diagnose funk

Veranstaltung zweier Bürgerinitiativen zum Mobilfunkausbau in Dachsberg, Ibach und Görwihl.

Mobilfunkkonzepte: immer mehr Kommunen wollen eins. Funklöcher müssen erhalten bleiben.
In den letzten Monaten hielten diagnose:funk Vorstände dutzende Vorträge über Zoom. Damit konnten wir unsere Aufklärungsarbeit zwar weiterführen, aber es bleibt eine virtuelle Krücke. In den Kommunen gärt es weiter, und jetzt häufen sich wieder die Anfragen nach Vorort-Vorträgen.
Dr. Wolf Bergmann und Jörn Gutbier referierten zu den Gesundheitsrisiken und den technischen Alternativen. Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

Jörn Gutbier (Vorsitzender diagnose:funk) und Dr. Wolf Bergmann (Bürgerinitiative Freiburg) waren von den "Hotzenwald-Bürgerinitiativen" im Schwarzwald eingeladen. Auch hier geht es um Mobilfunkmasten, die in diesem Fall der Anbieter Telefonica, wahrscheinlich zusammen mit dem Geld des neuen Mobilfunkanbieters Drillisch (1und1), mit dem ein Kooperationsvertrag besteht, bauen will. Der Widerstand ist groß. 100 Besucher:innen waren am 30. Juli in die Hotzenwaldhalle nach Görwihl gekommen. Die Referenten klärten ausführlich über die gesundheitlichen Risiken und technische Alternativen auf, für die die Kommunen Lösungen anstreben sollten, insbesondere Mobilfunkvorsorgekonzepte, mit denen nicht nur die die Strahlenbelastung massiv gesenkt werden kann.

Die Badische Zeitung berichtete ausführlich:

  • "Als Konsequenz aus diesen Überlegungen appellierte Gutbier an die Kommunen, einen eigenen Gutachter zu beauftragen, um einen Standort mit bestmöglicher Netzabdeckung bei weitgehender Minimalisierung der Strahlung ausfindig zu machen, sich also für größtmöglichen Immissionsschutz stark zu machen, ohne einer Verhinderungsplanung bezichtigt werden zu können. Juristisch zu prüfen wäre, ob ein Betreiber vertraglich zur Einhaltung einer Leistungsobergrenze verpflichtet werden könne. In der anschließenden Fragerunde wurde dieser Ansatz aufgegriffen und der Wunsch geäußert, dass sich die Kommunen, ähnlich wie beim Breitbandausbau, auch beim Mobilfunkausbau zusammenschließen sollten. Auch Görwihls Bürgermeisterstellvertreter Roland Mutter versprach, nach Möglichkeiten zu suchen, das beste Ergebnis für alle Beteiligten zu erreichen."(02.08.2021)

Funklöcher in der Gemeinde Ibach erhalten

Aber im Hotzenwald geht es um mehr, wie es auch in der Veranstaltung intensiv diskutiert wurde. Ibach und einige seiner Nebentäler sind noch echte Funklöcher. In diese haben sich schon seit Jahren von Mobilfunkstrahlung Schwerstbetroffene zurückgezogen und Orte zum Leben und Überleben(!) gefunden und sich etwas aufgebaut. Um den Erhalt dieser Funklöcher geht es. Diese sind durch die drei aktuellen Planungen der Telefonica in Dachsberg, Görwihl und vor allem durch die Planung in Ibach massiv gefährdet.

Es fehlen klare Zieldefinitionen - Alternativen sind vorhanden

Es braucht eine viel breitere Diskussion unter den Bürgern im Hotzenwald. Es stehen sich die Interessen derer, die (endlich mal) mit Mobilfunkangeboten versorgt werden wollen, denen der Schutzsuchenden und Schutzbedürftigen gegenüber. Dabei sind in Ibach die Grundlagen für Minimierung, Versorgung und Vorsorge, aber auch für den Schutz der Funklöcher, bereits gegeben. Glasfaser ist bereits ausgebaut oder wird in Kürze vollendet und jeder, der meint, zuhause Mobilfunk und Internet haben zu wollen, hat damit eine Alternative, es sich einzurichten, ohne das Alle und Alles bestrahlt werden muss. 

Die Diskussion mit den insgesamt 100 Zuhörern des Abends kann also nur der Auftakt gewesen sein.

