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Selbstmordfälle in Verbindung mit Mobilfunk

Beratungskomitee der brit. Regierung hat Indizien
Die Todesserie unter jungen Leuten in Grossbritanniens Selbstmord-Hauptstadt könnte einen Zusammenhang mit den Funkwellen von Dutzenden von Mobilfunksendern in der Nähe von Häusern der Opfer haben.

Dr. Roger Coghill, der in einem Beratungskomitee der Regierung für Mobilfunkstrahlung sitzt, hat entdeckt, dass alle 22 Jugendlichen, die während der vergangenen 18 Monate in Bridgend, South Wales, Selbstmord begingen, viel näher als der Durchschnitt an einem Mast lebten.

Er überprüfte Studien aus aller Welt, die einen Zusammenhang zwischen Antennen in der Umgebung und Depression aufweisen. Die Arbeit Dr. Coghills wird voraussichtlich Alarm auslösen und zu einer näheren Untersuchung über die Sicherheit von Antennen führen, die häufig auf öffentlichen Gebäuden, wie Schulen und Spitälern, installiert sind. Sie wird wahrscheinlich auch zu mehr Kampagnen gegen die Errichtung von Masten in der Nähe von öffentlichen Plätzen mit gesundheitlichem Hintergrund führen.

Dr. Coghill sagte letzten Abend, dass es starke Indizien dafür gebe, dass die Masten Depressionen bei jenen, die sich in Bridgend das Leben genommen hatten, ausgelöst hätten.

Darunter befindet sich Kelly Stephenson, 20, die sich im Februar dieses Jahres an der Duschstange erhängt hatte während sie in Folkstone, Kent, in den Ferien war.

Dr. Coghill sagte: „ Es gibt eine ganze Anzahl von Studien, die über Jahre hinweg auf die Tatsache hinwiesen, dass die Exposition durch Mobilfunkstrahlung zu Depressionen führen kann. Es gibt Hinweise für höhere Selbstmordraten an Orten, wo Menschen in der Nähe von elektrischen Anlagen leben, die Funkwellen oder elektrischen Wellen aussenden.“

Es gibt mittlerweile 70 Millionen Mobiltelefone in Grossbritannien und ca. 50 000 Antennen. Beide emittieren Funksignale und elektromagnetische Felder, die ins Hirn eindringen, und seit vielen Jahren vermuten Aktivisten, dass diese ernsthafte Schäden an der Gesundheit der Menschen bewirken können.

Der nationale Durchschnitt für die Entfernung von einer Mobilfunkantenne variiert je nach dem Typ der Installation. Die neuesten Antennen sind stärker, sodass sie komplexere Daten, wie Fotos und Videos zum Herunterladen auf Internet-Telefone übertragen können.

Die Antennen sind landesweit in einer durchschnittlichen Entfernung von 800 Metern von Häusern errichtet. In Bridgend wohnten die Opfer im Durchschnitt in einer Entfernung von nur 356 Metern.

Die nationale durchschnittliche Entfernung von einem der neuen starken Antennenmasten beträgt einen Kilometer, während es in Bridgend nur 540 Meter sind. Drei Sender standen innerhalb von 200 Metern, 13 innerhalb 400 Metern und nicht weniger als 22 innerhalb von 500 Metern von den Häusern der Opfer entfernt. Carwyn Jones, 28, der sich letzte Woche erhängte, war der dritte junge Mensch in seiner Strasse, der Selbstmord verübte.

Forschungen zeigen, dass die Hirne von jungen Leuten empfindlicher auf Funkwellenenergie sind. Erst vor 2 Wochen hat ein Bericht aufgezeigt, dass Mobiltelefone eine Auswirkung auf die Schlafmuster haben.

Dr. Coghill fügte hinzu: „ Wie es scheint, hat die elektrische Energie eine Auswirkung auf die Chemie des Hirns, indem der Serotoninpegel gesenkt wird. Wir wissen, dass bei einer Depression die Serotoninspiegel tief sind und dass eine Standardbehandlung von Depressionen darin besteht, Medikamente zu verabreichen, um den Serotoninspiegel zu heben. Wenn diese zu wirken beginnen, geht die Depression des Patienten weg.“
Er sagte, dringende Forschung sei nötig, weil Grossbritannien nun mit Tausenden von Antennenmasten bestückt ist, von denen viele nahe bei Wohnungen, Schulen und Büros stehen.

Seit 5. Januar 2007 hat es 22 Todesfälle von jungen Leuten in der Gegend von Bridgend gegeben. Viele vermuten, dass die Selbstmorde in einem Zusammenhang miteinander stehen, aber bis jetzt ist es den Experten nicht gelungen, eine gemeinsame Ursache zu finden.

Thomas Davies, 20 erhängte sich im Februar 2007. Sein Bruder Nathan, 19, begrüsste in der vergangenen Nacht Dr. Coghills Forschung. „Was unsere Familie betrifft, kann nichts Tom wieder zurückbringen“, sagte er. „Aber falls ein Zusammenhang gefunden werden sollte und etwas unternommen werden kann, könnte dies weiteren Selbstmorden vorbeugen.“

Aber Mike Dolan, Geschäftsführer der Mobile Operators Asscociation (Anmerkung: der Interessenverband der britischen Mobilfunkindustrie), hat die Forschung von Dr. Coghill abgetan. „Dies ist ein taktloses, ungeheuerliches Stück von Spekulation, das keine Grundlagen in der etablierten Wissenschaft besitzt“, sagte er.

Die britische Health Protection Agency (Anmerkung: oberste Gesundheitsschutzbehörde) besteht darauf, dass Mobilfunkantennen - sogar die modernen und starken – gut innerhalb der international Sicherheitswerte liegen. „Es gibt keinen Beweis, dass Masten Schäden bewirken. Die Pegel der Funkwellen sind sehr niedrig.“

Nebenstehend finden Sie den Originalartikel. Die Übersetzung von diagnose:funk ist als PDF zum Download verfügbar! 

Artikel veröffentlicht:
26.06.2008
Autor:
Lucy Johnston | Sunday Express, deutsche Übersetzung Evi Gaigg | diagnose:funk
Quelle:
Sunday Express, 22.6.2008

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