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TV-Bericht über Ghostwriting in der Medizin

Wie Konzerne die Wissenschaft pervertieren
Schätzungsweise mindestens jeder zehnte medizinische Fachartikel stammt nicht aus der Feder der Experten, die als Autoren genannt sind.

SWR2 Wissen: Ghostwriting in der Medizin - Unterschrift genügt

Schätzungsweise mindestens jeder zehnte medizinische Fachartikel stammt nicht aus der Feder der Experten, die als Autoren genannt sind. Was hierzulande noch überrascht, ist in den USA Alltag: Dort haben die Ghostwriter für die Medizin sogar einen eigenen Berufsverband. Ihnen geht es dabei nicht um das edle Motiv, Ärzte zu entlasten, damit diese mehr Zeit für ihre Patienten haben. Ghostwriter arbeiten vielmehr für Agenturen, die von Pharmafirmen bezahlt werden. Und deren Marketing-Abteilungen entscheiden häufig mit darüber, welche Daten aus einer klinischen Studie in einem Artikel auftauchen sollen. Das hat schon mehrfach dazu geführt, dass zweifelhafte Medikamente systematisch in einem besonders positiven Licht dargestellt worden sind. Etwa beim Grippemittel Tamiflu oder der sogenannten Hormonersatztherapie für Frauen in den Wechseljahren. Lange Zeit hat die medizinische Fachwelt das Problem verkannt. Jetzt beschäftigt sie sich immerhin damit, ist aber ziemlich machtlos gegen das Ghostwriting – denn es verstößt nicht gegen das Gesetz.


 

Artikel veröffentlicht:
03.09.2012
Autor:
Hellmuth Nordwig
Quelle:
SWR2 'Wissen', 3.9.2012 | 8.30 Uhr

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