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"Bis heute keine Schäden ... kein einziger Fall"

Wie uns Lobbyisten die Welt erklären
Mit grotesken Argumenten erklären uns Lobbyisten die Welt. Industrievertreter sind meist sehr wortgewandt. Sie müssen es auch sein, denn es geht darum, für die Industrie unangenehme Sachverhalte so darzustellen, dass der Zuhörer meint, es wäre alles in bester Ordnung.

Obwohl diese Bemühungen oft seltsame Blüten treiben, merken sogar gebildete Redakteure oft nicht, dass sie dabei einem Hoax aufsitzen. Im Gegenteil: Genau solche Schlagworte bevorzugen manche in Ihren Sendungen. "Sie sind leichter verständlich, als die wissenschaftlichen Äusserungen der Umweltorganisationen", hören wir später oft als Begründung. Sehen wir uns die neueste Argumentation der Industrie doch einmal genauer an:

Herr Dr. Gregor Dürrenberger von der Zürcher Forschungsstiftung Mobilkommunikation konnte sie am 28. November 2006 in der DRS-Sendung "Sturm auf die Antennen" wieder einmal an den Hörer bringen:

"Bis heute hätte die Wissenschaft noch keine Schäden von der Mobilfunkstrahlung auf den Mensch nachweisen können, sagt Gregor Dürrenberger - in keinem einzigen Fall.“, so der Moderator. Wenn man von einer Liste von Studien sprach, so betonte man, dass diese eine Schädigung nur „scheinbar“ belegen würden. Studien die Zusammenhänge fanden, wären vielleicht nur ein Zufallsereignis. Diesen Studien müsse man also „nachgehen“. Dass es zu jeder alarmierenden Studie somit eine Entwarnungsstudie gäbe - das wäre halt üblich in der Forschung.

Klingt sehr beruhigend, finden Sie nicht auch? Tatsache ist jedoch, dass es zum Thema der hochfrequenten Strahlung allein am Mensch oder an der menschlichen Zelle mittlerweile rund 300 Studien gibt, die gesundheitsschädigende Effekte fanden. (Siehe z. Bsp. www.emf-portal.de) Dies statistisch meist hochsignifikant und im Feldstärkebereich des heutigen (Schweizer) Mobilfunks. Üblicherweise schickt die diagnose-funk einige dieser Ergebnisse vor einem Interview an die jeweiligen Redakteure. Ein gigantisches Zufallsereignis, dass sich den Redakteuren da jeweils unter den Augen ausbreitet.

Halt, sagt die Industrie an dieser Stelle: Die Studien zeigen keinen KAUSALEN Zusammenhang der Strahlung auf den Ausbruch einer pathologischen „Krankheit“. Richtig, denn eine Studie, die einfach nur eine erhöhte Krebsrate im Umfeld einer Radioantenne fand, kann zwar einen Zusammenhang nahe legen, jedoch nicht beweisen. Es könnte ja sein, dass im gleichen Gebiet auch noch das Trinkwasser verseucht war.

Also muss man den Beweis unter kontrollierten Bedingungen durchführen, d.h. im Labor. Hier wurden zwar schon diverse Effekte belegt, wie z. Bsp. eine Veränderung des Blutbildes, Schäden am Erbgut, Veränderungen der Gehirnströme, Ausschüttungen von Stressproteinen, u.s.w., doch das sind ja alles noch keine "Krankheiten". Es sind höchstens Vorstufen, falls daraus überhaupt eine pathologische Krankheit entstehen sollte. Dass man heutzutage aus Experimenten mit anderen Noxen weiss, welches Mass an Schädigung auf biologischer Ebene zu einer handfesten Krankheit führen kann, wird dabei geflissentlich verschwiegen.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Artikel 'Radio-Interview mit Diagnose-Funk' (siehe nebenstehender Link) mit dem dazugehörigen untenstehenden Brennpunkt.

Fazit: Wenn man die Schädlichkeit des Mobilfunks beweisen möchte, akzeptiert die Industrie gemäss ihrer Argumentation demnach nur ein Experiment, in welchem ein Mensch (bzw. eine Population) durch eine Bestrahlung unter kontrollierten Laborbedingungen eine pathologisch messbare Krankheit NOCH IM LABOR entwickelt (- weil ausserhalb des Labors wieder unkontrollierte Einflüsse wirken könnten).

Solche Experimente gab es in Europa zuletzt 1945 (wenn man von einzelnen Fällen danach absieht). Und daher wird man wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit Studien präsentieren können, ohne dass irgendeine Behörde sie als Beweis für eine strahlungsbedingte Gesundheitsschädigung anerkennen darf.

Die Industrievertreter kommen sich dabei sicherlich sehr "gerissen" vor. Gratulation Herr Dürrenberger. Die nachfolgenden Generationen werden noch stolz sein auf Ihre Gerissenheit.

 

Publikation zum Thema

Diagnose-Funk im Radio
Format: A4Seitenanzahl: 4 Veröffentlicht am: 30.11.2006 Bestellnr.: Nicht verfügbar!Sprache: Deutsch

Diagnose-Funk im Radio

Kernaussagen gestrichen
Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Als die Redaktion des Schweizer Radios DRS im Vorfeld der Sendung "Sturm auf die Antennen" einen kompetenten Gesprächspartner zum Stand der Wissenschaft über gesundheitliche Auswirkungen von "Handystrahlung" suchte, wurde sie von Sachverständigen an Dipl.-Ing. Lothar Geppert von der Umweltorganisation diagnose-funk verwiesen. Über die sich anschließenden Ereignisse berichtet diese Ausgabe unserer Brennpunkt-Reihe. http://www.diagnose-funk.org/downloads/brennpunkt20061130.pdf
Artikel veröffentlicht:
30.01.2007
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diagnose:funk

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