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Fehlgeburten im Stall wegen MF-Antennen

Betroffenenberichte Sturzenegger und Inauen
Der Ausbau mit immer mehr Mobilfunkantennen macht Tieren und Bauern zu schaffen. Charlotte Jakob berichtet darüber in 'Tier & Konsum' 2/2007.

Siehe Anmerkung von diagnose:funk am Ende des Artikels!

Der Ausbau mit immer mehr Mobilfunkantennen macht Tieren und Bauern zu schaffen. Der  Bauern Sturzenegger aus dem zürcherischen Reutlingen und Bauer Inauen aus dem thurgauischen Bürglen sind davon direkt betroffen.

Wegen der Mobilfunk-Strahlung hat sich der Gesundheitszustand der Kühe stark verschlechtert. Bis im Herbst 2001 hatte der Bauer Franz Inauen keine wesentlichen Probleme mit seinen Tieren. Dann wurden 200m hinter dem Stall durch die Firmen Orange und Sunrise sechs Natel-Antennen auf einem Starkstrommast montiert. Von da an hat sich der Gesundheitszustand seiner Kühe sowie der Kühe des Nachbarn verschlechtert. Es traten zunehmend Fehlgeburten auf. Während die durchschnittliche Abortrate ca. 2-5% beträgt, hatte Inauens Betrieb im Jahr 2004 40% Aborte zu verzeichnen. Im Weiteren lösten sich die Nachgeburten in den meisten Fällen nicht mehr von alleine ab. Auch Gelenkentzündungen traten häufi ger auf. Was Inauen früher mit Einreiben heilen konnte, besserte nun trotz viel Aufwand nur sehr langsam. Meistens gelang eine Heilung nur dank dem Beizug eines Tierarztes, was wiederum mit Kosten verbunden war. Seit 2001 mussten die beiden Bauernbetriebe einen Verlust von mindestens 30‘000.- Franken hinnehmen (32 tote Kälber, 6 tote Kühe). Nicht nur die Tiere leiden, auch die Familienmitglieder kämpfen vermehrt mit Gelenkschäden.

Als Folge der nahen Mobilfunkantennen leiden die Tiere vermehrt an Infektionen.

1/3 der Kälber krank geboren

Bauer Hans Sturzenegger kämpfte siebenJahre gegen die 15m hohe Antenne, die auf seinem Pachtland 1999 aufgestellt wurde. 42 Kälber wurden in dieser Zeit mit grauem Star geboren, eines hatte gar nur ein Auge. Hinweise auf Erbkrankheiten oder die berüchtigte Bovine Virusdiarrhöe wurden nicht gefunden. Nur noch ein Drittel (Anmerkung s. u.) der Kälber wurde nach der Inbetriebnahme der Mobilfunkantenne gesund geboren. Blutungen, Husten, Durchfall, Abszesse, Gelenkbeschwerden und defekte Immunsysteme machten den Kühen zu schaffen. Zudem musste Sturzenegger vier Totgeburten und drei Notschlachtungen verkraften. Diese Probleme traten bei einer Strahlung von 0,6 Volt/m auf der Weide und 0,05 Volt/m im Stall auf, also weit unter dem erlaubten Anlagegrenzwert von 6 Volt/m. Turmfalke und Schleiereule verliessen ihre Nistplätze bei max. 0,63 Volt/m. Bei Hans Sturzenegger selber wurden Blutbildveränderungen festgestellt. Seit Juni 2006 kann Bauer Sturzenegger wieder aufatmen. Nach jahrelangem Seilziehen brach Mobilfunkbetreiber Orange die umstrittene Anlage trotz laufendem Vertrag ab.

Bundesrat sieht keine Gefährdung

Trotz solcher Vorkommnisse sieht der Bundesrat in seinem am 16. März 2007 verabschiedeten Bericht zum Risikopotential von drahtlosen Netzwerken keinen Handlungsbedarf und keine Gesundheitsgefährdung durch diese Technologie.

Der Verein «Mobilfunk mit Mass in Erlenbach » (www.mobilfunk-erlenbach.ch) empfiehlt allen in der Landwirtschaft Tätigen, aber auch allen anderen Personen, die amtlichen Anzeigen in den Gemeinden wöchentlich zu studieren. Denn da werden die Mobilfunkantennen ausgeschrieben. Nach der Ausschreibung bleiben nur 20 Tage, um zu handeln. Je nach Kanton muss man eine Einsprache machen oder den Baurechtsentscheid
verlangen. Nur so kann man sich gegen eine geplante Antenne wehren. Lässt man diese Zeit ungenutzt verstreichen, bleiben kaum mehr Möglichkeiten, den Antennenausbau abzuwenden. Nicht jeder hat so viel Durchhaltewillen wie Bauer Sturzenegger. Und: Es sollte von Anfang an vermieden werden, dass so viel Leid von Mensch und Tier ertragen werden muss.

Anmerkung zum Originalartikel

Durch ein redaktionelles Versehen wurde ein direkter Kausalzusammenhang (Titel und Bildunterschriften) in den Vordergrund gestellt. Korrekterweise kann „nur“ eine zeitliche Koinzidenz festgestellt werden.

Unter dem Titel: „1/3 der Kälber krank geboren“, im Text steht: „Nur noch 1/3 der Kälber……“ Es sollte logischerweise "2/3 der Kälber....." stehen.

Nebenstehend finden Sie den Link, um den Originalartikel als PDF herunterzuladen!

 

Artikel veröffentlicht:
01.02.2007
Autor:
Charlotte Jakob, Vorstandsmitglied des Vereins «Mobilfunk mit Mass in Erlenbach» und kagfreiland-Mitglied
Quelle:
Tier & Konsum 2/2007 Veröffentlicht auf diagnose:funk mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

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