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REFLEX bestätigt - Grenzwertanpassung gefordert

Prof. Franz Adlkofer in Stavanger (Norwegen)
Vortrag zu "Genotoxischen Wirkungen" am 17. November 2009.

Nachweis von genotoxischen Wirkungen in isolierten Säugerzellen nach elektromagnetischer Feldexposition

EINFÜHRUNG

Seit Jahren sind wir mit der Irrationalität der für elektromagnetische Felder (EMF) geltenden Grenzwerte konfrontiert. Obwohl es längst offensichtlich ist, dass diese Werte den natürlichen Lebensbedingungen angepasst werden müssen, sind die Bestrebungen, dieses zu erreichen, bisher nicht sehr erfolgreich verlaufen. Ich begrüße es deshalb sehr, dass bei diesem Treffen hier in Stavanger ein neuer Versuch gemacht werden soll, diese unglückliche Situation zu ändern. Mein Beitrag handelt von Ergebnissen der Grundlagenforschung. Da epidemiologische Befunde immer noch mit großer Unsicherheit behaftet sind, bietet die Grundlagenforschung im Moment die einzige verlässliche Möglichkeit herauszufinden, ob elektromagnetische Felder eine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen können.

Alexander Lerchl, Vorsitzender des Ausschusses für Nichtionisierende Strahlung bei der Strahlenschutzkommission (SSK) im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und Professor an der Jacobs-Universität in Bremen, hat dies offensichtlich ebenfalls erkannt. Lerchl ist, wie so viele Wissenschaftler in diesem Forschungsgebiet, jedoch fest davon überzeugt, dass neben den thermischen Wirkungen der EMF keine weiteren Wirkungen mit biologischer Relevanz existieren und dass die Menschen mit den geltenden Grenzwerten ausreichend vor thermischen Wirkungen geschützt sind. In seinem Buch über Datenfabrikation in der Mobilfunkforschung, in dem er seinen Standpunkt verteidigt, schreibt er:

„Die Ergebnisse von Diem et al.2 waren in der Tat Besorgnis erregend. Sollten sie sich bestätigen, wäre dies nicht bloß ein Alarmsignal, sondern der Anfang vom Ende des Mobilfunks, da DNA-Schäden die erste Stufe zur Krebsentstehung sind.“ Der in der Diem et al.-Arbeit erbrachte Nachweis von DNA-Schäden durch EMF, durch die Zellen veranlasst werden, unkontrolliert zu wachsen, weil der Stoffwechsel an entscheidenden Stellen fehlgeleitet und die natürliche Blockade der Zellteilung aufgehoben wird, hätte nach Meinung von Lerchl ernsthafte wirtschaftliche Konsequenzen zur Folge – und dies muss unbedingt verhindert werden, wofür ihm jedes Mittel recht zu sein scheint.

Dass es keinen Zweifel mehr daran geben kann, dass Lerchls Annahme der biologischen Wirkungslosigkeit von EMF, die mit ihm von der Industrie und weitgehend auch von der Politik geteilt wird, dem gegenwärtigen Stand der Erkenntnisse widerspricht, möchte ich im Folgenden aufzeigen.

WISSENSCHAFTLICHER ANSATZ
(...)

REFLEX: ELF-EMF
(...)

WIENER ERGÄNZUNGSTUDIE: UMTS
(...)

REFLEX: RF-EMF
(...)

ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE

Die Ergebnisse der REFLEX-Studie widersprechen unserer Ausgangshypothese von der Nullwirkung von EMF ganz entschieden. Niederfrequente und hochfrequente EMF weit unterhalb der Grenzwerte verändern Struktur und Funktion von Genen in verschiedenen tierischen und menschlichen Zellen. Im Detail sahen wir

- einen Anstieg der DNA-Strangbrüche in menschlichen Fibroblasten, HL60-Zellen und Granulosazellen von Ratten, aber nicht in menschlichen Lymphozyten,

- eine Zunahme der Mikrokerne und Chromosomenaberrationen in menschlichen Fibroblasten,

- Veränderungen in der Gen- und Proteinexpression verschiedener Zelltypen, insbesondere in menschlichen Fibroblasten, menschlichen Endothelzellen und embryonalen Stammzellen von Mäusen.

Unsere Ergebnisse, die Alexander Lerchl als fabriziert bezeichnet hat, weil sie mit seinen Vorstellungen nicht in Einklang zu bringen sind, wurden kürzlich von anderen unabhängigen Forschungslabors bestätigt:

1. Eine Forschergruppe aus Bologna, Italien, publizierte gerade einen Artikel in Mutation Research4, in dem sie feststellen, dass amplituden-modulierte GSM-Signale bei einer SAR von 2 W/kg die DNA-Strangbruchrate in menschlichen Trophoblasten nach einer 16- und 24-stündiger Exposition deutlich erhöhten. Sie kommen zu dem Schluss, dass hochfrequente EMF mit einer Trägerfrequenz und einer Modulation typisch für das GSM-Signal Auswirkungen auf die Unversehrtheit der DNA haben können. Das ist genau das, was wir in unseren Studien gefunden haben.

