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Handy: So vermeiden Sie schädliche Strahlen

Schweizer 'Gesundheitstipp' macht Messungen
Über Lautsprecher oder Kopfhörer telefonieren statt mit dem Handy am Ohr: So reduziert man den Elektrosmog massiv. Dies zeigen Messungen des Gesundheitstipp.

Das Handy klingelt. Die beste Freundin ist dran – und ehe man sichs versieht, telefoniert man eine halbe Stunde. Wer dies regelmässig tut, setzt seinen Kopf einer hohen Strahlendosis aus. Doch jetzt zeigen Messungen des Gesundheitstipp: Wer das Handy nicht ans Ohr hält, sondern den eingebauten Lautsprecher oder einen Kopfhörer benutzt, kann den Elektrosmog stark verringern. Im Auftrag des Gesundheitstipp hat Baubiologe und Elektroingenieur Martin Virnich die elektrischen Felder beim Telefonieren gemessen – und das bei vier Arten:

  • Handy am Ohr
  • Kopfhörer mit Kabel
  • Kopfhörer mit Bluetooth-Funkverbindung
  • Handy auf dem Tisch, mit eingeschaltetem Lautsprecher.

Beim Telefonieren mit dem Handy am Ohr mass Virnich wie erwartet sehr hohe Werte: bis zu 60 000 Millivolt pro Meter (siehe Tabelle). Bei den drei anderen Arten lagen die Werte über 25-mal tiefer.

Die geringste Elektrosmog-Belastung – höchstens 1700 Millivolt – hat, wer das Handy auf den Tisch legt und über Lautsprecher telefoniert. Virnich: «Dabei sollte man zum Handy genügend Abstand wahren, am besten etwa einen Meter.» Wo dies nicht möglich ist, etwa unterwegs, ist ein Bluetooth-Kopfhörer empfehlenswert.

Auch ein Kopfhörer mit Kabel belastet den Kopf deutlich schwächer als das Handy direkt am Ohr. Damit relativieren die Messungen eine oft gehörte Befürchtung: Dass nämlich das Kabel zum Kopfhörer als Antenne wirke und den Elektrosmog vom Handy direkt ans Ohr weiterleite. Zwar hat Martin Virnich dieses Phänomen auch festgestellt. «Aber die Belastung des Kopfes ist trotzdem deutlich geringer.»

Verbindung zur Antenne beeinflusst Handystrahlung

Virnich dokumentierte auch grosse Unterschiede zwischen Minimal- und Maximalbelastung, wenn man das Handy ans Ohr hält: Im günstigsten Fall strahlt das Handy mit nur 900 Millivolt. Der Grund: Ein Handy sendet nicht immer mit derselben Leistung. Wenn die Verbindung zur Antenne gut ist, strahlt das Handy weniger stark.

Bei einer schlechten Verbindung, etwa in Häusern oder wenn die nächste Handyantenne weit weg ist, braucht das Handy mehr Sendeleistung. Virnich: «Dann ist mit massivem Elektrosmog zu rechnen.» Das Problem: Der Handybenutzer kann nicht wissen, wie stark sein Telefon gerade strahlt. Denn die Anzeige auf dem Bildschirm ist unzuverlässig. Virnich: «Auch wenn das Handy hier noch das Maximum anzeigt, kann der Empfang schon nicht mehr optimal sein.» Die Handy-Hersteller Nokia und Sony Ericsson bestätigten auf die entsprechende Anfrage, dass es sich nur um eine «ungefähre» Anzeige handle.

Auch das Frequenzband, auf dem das Handy sendet, wirkt sich auf die Strahlung aus. Die Messung belegt, dass im Frequenzband GSM 900 eine weitaus stärkere Belastung auftritt wie bei GSM 1800. Doch als Benutzer weiss man nicht, welches Frequenzband das Handy gerade nutzt.

Forscher finden immer mehr Hinweise auf die Gefahren der Handystrahlung. In einem Tierversuch hat ein Team beispielsweise untersucht, wie eine Feldstärke von über 10 000 Millivolt pro Meter wirkt – eine Feldstärke also, wie sie auch beim Telefonieren mit dem Handy am Ohr vorkommen kann. Sie bestrahlten Fruchtfliegen sechs Minuten am Tag mit bis zu 22 000 Millivolt: Schon nach fünf Tagen hatte sich die Fähigkeit der Fruchtfliegen, sich fortzupflanzen, deutlich verringert.

In der letzten Zeit hat sich der Verdacht erhärtet, dass Handystrahlung auch den Menschen krank macht. Yvonne Gilli von den Ärzten für Umweltschutz: «Die grösste Sorge gilt der Gefahr, an einem Hirntumor zu erkranken.» Einige Studien haben einen Zusammenhang zwischen Handygebrauch und Hirntumor festgestellt, andere wiederum sahen keinen.

Ärzte warnen: «Kinder sind besonders gefährdet»

Das Problem: Hirntumoren können zehn bis fünfzehn Jahre wachsen, bis die Betroffenen sie bemerken. Yvonne Gilli: «Es geht deshalb viel Zeit verloren, bis wir wissenschaftlich einwandfrei bewiesen haben, dass Hirntumoren durch das Telefonieren per Handy entstehen.» Tatsache ist jedoch, dass Hirntumoren häufiger werden.

Die Wissenschaft vermutet auch bei weiteren Krankheiten einen Einfluss des Handygebrauchs. Die Liste ist lang: chronische Kopfschmerzen, Alzheimer, Parkinson, Hirnschlag, verminderte Samenqualität bei Männern, grauer Star.

Ärzte warnen, dass Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind. Gilli: «Ihr Körper nimmt die Strahlen offenbar stärker auf als jener von Erwachsenen.» Zudem könnte ihr Gehirn sensibler auf Elektrosmog reagieren, weil es noch im Aufbau ist. Die Mobilfunk-Firmen beharren dagegen darauf, dass kein eindeutiger Beweis vorliege, dass Handytelefonieren schädlich sei. Yvonne Gillis Antwort: «Auch bei Nikotin und Asbest brauchte es viele Jahre kontroverser Forschung, bis sie als schädlich anerkannt wurden.» Beim Asbest vergingen sogar hundert Jahre zwischen den ersten Warnungen und dem Verbot. «Ich hoffe, dass wir bei der Handystrahlung rascher handeln», sagt die
Ärztin.

ELEKTROSMOG

So wurde gemessen:
Baubiologe Martin Virnich mass die Strahlen von drei Handys: Nokia 6500 classic, Motorola Razr2 V8 und Sony Ericsson W910i, jeweils mit Kopfhörern vom gleichen Hersteller. Die Werte in der Tabelle stellen jeweils den Durchschnitt der drei Handys dar. Bei den Kopfhörern (Bluetooth und Kabel) und dem Lautsprecher war das Handy jeweils einen Meter entfernt.

Artikel veröffentlicht:
10.06.2009
Autor:
Christian Egg | Konsumentenzeitschrift Gesundheitstipp
Quelle:
Gesundheitstipp 05 / 2009. Veröffentlicht auf diagnose:funk mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

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