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Interphone: Tumore nicht von heute auf morgen

Fehlinterpretationen epidemiologischer Studien
Laut Prof. Kundi ist erhöhtes Hirntumor-Risiko erst bei Langzeituntersuchungen festzustellen. Für ihn ist die Studie nicht sehr aussagekräftig, außer es wird angenommen, dass die kanzerogene Wirkung von Mobil-telefonen die des Zigarettenrauchens übersteigt.

Im Oktober 2000 startete die weltweit umfangreichste epidemiologische Studie zu Tumoren im Kopfbereich, die in 13 Ländern durchgeführte und von der Internationalen Krebsagentur (IARC) der WHO koordinierte Interphone Studie zur Frage des Zusammenhangs zwischen Mobiltelefonnutzung und solchen Tumoren. Diese Studie wurde sowohl in der wissenschaftlichen Gemeinschaft als auch in den Medien sofort als die ultimative Studie gepriesen, die endlich Klarheit schaffen würde, weil sie eine so große Fallzahl projektiert hätte, um auch kleine Risiken zu detektieren. In der Tat hatten selbst manche Wissenschaftler, die hochfrequente Felder nur wegen der akuten Wärmewirkung als potenziell schädlich ansahen, doch erhebliche Zweifel, ob eine relativ starke Mikrowellenquelle, die immerhin dem Grenzwert von 2 W/kg für die lokale Exposition des Schädels ziemlich nahe kommt und die man sich bestimmungsgemäß regelmäßig an den Kopf hält, für sicher gehalten werden kann.

Insgesamt war die Faktenlage zur Frage langfristiger Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder (HF EMF) zum damaligen Zeitpunkt äußerst dünn. Zu allen verschiedenen Anwendungen von Funkwellen bis zu Radar gab es damals nicht mehr als zwei Dutzend epidemiologische Untersuchungen, die überwiegend wegen verschiedener Mängel und oft kleiner Fallzahlen nicht aussagekräftig waren. Dennoch gaben diese Untersuchungen keinen Anlass zur Entwarnung, weil sie mit der Annahme eines erhöhten Risikos durchaus kompatibel waren, ohne dass aber ihre Resultate belastbar genug gewesen wären, um diese Annahme ausreichend zu stützen.

Inzwischen sind zahlreiche Teilstudien der Interphone Gruppe veröffentlicht worden und die Gesamtergebnisse sind längst überfällig. Ich möchte nicht in die Spekulation einsteigen, was die Gründe für diesen Verzug sind. Ich möchte hier nur darauf hinweisen, dass der Enthusiasmus, mit dem diese Studie begrüßt wurde, von Anfang an unberechtigt war. Eine nüchterne Betrachtung hat mich schon damals veranlasst, die hohen Erwartungen in die Aussagekraft der Interphone Studie zu dämpfen. Das heißt nicht, dass ich gegen diese Studie bin oder war. Aber es muss gesagt werden, dass praktisch alle bisherigen Veröffentlichungen der Gruppe zeigen, dass den Autoren überhaupt nicht klar ist, was sie eigentlich untersucht haben, was für Hypothesen geprüft und welche Aussagen getroffen werden können.

Hirntumore oder andere Tumore im Kopfbereich wie Speicheldrüsenkrebs entstehen nicht von heute auf morgen....(mehr siehe PDF unter Downloads)

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Artikel veröffentlicht:
21.05.2008
Autor:
Prof. Dr. Michael Kundi | Veröffentlicht auf diagnose:funk mit freundlicher Genehmigung durch EMF-Monitor (Ausgabe 2/2008) und Prof. Dr. Kundi

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