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Aufruf zu tatsächlich schützenden Grenzwerten

Auffassung & Richtlinien der ICNIRP sind unwissenschaftlich. Sie schützen die Industrie - nicht die öffentliche Gesundheit.
Um die Öffentlichkeit und die Umwelt vor den bekannten schädlichen Auswirkungen elektromagnetischer Felder (EMF) zu schützen, rufen wir die Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation sowie sämtliche Regierungen dazu auf, die ICNIRP-Richtlinien nicht zu übernehmen. Sie haben keine schützende Wirkung. Sie stellen vielmehr ein schwerwiegendes Risiko für die menschliche Gesundheit sowie die Umwelt dar. Sie erlauben nämlich die schädliche Exposition der Weltbevölkerung, einschließlich der Verwundbarsten, unter dem unwissenschaftlichen Vorwand, dass sie „schützend“ seien.

Hintergrund

Die Internationale Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (ICNIRP) hat am 11.07.2018 einen Entwurf zu Richtlinien herausgegeben, die der Begrenzung der Exposition gegenüber elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Feldern (100 kHz bis 300 GHz) dienen sollen. Diese Richtlinien sind unwissenschaftlich und veraltet. Sie stellen keine objektive Auswertung der verfügbaren Forschung zu Auswirkungen dieser Art von Strahlung dar. Sie ignorieren den Großteil der Forschungsergebnisse. Diese zeigen deutlich und überzeugend schädliche Wirkungen bei Intensitäten weit unterhalb der ICNIRP-Richtlinien auf. Die Richtlinien sind unzureichend, um Menschen und die Umwelt zu schützen.

Die ICNIRP-Richtlinien schützen nicht vor schädlichen Wirkungen durch eine langfristige Exposition gegenüber niedrigen Intensitäten. Dazu gehören Krebs, Schädigung der Fortpflanzung sowie Auswirkungen auf das Nervensystem. Obwohl diese Auswirkungen überzeugend infolge einer chronischen Exposition gegenüber Intensitäten unterhalb der ICNIRP-Grenzwerte aufgezeigt wurden, wird dies nicht berücksichtigt.

Beweislage für Krebsgefahr durch Mobilfunk hat sich verstärkt

Im Mai 2011 kam die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation, die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), zur Schlussfolgerung, dass hochfrequente Strahlung im Frequenzbereich von 30 kHz – 300 GHz „möglicherweise“ krebserregend für den Menschen ist (Gruppe 2B). Die ICNIRP ignoriert diese wichtige Schlussfolgerung. Im Gegenteil dazu: In den letzten sieben Jahren hat sich die Beweislage für die Krebsgefahr deutlich verstärkt.

244 Wissenschaftler erklären, dass die ICNIRP-Richtlinien nicht schützen

Die Meinung der ICNIRP steht nicht im Einklang mit der Wissenschaft insgesamt, in der fachlich begutachtete Forschungsergebnisse zu den biologischen und gesundheitlichen Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern (EMF) veröffentlicht wurden. Seit 2015 haben 244 Wissenschaftler den „Internationalen wissenschaftlichen Appell zu elektromagnetischen Feldern“11 unterzeichnet. Nach ihrer Auffassung sind zum Schutz der öffentlichen Gesundheit Richtlinien erforderlich, die stärker vor EMF schützen, als die Richtlinien der ICNIRP:

  • „Die ICNIRP-Richtlinien berücksichtigen keine langfristige Exposition und Auswirkungen durch niedrige Intensitäten (und) ... sind unzureichend, um die öffentliche Gesundheit zu schützen“ ...
  • „Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen aus jüngster Zeit haben aufgezeigt, dass sich EMF auf lebende Organismen bereits bei Intensitäten auswirken, die weit unterhalb der meisten internationalen und nationalen Grenzwerte liegen. Zu den Auswirkungen gehören ein erhöhtes Krebsrisiko, Zellstress, eine Zunahme schädlicher freier Radikale, Schädigungen des Erbguts, strukturelle und funktionale Veränderungen im Fortpflanzungssystem, Defizite beim Lernen und dem Gedächtnis, neurologische Störungen sowie negative Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden bei Menschen. Die Schädigungen reichen weit über die menschliche Rasse hinaus. Es gibt nämlich zunehmende Hinweise auf schädlichen Auswirkungen bei Pflanzen und Tieren.”

