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Quälender Brummton raubt den Schlaf

Betroffenenbericht Dr. Klaus Kölkenbeck
Das städtische Umweltamt bemüht sich sehr um den Fall. "Uns wurden in der Vergangenheit schon öfter Brummtöne gemeldet, erstmals im Jahr 1994".

Ingolstadt (smr) Es sei wie in einer Schiffskabine, wo man das ferne Brummen der Dieselmotoren höre. Klaus Kölkenbeck nimmt ständig dieses Geräusch wahr, eintönig und zermürbend, seine Frau hingegen nicht. Im Haus auf der gegenüber liegenden Straßenseite wohnt ein Arztehepaar, da verhält es sich genau umgekehrt.

Der Friedrichshofener hat schon alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt, um diesem rätselhaften akustischen Phänomen auf die Spur zu kommen, das ihn nun schon seit ungefähr zwei Jahren quält. Sogar zwei große Heizkraftwerke in der Nähe wurden probeweise abgeschaltet – doch es brummte weiter.
Kölkenbeck, der früher als Chemiker tätig war, muss mittlerweile jede Nacht Schlafmittel nehmen, um überhaupt etwas zur Ruhe zu kommen. Manchmal kann er trotzdem nicht schlafen, dann leidet er tagsüber unter Konzentrationsschwäche. Vor allem aber nimmt den eher nüchtern denkenden Mann mit, dass er für einen Sonderling gehalten werden könne.

Das ist jedoch nicht der Fall – im Gegenteil: Klaus Kölkenbeck ist mit seinem Anliegen – die seriöse Erforschung dieses Phänomens – sehr ernst genommen worden. An der Münchner Universitätsklinik wurde zunächst untersucht, ob möglicherweise ein Tieftontinnitus Ursache für das Geräusch ist, das der Friedrichshofener nur daheim wahrnimmt, aber beispielsweise nicht in der Wohnung seiner Tochter in München oder wenn er woanders Urlaub macht. Doch die Ärzte konnten nichts feststellen, außer, dass Kölkenbeck ein besonders gutes Gehör hat.

Erste Meldungen 1994

Das städtische Umweltamt bemüht sich ebenfalls sehr um den Fall. "Uns wurden in der Vergangenheit schon öfter Brummtöne gemeldet, erstmals im Jahr 1994", berichtet Burkhard Förster. In Friedrichshofen laufen die Untersuchungen seit dem Frühjahr. Bei einer Messung im Februar mit einem Frequenzfilter gab es bei 25 Hertz einen Ausschlag, der bei einer Lautstärke von 37 Dezibel lag. "So ein Ton wird als nicht hörbar betrachtet", so der städtische Mitarbeiter. Tieffrequente Töne müssten sehr laut sein, um von Menschen wahrgenommen werden zu können.
Auf der Suche nach der Quelle des Brummtons wurde erst das Heizhaus des nahe gelegenen Klinikums kurzfristig außer Betrieb genommen, später dann auch das Blockheizkraftwerk am Audi-Kreisel. Doch Kölkenbeck hörte das Brummen weiter. Nun soll es Abschaltversuche von mehreren Nahwärmeanlagen geben, die Wohnblocks in der Umgebung versorgen.

Klaus Kölkenbeck knüpft alle Hoffnungen an diese Aktionen. "Gewisse Umstände weisen aber auch darauf hin, dass dieser Brummton vielleicht mit Handysendern zu tun hat", vermutet er nach Recherchen im Internet. Im weltweiten Netz wimmelt es von Einträgen zu diesem Phänomen, für das es bisher keine zweifelsfreie Erklärung gibt. Über das Auftreten eines Brummtons wurde erstmals im Jahr 1989 in der Stadt Taos in New Mexiko berichtet, wo zwei Prozent der damals 1440 Bewohner das Geräusch hörten. Es wurde dort mit beachtlichem Aufwand wissenschaftlich untersucht, jedoch ohne Erfolg.

Kontaktaufnahme erwünscht

Mittlerweile gibt es eine Interessengemeinschaft zur Aufklärung des Brummtons (IGZAB), die auch im Ausland tätig ist. In der Landeshauptstadt setzt sich, wie berichtet, die Initiative "Brummfreies München" für sofortige Abhilfe ein. Klaus Kölkenbeck will sich nun in Ingolstadt mit weiteren Betroffenen in Verbindung setzen. Man kann ihn unter der Telefonnummer (08 41) 3 70 96 95 erreichen

Artikel veröffentlicht:
11.05.2006
Quelle:
Donaukurier, 03.05.2006

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