diagnose funk

ElektrosmogReport Ausgabe 2021-2 erschienen

Wirkung von DECT auf Pflanzenwachstum / Wirkung von Mikrowellen auf Gehirnarchitektur bei Drosophila / Hochfrequenz und männliche Reproduktionsfähigkeit / Verringerte Zellteilung durch LTE / LTE-Hochfrequenz, Hirngewebe und Melatonin / Hochfrequenzwirkung-Wirkung auf Nervenzellen / Hochfrequenzwirkung auf Reispflanzen / Niederfrequente Felder und Herzratenvariabilität / Wirkung von 50-Hz auf sensorische Nerven von Insekten / Wirkung von 50 Hz auf Antioxidantien-System der Honigbiene / Review: Genetische Wirkungen von nicht-ionisierenden elektromagnetischen Feldern / Review: Verpasste Chancen für die Krebsprävention / Nachruf Yuri Grigoriev

ElektrosmogReport Ausgabe Juni 2021 

27. Jahrgang / Nr. 2

>>> Link zum kostenlosen Download

>>> Link zur Bestellung der Printversion

>>> Ermöglichen Sie mit Ihrer Spende die weitere Herausgabe des ElektrosmogReports und werden Sie Fördermitglied.

 

 

Der ElektrosmogReport 2021-2, 27. Jahrgang, bespricht 12 Studien, 7 zur Hochfrequenz, 3 zur Niederfrequenz und Magnetfeldern und 2 Reviews zu Krebs und DNA-Schädigungen.

Angesichts des derzeit stattfindenden rasanten Ausbaus von LTE sind die Ergebnisse von zwei Studien zu LTE von Choi et al. (2010) und Delen et al. (2021) von besonderer Relevanz. Besprochen wird die Studie von Almasiova  et al. (2021) zur Wirkung von WLAN auf Hoden. Zwei Studien Stefi et al. (2010) und Kundu et al. (2021) untersuchen die Wirkung nicht-ionisierender Strahlung auf Pflanzen, wobei Stefi et al. die DECT-Frequenzen untersuchen. Da in der Realität HF- und NF oft zusammenwirken, werden zwei Studien zur Wirkung von 50 Hz auf Insekten und Bienen besprochen. Der 161-seitige Review von Lai (2021) dokumentiert die Studienlage zu genetischen Wirkungen, Hardell/Carlberg (2021) geben einen Überblick über krebserregende Stoffe und den Umgang der Politik mit frühen Warnungen. In einem Nachruf würdigt der ElektrosmogReport den russischen Strahlenbiologen Yuri Grigoriev, der im Alter von 95 Jahren verstorben ist.

Vodafone-Deutschland-Chef Dr. Ametsreiter sagte aktuell in einem Interview:"Wir kennen keine anerkannte Studie, die gesundheitliche Schäden durch 5G belegt" (Stuttgarter Zeitung, 25. 05. 2021). Gesundheitsbedenken zur Mobilfunkstrahlung seien "irrationale Ängste". Wir empfehlen ihm die regelmäßige Lektüre des ElektrosmogReport.

Einen Gesamtüberblick über die Studienlage gibt unsere Zusammenstellung von 94 Reviews und unsere Datenbank www.emfdata.org.

Inhalt des ElektrosmogReport (Klick auf die blaue Zeile führt zur Studienbesprechung)

Hochfrequenzstudien

Wirkung von DECT auf Pflanzenwachstum

Reaktion von Oleander-Setzlingen auf langfristige nicht-ionisierende Bestrahlung.

Stefi, A. L., Mitsigiorgi, K., Vassilacopoulou, D., & Christodoulakis, N. S. (2020): Response of young Nerium oleander plants to long-term non-ionizing radiation. Planta, 251, 1-17.

  • In der  Studie zeigten kultivierte Oleander-Setzlinge nach Langzeitexposition mit hochfrequenten EMFs einer DECT-Basisstation markante strukturelle Veränderungen, wie die Abflachung der Krypten und Verdünnung der Schichten der Epidermis. Gleichzeitig wurde erhöhter oxidativer Stress vorgefunden, der sich durch einen signifikanten Anstieg reaktiver Sauerstoffspezies sowohl in den Wurzeln als auch in den oberirdischen Teilen zeigte.