Das Mandat der ICNIRP muss in Frage gestellt werden

Das Mandat der ICNIRP, Expositionsrichtlinien vorzugeben, muss ernsthaft in Frage gestellt werden. Die ICNIRP ist nicht unabhängig von Verbindungen zur Industrie, wie sie behauptet.12,13 Ihre Auffassungen sind nicht objektiv. Sie sind nicht repräsentativ für die Gesamtheit der wissenschaftlichen Beweislage. Vielmehr sind sie tendenziös im Sinne der Industrie. Da die ICNIRP nicht gewillt ist, wissenschaftliche Ergebnisse zu schädlichen Auswirkungen zu berücksichtigen, ist es offensichtlich, dass sie die Industrie und nicht die öffentliche Gesundheit oder die Umwelt schützt.

Der erste Vorsitzende der ICNIRP sowie weitere Experten haben oder hatten finanzielle Verbindungen zur Telekommunikationsindustrie, zum Militär und/oder der Energiewirtschaft. Der erste Vorsitzende konnte das EMF-Projekt der WHO leiten. Dabei benützte er die WHO als Dachorganisation, um sich für die ICNIRP-Richtlinien als weltweiten Grenzwert einzusetzen. Dieselbe Person war auch dafür verantwortlich, mehrere Jahre lang Geldmittel der Telekommunikationsbranche in das EMF-Projekt der WHO zu kanalisieren.

Neue, wirklich schützende Grenzwerte sind erforderlich.

Wir rufen die Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation sowie alle Regierungen dazu auf, die Ausarbeitung und Berücksichtigung von Richtlinien auf medizinischer Grundlage voranzutreiben.16 Diese müssen unabhängig von Interessenkonflikten – hinsichtlich direkter oder indirekter Verbindungen zur Industrie – sein. Sie müssen den Stand der medizinischen Forschung widerspiegeln und sie müssen tatsächlich dem Schutz dienen.  

 

30. Oktober 2018

Hinweis: Die Unterzeichner dieses Aufrufs haben als Einzelperson ihre Unterschrift gegeben. Ihre Position spiegelt nicht notwendigerweise die Ansichten ihrer Arbeitgeber oder der Berufsverbände wieder, mit denen sie verbunden sind.

  • Prof. David O. Carpenter, MD, Director, Institute for Health and the Environment, University at Albany, State University of New York, USA
  • Dr. Lennart Hardell, MD, Ph.D, Abteilung für Onkologie, Universitätsklinikum, Örebro, Schweden (im Ruhestand), Die Forschungsstiftung für Umwelt und Krebs, Örebrö, Schweden
  • Dr. Joel M. Moskowitz, Ph.D. School of Public Health, University of California, Berkeley, USA  
  • Dr. Gerd Oberfeld, Dr. med., Landessanitätsdirektion, Salzburger Landesregierung, Österreich

Publikation zum Thema

Format: DIN A4Seitenanzahl: 3 Veröffentlicht am: 30.10.2018 Sprache: DeutschHerausgeber: Die Autoren

Aufruf zu tatsächlich schützenden Grenzwerten für die Expositionen gegenüber elektromagnetischen Feldern

Die Auffassung und Richtlinien der ICNIRP sind unwissenschaftlich.
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Carpenter | Hardell | Moskowitz | Oberfeld
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Um die Öffentlichkeit und die Umwelt vor den bekannten schädlichen Auswirkungen elektromagnetischer Felder (EMF) zu schützen, rufen wir die Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation sowie sämtliche Regierungen dazu auf, die ICNIRP-Richtlinien nicht zu übernehmen. Sie haben keine schützende Wirkung. Sie stellen vielmehr ein schwerwiegendes Risiko für die menschliche Gesundheit sowie die Umwelt dar. Sie erlauben nämlich die schädliche Exposition der Weltbevölkerung, einschließlich der Verwundbarsten, unter dem unwissenschaftlichen Vorwand, dass sie „schützend“ seien.
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Artikel veröffentlicht:
30.11.2018
Autor:
Carpenter | Hardell | Moskowitz | Oberfeld
Quelle:
The EMF-CALL / EMF-Aufruf

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