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"Der Handykrieg" von Klaus Scheidsteger

Texte aus dem Dokumentarfilm
Ausschnitte aus Aussagen der im Film befragten Wissenschafter zum Gesundheitsrisiko der Benutzung von Mobiltelefonen.

Die ungekürzte Version des Films ist auf DVD erhältlich unter www.buergerwelle.de für die EU-Länder oder www.buergerwelle-schweiz.org für Zustellung innerhalb der Schweiz (Februar 2007).

Dr. George Carlo

ABC-News 1999, TV-Sendung über Dr. Carlo. – Sprecher: „Sechs Jahre nachdem die Handyindustrie 25 Millionen Dollars für ein Forschungsprojekt gab in der Hoffnung, die Ungefährlichkeit der Handys beweisen zu können, kommt Dr. Carlo zu folgender Erkenntnis:“ – Dr. Carlo: „Wir haben uns einem Feld genähert, wo wir nun einige direkte Beweise für mögliche Gesundheitsschäden durch Mobiltelefone haben.“ – Sprecher: „Gegen die Regeln der Industrie erzählt Dr. George Carlo ABC: In den Forschungen, die er begleitete, fand er zwei potentielle Probleme: Genetische Schäden, die eine Vorstufe zu Krebs sein können, und er entdeckte [zwar] kein allgemein erhöhtes Krebsrisiko, aber ein erhöhtes Risiko, an einer seltenen Art von Gehirntumor zu erkranken.“

Film-Interview, Dr. Carlo: „Fast jede bisher durchgeführte Studie zeigt Anzeichen einer Gefahr. Nun, die andere Seite der Medaille ist, dass es keine Untersuchungen an Menschen gibt, die einen schlüssigen Beweis bezüglich der Sicherheit der Handys geben. Auf der epidemiologischen Seite gibt es also Studien, die Probleme oder potentielle Probleme aufzeigen, und Studien, die nicht schlüssig sind. Die Industrie manipuliert die Wissenschaft und vermittelt der Öffentlichkeit, dass diese [nicht schlüssigen] Studien die Sicherheit der Handys beweisen. Das ist wissenschaftlicher Betrug.“

Erstes Wissenschaftskolloquium von 1999 in Long Beach mit den Auftraggebern der Forschung (Videoaufnahme), Dr. Carlo: „Während ich mich mit Leuten von Motorola stritt wegen ungeschützten Systemen und der Art, wie man sie interpretierte, wurde mir klar, die machen nur ihren Job. Und ich tu’ meinen. Und auch wenn wir diskutierten, – all diese wissenschaftlichen Wechselspiele, die wir die letzten fünf Jahre während jedem Meeting und Kolloquium hatten, machten die Wissenschaftler nur ihren Job. – Die Schwierigkeit ist, dass jeder nur seine Arbeit machen will. Und es ist klar, dass die Konsumenten nicht geschützt werden. Und das sagt mir, da ist etwas faul in unserem System. – Die Industrie reagiert auf die Bedürfnisse der Konsumenten. Die Konsumenten wollen diese Technologie. Und wenn sie diese Technologie wollen, die diese Risiken mit sich bringt, macht es dann nicht Sinn, dass sie etwas darüber erfahren?“

Sechs Jahre später im selben Saal des Hotels in Long Beach. Dr. Carlo erinnert sich: „Dies war der Wendepunkt, an dem die Wissenschaft endete und die Politik begann. Bis zu diesem Punkt, bis zu diesem Kolloquium und dieser Präsentation der Forschungsergebnisse hatte sich wirklich alles auf die Wissenschaft fokussiert. Aber ab diesem Zeitpunkt war klar, dass die Industrie genug von Wissenschaft hatte und sich auf die Politik und die Frage fokussierte: Wie können wir die Wissenschaft so verpacken, dass es unseren wirtschaftlichen Interessen nicht schadet, und wie können wir uns von den Leuten distanzieren, die wir finanziert haben? – Es war abzusehen, dass dies passieren würde.“

Zweites Wissenschaftskolloquium vom Juni 1999 in Long Beach, letzter Auftritt Dr. Carlos (Videoaufnahme): „Wir brauchen eine ständige Marktüberwachung von neuen Produkten und deren ständige finanzierte Überprüfung durch die Industrie. Nichts weniger als das wird die Konsumenten beschützen.“

Film-Interview, Dr. Carlo: „Eine Kombination von sechs Jahren Arbeit, über 200 Wissenschafter und Ärzte, die in diese Arbeit involviert waren, mehr als 50 Studien, 28 Millionen investierte Dollars an Ressourcen... Wir gaben der Industrie ehrliche und klare Empfehlungen, und sie haben verdammt noch mal nicht auf uns gehört. Sie haben keine einzige der Empfehlungen befolgt, die die Ergebnisse einer sechs Jahre langen Arbeit waren. Gleichzeitig haben wir diese Empfehlungen in die Welt getragen. Es gab ungefähr 200 Millionen Handynutzer. Und wir machten uns Sorgen um diese 200 Millionen. Deshalb gaben wir die Empfehlungen. Seither gibt es 1.2 Milliarden Menschen mehr auf der Welt, die ein Handy benutzen. Diese Empfehlungen sollten helfen, Probleme vermeiden. Sie waren präventive Interventionen [= vorsorgliche Massnahmen], etwas, das man von einer verantwortungsvollen Industrie erwarten sollte: Ihre Technologien zu überprüfen und zu sehen, ob es Gefahren gibt. Menschen untersuchen, ob sie durch die Nutzung dieser Technologie gesundheitliche Probleme bekommen, und falls ja, eine rote Flagge hissen und Schritte einleiten. – Unglücklicherweise wurde nicht eine einzige Empfehlung berücksichtigt. Und nun haben wir 1,4 Milliarden Menschen in der Welt, die diese Technologie nutzen und nicht wissen, worauf sie sich einlassen.“