Wirkung von Mikrowellen auf Gehirnarchitektur bei Drosophila

Pilotstudie zur automatischen Identifizierung der Wirkung von EMF-Strahlung auf das Gehirn mit Hilfe von Computer-Sicht und maschinellem Lernen.

Singh, A.; Singh, N.; Jindal, T.; Rosado-Muñoz, A. & Dutta, M. K (2021): A novel pilot study of automatic identification of EMF radiation effect on brain using computer vision and machine learning. Biomedical Signal Processing and Control, Elsevier, 2020, 57, 101821. doi:10.1016/j.bspc.2019.101821

  • Die Autoren dieser Pilotstudie haben eine neuartige Methode zur automatischen Identifizierung von EMF-bedingten Veränderungen der Gehirnmorphologie erarbeitet. Hochfrequenz und männliche Reproduktionsfähigkeit

Hochfrequenz und männliche Reproduktionsfähigkeit

Möglicher Einfluss einer pränatalen hochfrequenten elektromagnetischen 2,45 GHz-Feldexposition auf die Hoden von Wistar-Albino-Ratten

Almasiova V, Holovska K, Adraskova S, Cigankova V, Sevcikova Z, Racek A, Andrejcakova Z, Benova K, Toth S, Tvrda E, Molnar J, Enikö R (2021): Potential influence of prenatal 2.45 GHz radiofrequency electromagnetic field exposure on Wistar albino rat testis. Histol Histopathol. 2021 Mar 25:18331. doi:10.14670/HH-18-331

  • Die Autoren schlussfolgern, dass Strahlungsbelastung (2,45 GHz, 2,8 mW/cm2, SAR = 1,82 W/kg, 2h/Tag), welche vor der Geburt stattfand, im späteren Verlauf des Lebens einen negativen Einfluss auf die Hodenstruktur sowie die Spermatogenese der Ratten besaß. Sie ziehen oxidative Schädigungen sowie eine beeinträchtigte Blut-Hoden-Schranke als mögliche Mechanismen in Betracht, wie die Gewebeschäden entstehen konnten.

Verringerte Zellteilung durch LTE

Kontinuierliche Belastung mit elektromagnetischen 1,7 GHz LTE-Feldern erhöht intrazelluläre reaktive Sauerstoffspezies, was zu verringerter Zellteilung menschlicher Zellen führt und Seneszens induziert

Choi J, Min K, Jeon S, Kim N, Pack JK, Song K (2020): Continuous Exposure to 1.7 GHz LTE Electromagnetic Fields Increases Intracellular Reactive Oxygen Species to Decrease Human Cell Proliferation and Induce Senescence. Sci Rep. 2020;10(1):1-15. doi:10.1038/s41598-020-65732-4

  • Die Autoren zeigten, dass die kontinuierliche Belastung mit 1,7 GHz LTE-Hochfrequenz über 72h bei einem SAR1 = 1 W/kg und einem SAR2 ‚= 2 W/kg zu einer Verminderung der Zellteilung in allen untersuchten Zelltypen führte.

LTE-Hochfrequenz, Hirngewebe und Melatonin

Die Wirkung von 2600-MHz-Strahlung auf Hirngewebe von männlichen Wistar-Ratten und die das Nervengewebe schützende Wirkung von Melatonin

Delen K, Sırav B, Oruç S, Seymen CM, Kuzay D, Yeğin K, Take Kaplanoğlu G (2021): Effects of 2600 MHz Radiofrequency Radiation in Brain Tissue of Male Wistar Rats and Neuroprotective Effects of HF-Wirkung auf Nervenzellen

  • 2600 MHz ist Bestandteil der LTE-Mobilkommunikation. In dieser Studie führten 30 Minuten tägliche Bestrahlung über 30 Tage zu Abnahme der antioxidativen Parameter, Zunahme der oxidativen Parameter, Anstieg der Apoptose und Strukturveränderungen in Hirnrinde und besonders im Hippocampus von männlichen Ratten. Von außen zugeführtes Melatonin reduzierte die Schädigungen signifikant.