2. Eine Forschergruppe aus China publizierte gerade einen Artikel in Brain Research5, den ich persönlich für den wichtigsten in diesem Forschungsgebiet halte. Sie setzten Nervenzellen der Hirnrinde aus Primärkulturen für 24 Stunden einer Strahlung ähnlich dem GSM-Signal mit einer SAR von 2 W/kg aus und beobachteten einen deutlichen Anstieg von Sauerstoffradikalen (ROS) und zusätzlich von 8-OHdG-DNA-Addukten (Biomarker für oxidativen Stress) in den Mitochondrien der Neuronen.

Einige weitere Publikationen dieser Art sind in Vorbereitung. Somit ist kein Zweifel mehr gerechtfertigt, dass ELF-EMF ebenso wie GSM- und UMTS-Signale unter in-vitro Bedingungen eine genotoxische Wirkung auf menschliche Zellen ausüben. Ob sie das auch unter in-vivo Bedingungen tun, ist momentan eine Frage höchster Priorität.

WIRKMECHANISMUS

Weitere wichtige Forschungsergebnisse stammen aus dem Labor von Rony Seger am Weizmann Institute of Science in Israel. Seine Erkenntnisse helfen besser zu verstehen, wie RF-EMF ihre biologische Wirkung entfalten:

Alle diese zellulären Ereignisse entscheiden über Leben und Tod oder Gesundheit und Krankheit der Zellen und damit auch im gesamten Organismus.

EMF - GEFAHR FÜR UNSERE GESUNDHEIT?

Keiner der Forschungsansätze, d. h. Grundlagenforschung, Tierversuche und epidemiologische Studien, ist momentan in der Lage, den Nachweis einer Gesundheitsgefährdung durch EMF mit ausreichender Sicherheit zu erbringen. Da sich die Ergebnisse dieser drei Ansätze jedoch ergänzen, sprechen sie zusammengenommen mehr dafür als dagegen, dass von nieder- und hochfrequenten EMF eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen ausgehen könnte. Warum?

Genotoxische Veränderungen stellen die entscheidenden molekularen Ereignisse dar, die der Krebsentstehung zugrunde liegen. Solche Veränderungen können sowohl von niederfrequenten EMF als auch von der Mobilfunkstrahlung verursacht werden. Ein Zusammenhang zwischen niederfrequenten EMF und der Leukämie bei Kindern und zwischen der Langzeitnutzung des Mobiltelefons und dem Anstieg der Hirntumorrate wird in mehreren epidemiologischen Studien beobachtet. Lennart Hardell von der Universität Örebro in Schweden hat kürzlich berichtet, dass bei langzeitigen Mobiltelefonnutzern unter 25 Jahren das Hirntumorrisiko mehr als fünffach erhöht ist, und zwar auf der Seite des Kopfes, auf der sie telefonierten. Dass es sich bei diesen in epidemiologischen Studien festgestellten Zusammenhängen um kausale handeln könnte, dafür sprechen die vorliegenden Daten aus der Grundlagenforschung.

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Die vorhandenen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zeigen eindeutig, dass die für die Entstehung von Krankheiten relevanten biologischen Wirkungen von EMF unterhalb der geltenden Grenzwerte athermischer Natur sind. Da diese Grenzwerte aber auf der Annahme basieren, dass es athermische biologische Wirkungen überhaupt nicht gibt, ist die einzig mögliche Schlussfolgerung, dass die heutigen Grenzwerte ungültig sind und die Gesundheit des Menschen nicht schützen. Die Reduzierung der Grenzwerte um einen Faktor von bis zu einem Zehntausendstel kann ein erster und leicht zu erreichender Schritt sein, die Intensität der Strahlung den Bedingungen lebender Organismen anzupassen. Langfristig ist es erforderlich, dass eine neue Generation von Grenzwerten weg von den ausschließlich thermischen Wirkungen hin zu biologischen Wirkungen von EMF geschaffen wird. Dies kann jedoch nur in unabhängiger Forschung geschehen. Die Entwarnungssignale der Industrie und ihrer wissenschaftlichen Berater, die eine mögliche Gesundheitsgefährdung von Personen, die EMF unterhalb der Grenzwerte ausgesetzt sind, bestreiten, haben keine wissenschaftliche Grundlage. Deshalb sind weltweit die nationalen Regierungen, die für den Gesundheitsschutz ihrer Bürgen verantwortlich sind, schlecht beraten, wenn sie die geltenden Grenzwerte weiterhin anerkennen und damit die Entwarnungssignale der Industrie bestätigen.

Artikel veröffentlicht:
08.01.2010
Autor:
Prof. Franz Adlkofer. Veröffentlicht auf diagnose:funk mit Erlaubnis des Autors.
Quelle:
www.stiftung-pandora.eu

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