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91 % der 12-jährigen Kinder besitzen Mobiltelefon

England: Gesundheitswarnung an Eltern
Als eine Umfrage ergab, dass 91% der 12-jährigen Kinder mittlerweile ein Mobiltelefon besitzen, rief die "Health Protection Agency" (Anm: Britische Gesundheitsbehörde) Eltern dazu auf, den Gebrauch einzuschränken.

"Wenn es ein Risiko gibt - und wir denken es könnte eines geben - dann werden Kinder die am meisten Betroffenen sein." sagte Dr. Jill Meara von der Gesundheitsbehörde. "Wir rufen Eltern dazu auf, sicher zu stellen, dass sie die gesamte Beweislage studiert haben, bevor sie sich entschliessen, ob sie ihren Kindern ein Mobiltelefon geben wollen. Sie haben einen Vorteil, aber nichts im Leben hat keine gefahren, und daher muss man die Vorteile gegenüber den potentiellen Gefahren gewichten. Die wirklichen Gefahren der Mobiltelefone werden wir noch einige Jahre nicht kennen."

Es gibt Befürchtungen, dass die elektromagnetische Strahlung welche von den Mobiltelefonen ausgeht, die Gesundheit gefährden können. Konkret gibt es Befürchtungen, dass die Körperzellen, das Gehirn oder das Immunsystem betroffen sein könnten, und dass eine Pallette von Krankheiten von Krebs bis Alzheimer entwickelt werden könnte. Die Regierung empfiehlt einen "vorsorglichen Umgang" und Dr. Meara warnte Kinder, ihre Gesprächszeit am Telefon zu beschränken. Sie bemerkte: "Wenn man einen stundenlangen Schwatz mit dem Freund halten möchte, dann sollte man dies an einem Festnetzanschluss machen. Wenn möglich, dann ist es auch besser stattdessen einen Text zu senden, weil dies die Bestrahlungsdauer reduziert."

Mobilkommunikationsfirmen brachten dagegen ein, dass der steigende Gebrauch den Kindern hilft, effizienter miteinander zu kommunizieren.

"Das Mobiltelefon wurde zum wichtigsten elektronischen Gerät der jungen Leute im heutigen England." sagte Charles Dunstone, CEO der Carphone Warehouse Group (Anm. "Autotelefon-Warenhaus-Gruppe", wörtl. übersetzt), welche die Umfrage durchführte. "Es gibt ihnen ein soziales Netz, ein Sicherheitsgefühl, und Zugang zu Entertainment. Aber am wichtigsten ist, dass es ihnen das gefühl gibt, zum Kreis ihrer Freunde dazuzugehören."

Die Gesundheitsbehörde ruft die Regierung dazu auf, Beipackzettel, welche auf die potentiellen Gefahren von Mobiltelefonen hinweisen, an jeden Käufer abzugeben. (Anm. der diagnose-funk: Dies ist in den USA momentan üblich.) "Solche Beipackzettel gab es vor einigen Jahren, aber sie sind offenbar verschwunden," sagte Dr. Meara. "Sie brauchen dringend eine Aktualisierung".

Die Umfrage fand desweiteren, dass nur ein Viertel der 11- bis 17-jährigen Bedenken hatten, dass ihr Mobiltelefon eine Gefahr für ihre Gesundheit darstellen könnte, verglichen mit einem Drittel bei den Eltern.

Die grösste Sorge, welche die meisten jungen Leute angaben, war die, dass ein Mobiltelefon sie einer Bedrohung durch Diebe aussetzt.

Die Mobile Operators Association, welcher alle Mobilfunkfirmen in England vertritt, sagte, dass die Entscheidung, ob man ein Mobiltelefon haben sollte, in der Hand der Eltern liegen sollte. "Mobile Technologie bietet Eltern und Kindern, die es schätzen, in Kontakt miteinander zu bleiben, eine Sicherheit an." sagte ein Sprecher. "Eltern können diese Vorteile gegenüber den gesundheitlichen Bedenken abwägen. Alle Mobiltelefone, die in England verkauft werden, halten die internationalen Gesundheits- und Expositionsgrenzwerte ein, welche vom Europäischen Rat der Gesundheitsminister 1999 übernommen wurden."
 

Anmerkung von diagnose-funk:

Es wäre zu wünschen, dass auch unsere Gesundheitsbehörden wenigstens eine Warnung aussprechen würden. Doch offenbar stehen unsere Beamten zu stark unter Druck.

Lächerlich ist, die Eltern dazu aufzurufen, die gesamte Beweislage zu studieren, um eine Entscheidung zu fällen, wenn die brisanten Studien auf den Seiten der Behörden nicht zu finden sind. Zudem ist die enorme Informationsflut durchtränkt von Manipulation und Betrug. Nur Insider können sich hier eine realitätsnahe Meinung bilden.

Artikel veröffentlicht:
19.09.2006
Autor:
Mark Prigg | dt. Übersetzung diagnose:funk
Quelle:
The Evening Standard (London), 19.09.2006