diagnose funk

Schweiz. AEFU: Versuchte Instrumentalisierung

Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz üben Kritik
Die Mobilfunk-Industrie nimmt Einfluss auf die Forschung und versucht die Ärzteschaft zu beeinflussen.

PRESSEMITTEILUNG DER AEFU

Wie die Mobilfunk-Industrie die Forschung und die Ärzteschaft für ihre Interessen zu instrumentalisieren versucht

Die Mobilfunk-Industrie versucht die gesundheitlichen Risiken der Mobilfunk-Technologie schönzureden. Sie nimmt dabei Einfluss auf die Forschung und versucht die Ärzteschaft zu beeinflussen. Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz warnen vor gesundheitlichen Risiken, besonders bei Kindern. Sie fordern eine Förderung der industrie-unabhängigen Forschung, eine Senkung der Grenzwerte und halten an ihrem Moratorium für den Weiterausbau der Mobilfunk-Technologie fest.


Die Mobilfunktechnologie entwickelt sich rasant. Laufend werden neue Bedürfnisse kreiert und kein Mittel wird gescheut, die Bevölkerung - ja sogar Kinder - zum Gebrauch der Instrumente des Mobilfunks zu animieren. Je mehr diese Technik unseren Alltag durchdringt, desto mehr Geräte sind aktiv, desto mehr Antennen werden zur Versorgung benötigt und umso grösser wird die Belastung durch hochfrequente elektromagnetische Strahlung. Gemäss Umfragen leidet jeder zwanzigste Bewohner der Schweiz darunter.

Das Aufstellen neuer Antennen macht Angst und provoziert Widerstand. Prompt stehen mobilfunknahe ExpertInnen bereit, die „hysterischen Ängste“ der Bevölkerung zu zerschlagen. Gleichzeitig wird mit viel Geld und professionellem Marketing versucht, gesellschaftliche Autoritäten wie Behörden und ÄrztInnen von der Unbedenklichkeit dieser Technik zu überzeugen. Leserbriefe werden verfasst, Gemeinden schweizweit angeschrieben und für die Ärzteschaft wird eigens eine periodisch erscheinende Zeitschrift namens „frequentia“ geschaffen. Als PR-Instrument für diese einseitig interessengebundene Informationsflut dient das Forum Mobil, welches von den Anbietern der Mobilfunkindustrie finanziert und geführt wird.

In einem nächsten Schritt soll die Ärzteschaft gezielt mit dem Projekt MMG „Medizin–Mobilfunk-Gesundheit“ in ihrer Meinungsbildung beeinflusst werden. Vom Forum Mobil initiiert und von der Mobilfunkindustrie gut bezahlt soll ein Expertengremium von MedizinerInnen in repräsentativen Funktionen zusammen mit Strahlenfachleuten ein Konsenspapier ausarbeiten. Erklärtes Ziel dieses Projektes ist es, praktisch tätige MedizinerInnen zu belehren oder zu überzeugen, dass ihr Erfahrungswissen über durchaus plausible Zusammenhänge zwischen Beschwerden und Mobilfunk nicht dem aktuellen Forschungsstand entspreche und deshalb falsch sei. Die Mobilfunkindustrie will damit der Erfahrung der PraxisärztInnen in der Schweiz entgegentreten, die gemäss einer Umfrage in ihrer Sprechstunde tatsächlich Menschen mit Beschwerden sehen, die sie auf den Einfluss von elektromagnetischen Feldern zurückführen.
Oft erscheint den ÄrztInnen der Zusammenhang zwischen den geschilderten Beschwerden und den elektromagnetischen Feldern plausibel, auch wenn dies bisher wissenschaftlich nur in wenigen Studien nachgewiesen werden konnte.

Wie subtil die Mobilfunkindustrie auch im Forschungsbereich Einfluss ausübt, zeigt die Analyse der bisherigen Studien. Forschungsprojekte, die von der Mobilfunkindustrie finanziert werden, zeigen nur in 30% einen gesundheitlichen Effekt, während gemischt oder öffentlich finanzierte Studien in über 70% einen Effekt nachweisen.

Renommierte ForscherInnen im In- und Ausland weisen darauf hin, dass durch Exposition von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern gesundheitliche Probleme entstehen können und mahnen zur Vorsicht, insbesondere bei Kindern. Dies erscheint umso wichtiger, als im Experiment Veränderungen am Erbgut nachweisbar sind. Ausserdem zeigen Studien zu Hirntumorrisiko und Handynutzung Hinweise, dass bei längerer Benützungsdauer das Hirntumorrisiko auf der Kopfseite, wo telefoniert wird, erhöht ist.

Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz erachten es als notwendig, dass möglichst viel Forschung industrieunabhängig finanziert wird, wie z.B. das aktuelle nationale Forschungsprogramm. Zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Effekte von Umwelteinflüssen auf die Gesundheit der Bevölkerung ist ein nationales Krebsregister zu erstellen. Zusätzlich müssen die KonsumentInnen über die Möglichkeiten der Minimierung der Strahlung durch entsprechende Auswahl der Geräte, mögliche gesundheitliche Risiken und eine sinnvolle Nutzung strahlenemittierender Geräte informiert werden.

Unsere ärztliche Aufgabe ist es nicht nur, zur Heilung von Krankheiten beizutragen und Leiden zu lindern, sondern auch bei einem potentiellen Gesundheitsrisiko zur Vorsicht zu mahnen.
Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz halten deshalb an ihrer seit Jahren gestellten Forderung nach tieferen Grenzwerten fest und fordern ein Moratorium für den Weiterausbau der Mobilfunktechnologie. Nur so werden gesundheitlich verträglichere Technologien wirksam gefördert.

Weitere Auskünfte:
Frau Dr. med. Edith Steiner, Zentralvorstandsmitglied Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz,
Leiterin Arbeitsgruppe elektromagnetische Felder, Schaffhausen, Tel. 052 620 28 28

Weiterführende Literatur:
• Homepage der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) www.aefu.ch
• Artikel in der Schweizerischen Ärztezeitung Nr. 6, 7. Februar 2007, www.saez.ch

Artikel veröffentlicht:
23.02.2007
Autor:
Pressemitteilung der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz
Quelle:
Veröffentlicht auf diagnose:funk mit freundlicher Genehmigung der Autoren.

Downloads

Schlagwörter dieses Artikels