Hochfrequenzwirkung-Wirkung auf Nervenzellen

1800 MHz Hochfrequenz beeinträchtigt Neuritenwachstum durch Hemmung des EPHA5-Signalwegs

Chen C, Ma Q, Deng P, Lin M, Gao P, He M, Lu Y, Pi H, He Z, Zhou C, Zhang Y, Yu Z, Zhang L (2021): 1800 MHz Radiofrequency Electromagnetic Field Impairs Neurite Outgrowth Through Inhibiting EPHA5 Signaling. Front Cell Dev Biol. 2021;9(April):1-16. doi:10.3389/fcell.2021.657623

  • Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Hochfrequenzstrahlung das Wachstum von Neuriten (Dendriten und Axone) hemmt. Die Autoren identifizieren einen veränderten EPHA5-CREB/RhoA Signalweg als Schlüsselfaktor. Laut den Wissenschaftlern trägt dieses Ergebnis dazu bei, die Wirkung und Mechanismen von Hochfrequenz auf das Neuritenwachstum aufzudecken.

 Hochfrequenzwirkung auf Reispflanzen

Elektromagnetische Bestrahlung bewirkt physiologische und molekulare Veränderungen in Reis.

Kundu A, Vangaru S, Bhattacharyya S, Mallick, Gupta B (2021): Electromagnetic Irradiation Evokes Physiological and Molecular Alterations in Rice. Bioelectromagnetics 42 (2), 173–185

  • Die Keimungsraten waren nach Bestrahlung mit 1837,5 MHz reduziert, was auf geringere Wasseraufnahme der Samen zurückgeht. Die Konzentrationen der Photosynthesepigmente Chlorophyll a, Chlorophyll b und Carotinoide waren nicht-signifikant reduziert. Die Stress-bezogenen Gene waren z. T. signifikant verändert. Die Experimente wurden bei Feldstärken unterhalb der von der ICNIRP festgelegten Grenzwerte für elektromagnetische Felder durchgeführt.

Erratum: "The original article [Kundu et al., 2021] to which this Erratum refers was published in Bioelectromagnetics 42(2):173–185. The power density level, at which the target rice seedlings and subsequent plants were exposed, was incorrectly reported as 2.75 W/m2 in the above-mentioned article. Moreover, the sham-exposure level was also incorrectly reported as 0.07 W/m2 [Kundu et al., 2021]. The correct power density levels are 2.75 mW/m2 (radiation treatment) and 0.07 mW/m2 (sham-exposure) at 1837.50 MHz. The scientific conclusion made in the original article was not affected by this error. Moreover, reported plant responses at such a low power density level further emphasize the proposed hypothesis in the original article [Kundu et al., 2021]. The authors regret the error."

https://www.researchgate.net/publication/352112661_Erratum_Electromagnetic_Irradiation_Evokes_Physiological_and_Molecular_Alterations_in_Rice

Niederfrequenz

Niederfrequente Felder und Herzratenvariabilität

Herzratenvariabilität und Magnetfeldbelastung bei Lokführern – eine Pilotstudie

Hansson Mild K, Bergling R, Hörnsten R (2021): Heart Rate Variability and Magnetic Field Exposure Among Train Engine Drivers—A Pilot Study. Bioelectromagnetics 42 (3), 259–264, https://doi.org/10.1002/bem.22329

  • Die HRV-Werte ergaben keine Anspannung der Fahrer während einer Tagschicht, nachts gibt es Anhaltspunkte, dass die Fahrer Schwierigkeiten haben zu entspannen. Diese Pilotstudie hat gezeigt, dass die angewandte Methode mit den verwendeten Geräten bei Zugführern gut durchgeführt werden kann und für eine größere Studie mit einer größeren Gruppe geeignet ist.

Wirkung von 50 Hz auf sensorische Nerven von Insekten

Elektromagnetisches Feld und TGF-ß verstärken die kompensatorische Plastizität nach Verletzung des sensorischen Nervs amerikanischen Schaben.