Prof. Dr. Franz Adlkofer

Prof. Dr. Franz Adlkofer, Koordinator der europäischen REFLEX-Studie 2000-2004 (Schädigung der Erbsubstanz durch Mobilfunkstrahlung – Zitat: "Seit 40 Jahren gilt die Lehrmeinung, dass elektromagnetische Felder zu schwach sind, um das Erbgut zu verändern. Unsere Ergebnisse haben jetzt das Gegenteil gezeigt.")

Film-Interview, Dr. Carlo: „Die Forschungsergebnisse verdichten sich und zeigen, dass die öffentliche Gesundheit gefährdet ist. Wie gross die Gefahr ist, wissen wir nicht. Aber es sieht nicht gut aus. Vor lauter Rauch, der produziert wurde, kann man die Flamme nicht mehr sehen.“ – Prof. Adlkofer „Solange wir das Verhältnis von durch die Industrie kontrollierter Forschung und unabhängiger Forschung nicht ändern können, sehe ich keine Chance. Es wird noch 10, 15 Jahre so weitergehen. Und wenn wir Pech haben, bei unglücklichen Umständen, dann kann das Problem nicht mehr versteckt werden, weil das Intervall lang genug ist, um zeigen zu können, ob die Gehirntumor-Rate zunimmt oder nicht. Aber was für eine Katastrophe, dass wir mit offenen Augen in ein Feldexperiment gehen, ohne den möglichen Ausgang zu kennen. Ist das nicht eine Katastrophe? Es ist unfassbar!“ – „Wir haben gezeigt, dass hochfrequente Felder die Gene schädigen können, ihre Funktion verändern können. Diese Veränderungen reichen aus, praktisch jede Erkrankung, die beim Menschen auftreten kann, mitzuerklären, ohne dass natürlich der Beweis, dass es so sein wird, vorliegt. Aber die Mechanismen, die elektromagnetische Felder auslösen können, von denen wissen wir heute aufgrund der REFLEX-Daten eine ganze Menge. Es geht nur darum, diese Mechanismen jetzt zu suchen auch in der in-vivo-Situation, also beim lebenden Tier und beim lebenden Menschen. Wenn sie dort ebenfalls auftreten, so wie sie bei uns im Reagenzglas gefunden worden sind, dann haben wir ein riesiges Problem.“

Prof. Dr. Hugo W. Rüdiger

Prof. Dr. Hugo W. Rüdiger, Leiter der Klinischen Abteilung Arbeitsmedizin, Universitätsklinik für Innere Medizin, Wien. Mitarbeit am REFLEX-Forschungsprojekt.

Prof. Rüdiger: „Die Situation erinnert ein bisschen an die Verhältnisse beim Asbest. 1980 ungefähr wurde Asbest bei uns verboten. Wann haben wir den Gipfel der Asbest-bedingten Tumore? 2015 werden wir den haben. Wir sind immer noch auf dem Anstieg. Weil wir Latenzen haben, das heisst Zeiträume zwischen Exposition und dem ‚Gesundheitsereignis Tumor’ zwischen 30, 40 und noch mehr Jahren. Damit muss man rechnen. Und das ist das, was man im Hinterkopf haben muss, wenn man jetzt sagt, nehmen wir doch die Hinweise bei den elektromagnetischen Feldern jetzt ernst, und warten wir nicht noch 40 Jahre, bis wir vielleicht was finden.“

Prof. Dr. Michael Kundi

Prof. Dr. Michael Kundi, Institut für Umwelthygiene der Universität Wien

Prof. Kundi: „Sie finden bei Studien, die lange Beobachtungszeiten – lange Latenzzeiten – einschliessen, regelmässig ein erhöhtes Risiko. Es ist nicht dramatisch erhöht, aber es ist so deutlich erhöht, dass wir schon eine gewisse Besorgnis haben, was die Zukunft anlangt.“ – Interviewer: „Und wie geht die Industrie damit um?“ – Prof. Kundi: „Das ist sehr merkwürdig, dass dieses Risiko, genauso wie das früher die Tabakindustrie gemacht hat, vehement geleugnet wird, obwohl alle Untersuchungen, die entsprechende Beobachtungszeiten einschliessen, einen solchen Effekt gezeigt haben."

Artikel veröffentlicht:
01.03.2007
Autor:
Bürgerwelle Schweiz
Quelle:
Veröffentlicht auf diagnose:funk mit freundlicher Genehmigung des Autoren.

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