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Genf: Erhöhte Brustkrebszahlen bei jungen Frauen

„Wie überall auf der Welt“
Das Genfer Krebsregister hat die offiziellen Zahlen für das Jahr 2004 veröffentlicht. Über die plötzliche Diagnosen-Explosion wird gerätselt. Bei 25 bis 39-jährigen haben sich die Fälle im Vergleich zu früheren Jahren verdoppelt.

Im Jahr 2004 hat sich gemäss dem Genfer Krebsregister die Zahl der neuen Brustkrebsfälle bei den 25 bis 39 jährigen im Vergleich zu den früheren Jahren verdoppelt. Diese aktuellsten Zahlen decken sich mit den Feststellungen der meisten praktischen Ärzte der Schweiz und Europas.

Schon seit einiger Zeit haben die praktizierenden Ärzte bemerkt, dass Brustkrebs bei immer jüngeren Frauen auftritt. Aber ihre Feststellung widerspiegelte sich noch nicht in den offiziellen Statistiken. Heute aber hat das Genfer Krebsregister die offiziellen Zahlen für das Jahr 2004 veröffentlicht: Brustkrebs hat sich bei Frauen unter 40 im Jahr 2004 gegenüber den früheren Jahren verdoppelt. Diese Zahlen sind zwar mit Vorsicht zu geniessen, decken sie doch nur den kleinen Kanton Genf ab, trotzdem passen sie in eine generelle, sich abzeichnende Tendenz. Eine Analyse der Genfer Krebszahlen 2004 wird nächstens veröffentlicht werden.

Die Studie basiert auf 3'608 Patienten, bei welchen zwischen 1995 und 2004 ein Brustkrebs entdeckt wurde. Bis 2002 hatte man bei Frauen zwischen 25 und 39 pro Jahr im Durchschnitt 13 neue Fälle. Im Jahr 2003 waren es schon 21 und 2004 waren es 29 neue Fälle.

„Im Jahr 2002 gab es eine massive Trendwende nach oben und wir wissen im Moment nicht warum“, erklärt Christine Bouchardy vom Genfer Krebsregister, welche die Studie begleitet hat.

„Wir haben zuerst gedacht, die Zahlen seien auf bestimmte statistische Einflüsse, wie Einwanderung zurückzuführen, was aber nicht der Fall war. Es ist auch nicht auf eine bessere Früherkennung zurückzuführen, weil diese Altersschicht nicht in die Früherkennungsprogramme einbezogen ist, mit Ausnahme von Frauen mit einem erhöhten Risiko. Wir sind deshalb zum Schluss gekommen, dass die Erhöhung der Brustkrebsfälle bei den jungen Frauen tatsächlich real ist. Nach Ostern soll eine Umfrage bei den betroffenen Frauen lanciert werden, um herauszufinden, ob sie irgendwelchen kanzerogenen Substanzen ausgesetzt waren oder ob gewisse Verhaltensweisen oder Lebensgewohnheiten potenziell gefährlich sind. Wir haben einen sehr detaillierten Fragebogen vorbereitet.“

Genf ist der erste Kanton, der seine Zahlen bekannt gibt, aber auch in Lausanne bestätigt Jean-François Delaloye, stellvertretender Arzt der Gynäkologie- und Geburtshilfe-Abteilung des CHUV bestätigt: „Die Genfer-Zahlen sind sehr interessant, sie drücken unsere lokale Realität aus. In Lausanne beobachte ich denselben Sachverhalt. Wir haben immer mehr junge Frauen zwischen 28 und 32 mit Brustkrebs. Das ist keine weltfremde Ansicht! Meine europäischen Kollegen machen dieselben Feststellungen, auch wenn diese ebenfalls noch nicht statistisch abgesichert sind (die letzten offiziellen Zahlen stammen aus dem Jahr 1997). Ich bin überzeugt, dass wir aufwachen müssen und andere Wege zur Krebsdiagnose finden müssen.“

In Frankreich haben die Spezialisten ebenfalls Alarm geschlagen. Serge Uzan, Brustkrebsspezialist im Spital Tenon in Paris hat die offiziellen französischen Zahlen verlangt, doch sind diese noch nicht vorhanden. „Wie überall auf der Welt, haben auch wir erhöhte Brustkrebszahlen bei jungen Frauen, das ist indiskutabel“ kommentiert der Professor. „Wir machen diese Feststellung seit etwa zehn Jahren, aber wir haben nicht eine solch plötzliche Explosion wie in Genf“.