Von 2012-2016 dauerte die Auseinandersetzung in Balzhausen, jetzt ist Glasfaser verlegt.

Im Südschwarzwald hat der Widerstand Tradition. Vor ca. 5 Jahren verhinderte die Bürgerinitiative Pro Glasfaser Balzhausen, Ortsteil von Grafenhausen, die Errichtung eines Sendemasten. Heute fordert eine aktive Bürgerinititiative im Nebenort Birkendorf die Verlegung eines innerörtlichen Mastes, der Gemeinderat hat ein Gutachten für alternative Standorte in Auftrag gegeben. An den Ortseingängen stehen derzeit die Banner der Bürgerinitiative. Auch diese Initiativen wurden von diagnose:funk beraten.

Bild:diagnose:funk, August 2021

Publikation zum Thema

4. vollständig überarbeitete Auflage, 2021Format: A5Seitenanzahl: 96 Veröffentlicht am: 26.05.2021 Bestellnr.: 104Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk | Titelfoto: stock.adobe.com

Kommunale Handlungsfelder

Mobilfunk: Rechte der Kommunen - Gefahrenminimierung und Vorsorge auf kommunaler Ebene
Autor:
diagnose:funk | Dipl.-Ing. Jörn Gutbier
Inhalt:
Diese Broschüre gibt Auskunft, welche Möglichkeiten Gemeinden haben, in die Aufstellung von Mobilfunksendeanlagen steuernd einzugreifen. Es wird aufgezeigt, was Kommunen neben dem sog. Dialogverfahren mit den Betreibern noch alles tun können, um ihre Bürger:innen mit einem Vorsorge- und Minimierungskonzept vor der weiterhin unkontrolliert zunehmenden Verstrahlung unserer Lebenswelt zu schützen. Darüber hinaus wird auf Argumente eingegangen, die in der Mobilfunkdiskussion eine wichtige Rolle spielen: die Grenzwerte, der fehlende Versicherungsschutz der Betreiber, der Mobilfunkpakt der kommunalen Spitzenverbände, die Strahlungsausbreitung um Sendeanlagen, die Messung und Bewertung der Strahlungsstärke, der Diskurs um Sendeanlagen versus Endgeräte, Kleinzellennetze, alternative Technologien u.a.m. Die Kommune ist immer noch die einzige Ebene, auf der zur Zeit ein wichtiger Teil einer neuen, effektiven Art der Mobilfunkvorsorgepolitik zum Schutz der Menschen und der Umwelt eingeleitet und umgesetzt werden kann.
Format: A5 Seitenanzahl: 92, Preis 6,00 Euro Veröffentlicht am: 19.10.2020 Bestellnr.: 788ISBN-10: 978-3-88515-321-4Sprache: DeutschHerausgeber: pad-Verlag 59192 Bergkamen, Am Schlehdorn 6

Fortschritt 5G? Mythen für den Profit.

Smart City, Smart Country, Breitband und 5G – die Folgen für Demokratie, Mensch und Umwelt
Autor:
Jörn Gutbier / Peter Hensinger
Inhalt:
Artikel: Fortschritt 5G? Über 5 Mythen! / Mit Akzeptanz-Managern gegen 5G-Proteste / Zellen im Strahlenstress. Zum Stand der Forschung über Sendemasten, Smartphones, Tablets & Co. Diese Broschüre analysiert im Hauptartikel anhand neuestem Material die Ziele des 5G-Ausbaus und seine Folgen, v.a. auch für die Umwelt. Ein zweiter Artikel beschreibt die Taktiken der Bundesregierung, den Widerstand, der sich trotz der Corona-Krise landesweit entwickelt, in den Griff zu bekommen. Und schließlich stellen die Autoren den aktuellen Stand der Forschung zu den gesundheitlichen Risiken der Mobilfunkstrahlung und 5G dar. Mit 175 Fußnoten sind alle Darstellungen ausführlich dokumentiert. Für alle, die die gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung hinterfragen und v.a. für die Aktivisten der Bürgerinitiativen ist diese neue Broschüre eine Hilfe, sich zu orientieren und ein Nachschlagewerk für neue Argumente in Diskussionen.
Artikel veröffentlicht:
09.08.2021
Autor:
diagnose:funk