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Hirntumor-Risiko für Mobiltelefon-Nutzer

Fall-Kontroll-Studie
Ein internationales Team von Wissenschaftlern fand neue Hinweise dafür, dass eine langfristige Nutzung von Mobiltelefonen zu einem Gehirntumor führen kann.

In einer Studie, die in der Fachzeitschrift International Journal of Cancer erscheinen wird, fanden Epidemiologen aus 5 nord-europäischen Ländern einen 40%-igen Anstieg von Gliomen bei Personen, welche ein Mobiltelefon für 10 oder mehr als 10 Jahre nutzten. Der Anstieg war statistisch signifikant und wurde auf der Seite beobachtet, auf der das Mobiltelefon gehalten wurde.


Zudem wurde beobachtet, dass das Risiko mit zunehmender kumulierter Gesprächsdauer anstieg, woraus sich eine sogenannte „Dosis-Reaktions-Beziehung“ ergab.

Gliome sind mit ca. 50% der häufigste maligne Gehirntumor mit einer durchschnittlichen Überlebensrate des Patienten von nur einem Jahr.

Zusammenfassung

Studiendesign:

Die Studie ist vom Typ einer „Fall-Kontroll-Studie“: Es wurden 1'522 Patienten, welche unter einem Gliom leiden (oder nahe stehende Personen verstorbener Patienten), über ihren Handykonsum und mögliche weitere Risikofaktoren befragt. Zum Vergleich wurde die Mobiltelefon-Nutzung von 3'301 gesunden Personen abgefragt (sog. „Kontrollen“).

Resultate:

Das Risiko („Odds Ratio“ = Häufigkeitsrate) für ein Gliom stieg pro 100 Stunden kumulierter Gesprächsdauer um den Faktor 1.006 an. Dieser Trend konnte jedoch bei einer Einteilung nach Nutzungsjahren oder Anzahl Anrufe nicht mehr erkannt werden.

In der Kategorie der Patienten („Fälle“) mit 10 oder mehr als 10 Jahren Nutzungsdauer konnte ein 40% höheres Risiko (OR 1.39, 95% Confidence Intervall 1.01 – 1.92, p=0.04) für Gliome welche auf der gleichen Seite auftraten, auf der auch das Mobiltelefon gehalten wurde.

Untersuchte man Nutzer analoger und digitaler Mobiltelefone separat, wurde kein Risiko mehr gefunden (wahrscheinlich, weil das Risiko dann aufgrund der kleineren Untergruppe statistisch nicht mehr signifikant ist, Kommentar s.u.).

Auch für alle weiteren Kategorien wurde kein (statistisch signifikantes) Risiko gefunden.

Schlussfolgerung der Forscher:

Obwohl die Studie im Durchschnitt kein erhöhtes Risiko für Gliome durch Handynutzung fand, verlangt das bei Langzeit-Nutzern gefundene Risiko nach weiterer Abklärung.

Kommentar diagnose-funk:

Die Studie wurde im Rahmen des europäischen Interphone-Projektes durchgeführt.

Die Zunahme der Gliom-Fälle nach 10 Jahren Nutzung auf der Seite, auf der das Telefon gehalten wurde, stimmt bedenklich, weil man beachten muss, dass die Latenzzeit beim Tabakrauchen und anderen Karzinogenen meist bei etwa 20 Jahren liegt.

Doch bereits in früheren Studien haben die Forscher des Interphone Programmes ihre Ergebnisse durch geeignete Formulierungen jeweils stark abgeschwächt. In allen Interphone-Studien hatten Sie zudem das Risiko dadurch verwässert, dass man eine Person, die ein einziges Handy-Telefonat pro Woche führt, bereits in die Kategorie der „Nutzer“ einordnet. Zum Vergleich: Würden Sie jemanden, der einmal pro Woche eine Zigarette raucht, als „Raucher“ einstufen? Ob diese Einteilung auch hier gemacht wurde, kann in der Online-Ausgabe noch nicht eingesehen werden.

„No increased risk“ bedeutet in solchen Kreisen meist, dass kein statistisch signifikantes Risiko gefunden wurde.


Voller Studientitel:

Lahkola, A., Auvinen, A., Raitanen, J., Schoemaker, M.J., Christensen, H.C., Feychting, M., Johansen, C., Klæboe, L., Lönn, S., Swerdlow, A.J., Tynes, T., Salminen, T.: Mobile phone use and risk of glioma in 5 North European countries; International Journal of Cancer; Early View (Articles online in advance of print); Published Online: 17 Jan 2007
 

 

Artikel veröffentlicht:
23.01.2007
Autor:
diagnose:funk
Quelle:
International Journal of Cancer, 15.04.2007, Abstract

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