Während auf präzisere Zahlen gewartet wird, muss man sich auf die Erfahrungen der praktizierenden Ärzte verlassen. „Das belgische Krebsregister ist speziell langsam“, seufzt Jean-Marie Nogaret, Chef der Chirurgie beim Institut Jules-Bordet de Bruxelles.

Die letzten Zahlen stammen von 1998. Aber in den letzten zwanzig Jahren haben sich die Brustkrebsfälle verdoppelt. In unserem Spital haben wir viele Frauen, die familiär mit Brustkrebs belastet sind. Das relativiert unser Beobachtungen ein wenig. Jedoch haben wir festgestellt, dass diese genetisch bedingten Krebsfälle bei immer jüngeren Frauen vorkommen. In einer solch genetisch belasteten Familie wurde ein Krebs bei der 70 jährigen Grosmutter diagnostiziert, mit 50 bei der Mutter und mit 30 bei der Tochter. Eine Feststellung, die man in Bezug setzen kann zur Feststellung, dass der Brustkrebs bei immer jüngeren Frauen auftritt.“

Auf was ist diese Entwicklung zurückzuführen? Für Jean-Marie Nogaret gibt es verschiedene Ursachen. Er unterstreicht die Wichtigkeit der hormonellen Veränderungen. „Die Frauen haben ihre erste Regel immer früher, die heutigen jungen Mädchen haben mit ca. 10 Jahren ihre erste Regel, die Geburt des ersten Kindes hingegen findet immer später statt, heute im Durchschnitt mit 28 Jahren.
Des Weiteren stillen Frauen nicht mehr und haben nur noch wenige Kinder. Die Frauen sind deshalb während einer viel längeren Zeit den hormonellen Schwankungen unterworfen.“

Aber es bleibt sehr schwierig zu sagen, worauf die Erhöhung der Krebsfälle zurückzuführen ist. Man muss viele Bereiche erforschen, wie die Ernährung, den Gebrauch von Medikamenten, die verwendeten kosmetischen Produkte, ohne die Entstehungsperiode zu vergessen.
 

Kommentar von Diagnose-Funk

Nach Aussagen der Schweizer Behörden erkrankten bereits vor dem Mobilfunkzeitalter 8 bis 9 Prozent der Frauen an Brustkrebs, d.h. fast jede zehnte. Wenn es um die Ursachen geht, erstaunt immer wieder, wie fantasielos die „Experten“ sind – alles wird in Betracht gezogen: Einwanderungen, Hormone, Medikamente, Ernährung, Kosmetik…. nur der Einfluss elektromagnetischer Felder wird ignoriert, obwohl es sowohl Studien als auch Fallbeispiele (z. Bsp. beobachtete Krebshäufungen um Sendeanlagen) zu diesem Thema gibt. Im ca. 400 m Umkreis um eine Mobilfunkantenne stieg das Risiko für Krebserkrankungen relativ schnell auf das drei- bis vierfache (Naila-Studie, Netanya-Studie). Auch die Angabe, dass die Raten seit etwa zehn Jahren ansteigen, weist auf die steigende Strahlenbelastung durch den Mobilfunk hin. Besonders in Städten wie Genf ist die Antennendichte heutzutage exorbitant hoch.

Bemerkenswert auch, dass man auf den Webseiten der nationalen Krebsorganisationen wie z.B. Oncosuisse nie eine Darstellung des zeitlichen Verlaufs der Krebsraten findet. Anfragen von diagnose-funk beim nationalen Krebsregister in Lausanne sind seit 2 Jahren hängig und werden nicht beantwortet. Hat man hier alles unter Kontrolle? In diesem Kontext eine zweideutige Frage…

Artikel veröffentlicht:
06.04.2007
Autor:
Übersetzung von Markus Lauener | Dachverband Elektrosmog Schweiz und Liechtenstein
Quelle:
Le Temps, 27. März 2007

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