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Mobiltelefonie: Verantwortungsloser Umgang

Wiener Ärztekammer warnt vor Schulbeginn
Rechtzeitig zu Schulbeginn mahnt die Wiener Ärztekammer einen verantwortungsvollen Gebrauch von Handys insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ein.

Noch immer werde die Gefahr der Handystrahlung in Österreich nicht wirklich ernst genommen. Gerade bei Kindern aber müsse man auf eine mögliche gesundheitliche Gefährdung im Umgang mit Mobilfunk achten und dürfe die Risiken der Handy-Nutzung nicht unterschätzen, verlautete aus der Ärztekammer.

Immer mehr Kinder in Österreich besitzen ein Handy. Dabei wird oft auf die Gefahren vergessen, die ein solcher Umgang mit sich bringen kann. "Abgesehen von möglichen negativen medizinischen Langzeitfolgen sind das vor allem Schulden, Sprachverfall und Kommunikationsdefizite", betont der Präsident der Ärztekammer für Wien, Walter Dorner (Bild).

Erst vor Kurzem hat eine australische Studie ergeben, dass die intensive Handy-Nutzung das noch in Entwicklung befindliche Gehirn von Kindern verändern kann. Typische SMS-Abkürzungen sowie ein häufiger Gebrauch der Texterkennung verleiteten dazu, zwar schneller zu denken und zu kommunizieren, aber gleichzeitig auch mehr Fehler zu machen - und sich nicht weiter daran zu stören. Dies wiederum könne zu Veränderungen von Denkmustern und Hirnstrukturen führen, so die Autoren der Studie.

"Ich verstehe, dass Eltern in Handys auch eine Hilfe bei wirklichen Notfällen sehen. Dass aber Schüler ihre Handys dauernd und selbst während des Unterrichts aufgedreht lassen und telefonieren, ist für mich unverständlich", so der Ärztechef weiter. Oft seien es sogar die Eltern, die während der Schulzeit Kinder anrufen und somit den gesamten Unterricht stören würden. Dorner appelliert hier an das Verantwortungsgefühl der Eltern, mit ihren Kindern das Gespräch zu suchen und diesen einen verantwortungsvollen Umgang mit moderner Mobiltelefonie näherzubringen.

Die von der Ärztekammer herausgegebenen "10 medizinischen Handyregeln" seien nach wie vor ein wichtiger Leitfaden für den sorgsamen Umgang mit Mobiltelefonen, betont Dorner. Jeder könne mit einfachen Schritten wie wenige und kurze Telefonate oder das Weghalten des Handys von Kopf und Körper während des Gesprächsaufbaus dazu beitragen, die Risiken entscheiden zu reduzieren, ohne dabei die Mobilität und die Sicherheit in Notfallsituationen zu verlieren, so der Ärztekammerpräsident.

Kein Grund für Entwarnung hinsichtlich der Tumorgefahr
Dorner weist auch darauf hin, dass sich abseits psychosozialer Aspekte die Sorge um mögliche Langzeitgefährdungen durch übermäßige Exposition von Mobilfunkstrahlen nicht geändert habe. Nach wie vor weise die Datenlage zu den Langzeitfolgen in Richtung Verdopplung des Tumorrisikos bei regelmäßiger Benutzung des Mobiltelefons - bei Kindern dürfte das Risiko sogar noch höher liegen. Diese vorläufigen Daten seien zu besorgniserregend, um die von der Mobilfunkindustrie verharmlosenden Prognosen, wonach es bei Einhaltung der Grenzwerte zu keiner gesundheitlichen Gefährdung käme, zu glauben. Es sei "äußert bedauerlich", dass viele Warnungen von Medizinern und insbesondere der Ärztekammer in Österreich weiterhin nicht ernst genommen würden, betont der Ärztechef.

Es gäbe eine Reihe europaweiter Studien, die eindeutig von möglichen Gefahren hinsichtlich eines Krebsgeschehens durch Mobilfunkstrahlen sprechen, so Dorner weiter. "Deshalb raten wir generell, natürlich auch Erwachsenen, zur Vorsicht." Nach wie vor werde in Österreich "eine Verharmlosung betrieben, die bei der weiten Verbreitung der Mobiltelefonie und dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand aus Sicht eines umfassenden Vorsorgegedankens keineswegs zu rechtfertigen ist", so der Ärztekammerpräsident abschließend. (kmc)

(S E R V I C E - Die Plakate "Strahlende Informationen: 10 medizinische Handy-Regeln" können in der Pressestelle der Ärztekammer für Wien kostenlos unter Tel.: 01/51501-1223 DW oder E-Mail: pressestelle@aekwien.at bestellt werden. Plakat-Download auf der Homepage der Ärztekammer für Wien: bitte klicken)

Kommentar Diagnose-Funk

Ebenso wie Diagnose-Funk appelliert die Ärztekammer für Wien an das Verantwortungsgefühl der Eltern. Eltern sind gefordert sich ausreichend und kritisch über diese Technologie zu informieren und ihren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang näher zu bringen und vorzuleben! Mittlerweile wird den Kindern das Handy aber auch als "Schulungswerkzeug aufgezwungen", wie unsere Berichterstattung zum Goldauer Unterrichtsprojekt - Französischunterricht mit dem Handy - gezeigt hat (siehe unten).
Für die Betreiber sind Kinder nur potentielle Kunden, für die Eltern hoffentlich das Wichtigste in ihrem Leben.

Artikel veröffentlicht:
12.09.2009
Autor:
Pressemitteilung der Wiener Ärztekammer
Quelle:
OTS, 06.09.2009