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WLAN: Computer strahlend vernetzt

Funknetzwerke strahlen teils erheblich
Für die Behörden ist die Strahlenbelastung durch WLAN kein Problem, doch K-Tipp-Messungen zeigen: Sie kann erstaunlich hoch sein.

Die elektromagnetische Strahlung von drahtlosen Netzwerken (WLAN) ist für das Bundesamt für Gesundheit (BAG) kein Grund zu handeln. Fazit des neusten BAG-Berichts: Es gebe keinen Regelungsbedarf, «weder was die steigende Anzahl an Hotspots anbelangt noch hinsichtlich der Strahlung oder der Gesundheitsrisiken».

Das BAG stellt sich – nicht zum ersten Mal – auf den Standpunkt, gesundheitliche Auswirkungen der elektromagnetischen Strahlung seien wissenschaftlich nicht bewiesen. Und das trotz zahlreicher internationaler Studien, die problematische Auswirkungen aufzeigen.
Das verharmlosende Fazit untermauert das BAG vor allem mit der Tatsache, dass die Strahlung von WLAN den internationalen Grenzwert deutlich unterschreite: «Im Abstand von 20 Zentimetern schöpft keines der Geräte mehr als 10 Prozent der Grenzwertempfehlung aus, bei einem Meter nicht einmal 2,5 Prozent.»
Kein Wunder: Das BAG beurteilt die WLAN-Strahlung am internationalen Grenzwert von 61 Volt pro Meter (V/m). Er wird überall dort angewendet, wo nicht der strengere Anlagegrenzwert von 6 V/m gilt.

Access Points sind pausenlos in Aktion

Doch die Strahlung ist alles andere als harmlos. Für den K-Tipp hat der unabhängige Messingenieur Adrian Weitnauer aus Näfels GL die Strahlung handelsüblicher Sende-/ Empfangsanlagen gemessen. Weitnauer kommt zum Schluss: Die Sende-/Empfangsanlagen sowie die drahtlos vernetzten Laptops und Computer strahlen teils erheblich. Sogenannte Access Points stehen in ständigem Funkkontakt mit Laptops/Computern, in denen eine WLAN-Karte steckt, die ebenfalls permanent sendet und empfängt.
Dies weiss auch das BAG. Denn die von der Behörde tatsächlich gemessenen Werte – im offiziellen Bericht nirgends veröffentlicht, dem K-Tipp aber zur Verfügung gestellt – zeigen ein anderes Bild: Ein handelsüblicher Access Point strahlt im Abstand von einem halben Meter gemäss BAG noch mit knapp 1 V/m. Ein Wert, auf den elektrosensible Personen bereits mit Unwohlsein, Migräne oder Schlafstörungen reagieren.

K-Tipp-Messung: Andere Werte als BAG

Fast doppelt so stark strahlte der Access Point bei der K-Tipp-Messung: Im Abstand von 0,5 Metern eruierte Fachmann Weitnauer 2 V/m, bei 25 cm waren es bereits 5 V/m. Wer also den Access Point direkt neben dem Computer aufstellt, setzt sich einer Strahlung im Bereich des Grenzwertes aus.
Bei den WLAN-Karten, die je nach Gerätetyp extern am Laptop/Computer angeschlossen oder im Gehäuse integriert sind, liegen die Werte des BAG sogar über jenen der K-Tipp-Messungen.
In der K-Tipp-Messreihe strahlten Laptop bzw. Computer in einem Abstand von 10 cm zwischen 3 und 4 V/m. Der offizielle Wert des BAG betrug in dieser Distanz 10 V/m. In 0,5 Meter Abstand lag die WLAN-Strahlung der Computer noch immer bei knapp 1 V/m (K-Tipp- Messung) bzw. 2 V/m (BAG-Messung).
Für Messingenieur Adrian Weitnauer ist klar: «Für den täglichen Einsatz ist eine Kabelinstallation vorzuziehen.»
 

Artikel veröffentlicht:
09.05.2007
Autor:
Otto Hostettler | Konsumentenzeitschrift K-Tipp
Quelle:
K-Tipp Nr. 9 | 9. Mai 2007 Veröffentlicht auf diagnose:funk mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

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