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Elektromagnetische Felder im Cockpit können Piloten schaden, befürchtet das US-Militär

Studie soll Belastung und Folgen untersuchen.
Die Kommunikation der Jet-Piloten läuft über Funk. Die Forschungsbehörde DARPA des US-Militärs lässt die Frage untersuchen, ob Unfälle und Abstürze auf die Auswirkungen der Strahlenbelastung zurückzuführen sind.
Bild: Defence-Imagery-UK_PICT0001844274

"Werden Piloten durch die hochfrequenten und elektromagnetischen Felder (EMF) der Hochleistungselektronik in ihren Flugzeugen geschädigt?", diese Fragestellung hat das Forschungsprojekt "Impact of Cockpit Electro-Magnetics on Aircrew Neurology (ICEMAN)" . Die U.S. Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) will der Vermutung nachgehen, ob die Piloten durch EMF so desorientiert sein könnten, dass dies bis hin zum Absturz führen kann:

  • "Heutige Cockpits sind überflutet von Hochfrequenz  (HF)-Belastung durch bordeigene Emissionen, Kommunikationsverbindungen und Navigationselektronik, einschließlich starker elektromagnetischer (EM)-Felder von Audio-Headsets und Helm-Tracking-Technologien", warnt die DARPA. "Piloten berichten häufig von leichten kognitiven Leistungsproblemen während des Fluges, und von 1993 bis 2013 war räumliche Desorientierung bei Piloten der US Air Force für 72 Unfälle der Klasse A, 101 Todesfälle und 65 verlorene Flugzeuge verantwortlich." (s.a. Text der Ausschreibung)[1]

Nicht-thermische Wirkungen

Prof. James Lin, ehem. Mitglied der ICNIRP, weist in seinem Artikel zu diesem DARPA-Forschungsprojekt auf mögliche nicht-thermische Effekte hin:

  • "Abgesehen von den starken Auswirkungen auf kognitive Funktionen und menschliche Gehirnströme, die bereits in der DARPA-Ankündigung erwähnt wurden, können  mögliche Reaktionen abrupter und ablenkender Natur verursacht werden, auf Grund der Exposition gegenüber gepulster Hochleistungs-HF und Mikrowellenstrahlung. Im DARPA- Bericht wird erwähnt, dass die Cockpits mit RF-Signalen überflutet werden von bordseitigen Emissionen, Kommunikationsverbindungen und Navigationselektronik, einschließlich starker EM-Felder von Audio-Headsets und Helm-Tracking Technologien ... Abhängig von den spezifischen Materialien und Konstruktionen der Helme kann die RF- und Mikrowellenstrahlung in das Innere des Helms des Piloten eindringen und noch höhere RF- und EM-Felder im Kopf erzeugen. Die daraus resultierende Exposition gegenüber gepulster RF-Strahlung und der damit verbundenen Ablagerung von Mikrowellenenergie im Kopfgewebe führen zwar nicht zu einer offensichtlichen Gewebeerwärmung, kann aber empfindliche biologische Reaktionen hervorrufen."[2]

Frühere DARPA-Forschungen hätten ergeben, dass "das menschliche Gehirn Magnetfelder wahrnimmt, wie sie auch von Tieren zur Navigation genutzt werden, und dass dieser Prozess durch Funkwellen (RF) gestört wird, was sich auf die Gehirnströme und das Verhalten auswirkt. Darüber hinaus haben die jüngsten Ergebnisse erstmals gezeigt, dass selbst schwache HF-Felder und 'erdstarke' Magnetfelder in einer kontrollierten Umgebung messbare, reproduzierbare Auswirkungen auf menschliche Gehirnströme und unbewusstes Verhalten haben."(Quelle Anm. 1).

In Phase I von ICEMAN soll ermittelt werden, wie hoch die Belastung durch Funkfrequenzen und elektromagnetische Felder in Cockpits ist. In Phase II werden die Auswirkungen von HF- und EMF -Belastungen auf den menschlichen Körper untersucht.

Relevanz für den Alltag, z.B. WLAN an Schulen und am Arbeitsplatz

Mit Spannung kann man die US-Studienergebnisse erwarten. Bereits 2015 stellte die Schweizer Regierung fest, dass die die Beeinflussung der Hirnwellen "ausreichend wissenschaftlich nachgewiesen" ist, ”deutlich unterhalb der internationalen Grenzwerte.”[3] Der WLAN-Review von Wilke (2018) dokumentiert 12 Studien mit Wirkungen auf EEG und Gehirnfunktionen und 22 Studien mit negativen Wirkungen auf Kognition, Lernen, Aufmerksamkeit und Verhalten. Mit dem TabletPC vor sich, dem Smartphone am Kopf und dem dauerfunkenden Accesspoint im Rücken sind SchülerInnen im Klassenzimmer Dauerbelastungen ausgesetzt, das betrifft auch immer mehr Arbeitsplätze in Büros, Kliniken und Fabriken. Es könnte eine mögliche Ursache für Kopfschmerzen und Erschöpfungen sein, aber auch für Elektrohypersensibilität. Und nicht zuletzt sind die neuen Autos voll mit Elektronik und EMF. Die Sorge um die militärischen und zivilen Piloten ist nachvollziehbar,  aber wir alle sind davon immer mehr im Alltag betroffen, v.a. durch das allgegenwärtige WLAN.

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Quellen

[1] Zitat aus Michael Peck (2020): Elektromagnetische Felder im Cockpit können Piloten schaden, befürchtet das US-Militär, https://www.forbes.com/sites/michaelpeck/2020/09/14/cockpit-electromagnetic-fields-are-harming-pilots-the-us-military-fears/?fbclid=IwAR1uNqyH88zwKojAMot8VP1gaXzXAGT0tGvS6JZBSQ2IffalzP7HJRWM2eI&sh=4f5eb9923d57

siehe auch: https://www.militaryaerospace.com/rf-analog/article/14182172/rf-noise-aircraft-cockpits-think

zum Text der Ausschreibung:

https://sam.gov/api/prod/opps/v3/opportunities/resources/files/a9d681ad025c4e8c9560a928bb6fb230/download?&status=archived&token=

[2] James C. Lin (2020): New ICEMAN Project Seeks Answers to Fighter Pilot Disorientation, https://ieeexplore.ieee.org/stamp/stamp.jsp?arnumber=9366591

Bei Lin finden sich auch Literaturangaben zu Wirkungen auf das Gehirn.

[3] https://www.bakom.admin.ch/dam/bakom/de/dokumente/zukunftstauglichemobilfunknetze.pdf, Zukunftstaugliche Mobilfunknetze, Ziff. 2.1.5, S. 4 (abgerufen 22.10.2021)

https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/elektrosmog/fachinformationen/auswirkungenelektrosmog/gesundheitliche-auswirkungen-von-hochfrequenz-strahlung.html#-1872767350 (abgerufen 22.10.2021).