch ist die öffentliche Lichtverschmutzung zu beachten, die sich v.a. auf Tiere und Pflanzen schädlich auswirkt.[1]

Diese Risiken müssen bei der Anwendung optischer Kommunikationstechniken erforscht und ausgeschlossen werden. Ramzig Keucheyan schreibt in der LeMonde diplomatique in dem Artikel "Es werde Nacht. Wider die Lichtverschmutzung": "Heute ist es in den Industrieländern nachts zehnmal heller als vor 50 Jahren." Das habe Auswirkungen auf die Zugvögel, auf biochemische Prozesse bei Insekten und erzeuge Schlafmangel bei den Menschen, "weil sein Körper durch die Lichtverschmutzung zu wenig Melatonin produziert." Und Schlafmangel hat enorme negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Deshalb würde die Steuerung des autonomen Autos über VLC, wie es in dem Video des Heinrich-Hertz-Institutes (s.unten) demonstriert wird, von negativen Auswirkungen begleitet werden. Man stelle sich vor: überall würden Outdoor für die Steuerung Lichtquellen installiert. Man muss also nicht nur solche Risiken ausschließen, sondern den Autoverkehr insgesamt in Frage stellen. Er muss drastisch reduziert werden. Ebenso müssen die ökologischen Folgen des explodierenden Datenverkehrs, verursacht v.a. durch Entertainmentanwendungen und das Internet der Dinge, in Frage gestellt werden. Zu den Risiken des autonomen Fahrens haben wir in einem Artikel Stellung bezogen.

[1] Ramzig Keucheyan: Es werde Nacht. Wider die Lichtverschmutzung, LeMonde diplomatique, August 2019

Publikation zum Thema

Format: A4Seitenanzahl: 4 Veröffentlicht am: 12.06.2015 Bestellnr.: 230Sprache: Deutsch

Visible Light Communication (VLC)

Optische mobile Kommunikation
Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI) in Berlin hat eine Datenübertragungstechnik entwickelt, bei der das Licht handelsüblicher LED-Lampen, die für die Raumbeleuchtung Verwendung finden, mit eingebettetem Mikrochip als Datenträger genutzt wird. Dies könnte eine Alternative zu WLAN werden. Der Brennpunkt berichtet über den Start des ersten Pilotprojektes auf der Insel Mainau.