diagnose funk

Frankreich verordnet Strahlungsminimierung

Mobilfunksendeanlagen möglichst auf 1 V/m
Frankreich macht die Orte mit zu starker Mobilfunkbelastung ausfindig. Nach dem französischen Mobilfunkgesetz von 2015 müssen Orte "äußerst atypischer Belastung" binnen 6 Monate auf "möglichst 1 V/m" (=2.650 µW/m²) reduziert werden.

6 V/m (= 100.000 µW/m²) gelten in Frankreich als atypisch! Bei Ziff. 3 und 4 des Schaubildes ist eine erste Absenkung bereits teilweise gelungen, bei den übrigen "läuft die Untersuchung". Deutsche Gerichte erklären 14 - 19 V/m (520.000 - 960.000 µW/m²) für "normal".

Zu den Pflichten der Betreiber in den 15 Fällen wird gesagt: "Les traitements pour résorber les points atypiques sont de la responsabilité des exploitants et consistent soit à réduire la puissance d’émission, soit à éteindre une technologie en téléphonie mobile ou un secteur" (ANFR: RECENSEMENT DES POINTS ATYPIQUES, 2017, S.7). Es ist also entweder die Sendeleistung zu vermindern oder bestimmte "Mobilfunktechnologien" (also wohl UMTS oder LTE) oder ein Sektor sind stillzulegen (obwohl die ICNIRP-Grenzwerte* überall eingehalten sind). Das muss man mal in Deutschland vorschlagen! Übrigens: in Österreich fordern im gemeinsamen "Leitfaden Senderbau" die Ärztekammer, Wirtschaftskammer u.a. die Einhaltung von 0,6 V/m für die Summe aller Quellen.

* Die ICNIRP Grenzwerte gelten in den meisten westeuropäischen Ländern, Ausnahmen sind z.B. Italien, Belgien, Wallonien.

Publikation zum Thema

2. Auflage Oktober 2014Format: A4Seitenanzahl: 44 Veröffentlicht am: 01.10.2014 Herausgeber: Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt

Leitfaden Senderbau

Vorsorgeprinzip bei Errichtung, Betrieb, Um- und Ausbau von ortsfesten Sendeanlagen
Autor:
Wiener Arbeiterkammer; AUVA – Allgemeine Unfallversicherungsanstalt; Wirtschaftskammer - Bundesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm-, u. Kommunikationstechniker; Wiener Umweltanwaltschaft; Österreichische Ärztekammer; Wissenschaftler der MedUni Wien, Institut für Umwelthygiene und Institut für Krebsforschung.
Inhalt:
Die Einführung und weltweite Verbreitung von radiofrequenten Funkdiensten (z.B. W-LAN, Mobilfunk) ist in der Geschichte technischer Innovationen ohne Beispiel. Die rasante Entwicklung wird von Bedenken zu gesundheitlichen Auswirkungen begleitet. Dies führt zu erheblichen Widerständen seitens der Bevölkerung besonders dort, wo Infrastruktur ohne Einbindung der Anrainer ausgebaut wird. Der vorliegende Leitfaden beschreibt Strategien und Vorgangsweisen, um dem Bedürfnis nach technischer Innovation einerseits und dem verständlichen Wunsch nach geringen Immissionen andererseits gerecht zu werden. Die Empfehlungen basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen vergangener Jahre. Der Leitfaden bietet konkrete Empfehlungen für ein partizipatives Vorgehen bei der Errichtung von Basisstationen für Baubehörden, Anrainer und Betreiber-Gesellschaften mit dem Ziel gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen zu berücksichtigen. Konfliktträchtige Bauvorhaben können so über einen konstruktiven dialoggesteuerten Prozess im Konsens mit den Anrainern verwirklicht werden.