Jankowska, M.; Klimek, A.; Valsecchi, C.; Stankiewicz, M.; Wyszkowska, J. & Rogalska, J. (2021): Electromagnetic field and TGF-ß enhance the compensatory plasticity after sensory nerve injury in cockroach Periplaneta americana. Scientific Reports, Nature Publishing Group, 2021, 11, 1-11

  • Die verwendete EMF-Exposition scheint allgemein neuronal aktivierend zu wirken und löst Hyperaktivität des untersuchten Cercus-Nerven und des Verhaltens aus, vermutlich durch direktes Eingreifen in molekulare Prozesse der neuronalen Signalübertragung.

Wirkung von 50 Hz auf Antioxidantien-System der Honigbiene

Veränderungen im Antioxidantien-System der Honigbiene nach 12-stündiger Exposition mit einem 50 Hz elektromagnetischen Feld von variabler Intensität.

Migdał, P.; Murawska, A.; Strachecka, A.; Bieʼnkowski, P. & Roman, A. (2021): Changes in the Honeybee Antioxidant System after 12 h of Exposure to Electromagnetic Field Frequency of 50 Hz and Variable Intensity. Insects, Multidisciplinary Digital Publishing Institute, 2020, 11, 713. doi:10.3390/insects11100713

  • Die Autoren folgern, dass eine 12-stündige Exposition bei Feldstärken, welche Honigbienen auch in ihrem natürlichen Umfeld begegnen können (5 kV/m), die Aktivität von SOD signifikant erhöht. Dieser Umstand alleine, falls in weiteren Studien bestätigt, genüge, um Hochspannungsleitungen in die Liste der Umweltstressoren einzuschließen, die am Bienensterben („colony collapse disorder“, CCD) beteiligt sind – neben Pestiziden und Chemikalien.

Reviews

Review: Genetische Wirkungen von nicht-ionisierenden elektromagnetischen Feldern

Genetische Wirkungen von nicht-ionisierenden elektromagnetischen Feldern

Lai H (2021): Review: Genetic effects of non-ionizing electromagnetic fields. Electromagnetic Biology and Medicine; https://doi.org/10.1080/15368378.2021.1881866

  • Diese 161 Seiten umfassende Übersichtsarbeit befasst sich mit den Wirkungen von statischen, nieder- und hochfrequenten Feldern auf genetische Prozesse (Genexpression) und direkte Schädigung der DNA. Es gibt genügend Gründe anzunehmen, dass genetische Veränderungen durch elektromagnetische Felder möglich und vorhanden sind, was etwa 70 % der Studien aus Anhang 1 und 2 belegen. Einige genetische Schäden können sich nachteilig auf die Gesundheit auswirken.

Review: Verpasste Chancen für die Krebsprävention

Verpasste Chancen für die Krebsprävention: Historische Erkenntnisse über Frühwarnungen mit Schwerpunkt auf Hochfrequenzstrahlung

Hardell L, Carlberg M. (2021): Lost opportunities for cancer prevention: Historical evidence on early warnings with emphasis on radiofrequency radiation. Rev Environ Health. 2021. doi:10.1515/reveh-2020-0168

  • Diese Übersichtsarbeit gibt einen Einblick in verpasste Möglichkeiten zur Krebsprävention am Beispiel von Asbest, Tabak, Pestiziden und nun auch Hochfrequenzstrahlung Die Strategie, Zweifel an Krebsrisiken bestimmter Einflüsse zu säen, wurde bereits vor Jahrzehnten etabliert. Nun wird sie von der Telekommunikationstechnologie in Bezug auf Hochfrequenzstrahlung und Risiken für Mensch und Umwelt adaptiert und implementiert. Die Industrie besitzt wirtschaftliche Mittel, Zugang zu Politikern sowie Zugang zu Medien, während besorgte Menschen ungehört bleiben.

 

Artikel veröffentlicht:
01.06.2021
Artikel aktualisiert:
12.06.2021
Autor:
diagnose:funk