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Keine Handys unter dem Weihnachtsbaum

Ärztekammer warnt vor strahlenden Geschenken
Wien. Die Ärztekammer warnt vor strahlenden Geschenken unter dem Weihnachtsbaum. Ärztekammerpräsident Walter Dorner appelliert dabei vor allem an die Eltern, der "alljährlichen Werbeschlacht der Mobilfunkindustrie vor Weihnachten" nicht zu unterliegen und Handys an Kinder und Jugendliche nicht zu verschenken.

Es sei verständlich, dass die Mobilfunkindustrie sich speziell vom Weihnachtsgeschäft satte Gewinne erhoffe und alle Warnungen vor gesundheitlichen Gefährdungen durch häufiges Mobiltelefonieren, speziell bei Kindern und Jugendlichen, in verantwortungsloser Weise in den Wind schlage.

"Für die Umweltmediziner hat das Verkaufsargument aber keinerlei Bedeutung." Daher müsse Eltern, die ihre Kinder zu Weihnachten mit Handys beschenken, klar sein, dass die Mobiltelefone später auch verwendet würden und daher ein potenzielles Gesundheitsrisiko darstellten, so der Ärztekammerpräsident.

Der Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien, Erik Huber, wies darauf hin, dass erst kürzlich eine italienische, eine Schweizer und eine chinesische Arbeitsgruppe die Arbeiten des Wiener Arbeitsmediziners Hugo Rüdiger im Rahmen der so genannten "Reflex"-Studie über die biologische Wirkung elektromagnetischer Strahlung wieder bestätigt hätten. Bislang wurden die Wiener Ergebnisse aus der "Reflex"-Studie von der Mobilfunkindustrie stets in Abrede gestellt, was den deutschen Mediziner Franz Adlkofer, Leiter der EU-weiten "Reflex"-Studie, dazu veranlasste, von einem "Intrigenspiel der Mobilfunkindustrie und ihr nahestehende Wissenschafter" zu sprechen.

Huber appelliert auch an die Erwachsenen, sich weiterhin nach den von der Ärztekammer herausgegebenen "10 medizinischen Handyregeln" zu orientieren. Mit einfachen Schritten wie wenige und kurze Handytelefonate, das Weghalten des Handys von Kopf und Körper während des Gesprächsaufbaus sowie die Beachtung der SAR-Werte beim Kauf eines Handys könne jeder Einzelne dazu beitragen, die Strahlenexposition für sich selbst entscheidend zu reduzieren, ohne dabei seine Mobilität zu verlieren, so Huber.

Weitere Infos:

1. Täuschende Entwarnungen in der Vorweihnachtszeit

Kein Krebs durch Mobiltelefone -
was die dänische Handystudie wirklich aussagt.

Eine Information der Bürgerinitiative Stuttgart - West, 10.12.2009

Am 4. und 5. 12. 2009 erschien in der gesamten deutschen Presse die Meldung: „Studie beweist, kein Krebs durch Mobiltelefone“, so auch in der Stuttgarter Zeitung. Diese Meldung erscheint rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, eine Gewissensberuhigung für besorgte Eltern. Gut platziert von den PR-Strategen der Mobilfunkindustrie. Was sagt die dänische Studie wirklich aus? In einem Brief an die Chefredaktion der Stuttgarter Zeitung hat die Bürgerinitiative Stuttgart - West zum Inhalt der Studie und den Hintergründen der Berichterstattung Stellung genommen. Sie kritisiert: Diese Meldung ist eine geschäftsfördernde Desinformation, verfälscht die Aussagen der Studie und ist eine aktiver Beitrag zur Gesundheitsgefährdung.

Lesen Sie den Brief mit einer Analyse der Studie. Er enthält u.a. eine deutsche Übersetzung der Original-Zusammenfassung der Studie und ist nebenstehend als PDF verfügbar!

2. Weshalb ist die Presse nicht kritischer?

Den Redaktionen der verschiedenen Medien liegen genügend Informationen vor, welche eine kritische Berichterstattung zur Folge haben müsste. Auch eigene Recherche wäre ein Leichtes. Doch anscheinend ist das nicht gewollt. Lesen Sie daher hierzu einen Auszug aus einem Artikel der ZEIT 'Deutschland, entblättert' (26.11.2009/Seite 26 - s. gesamten Artikel unter dem nebenstehenden Link).

Es war ein besonderes Jahr für Zeitungen und Zeitschriften. Einige wurden eingestellt, einige trotzten der Krise, andere arbeiten an neuen Strategien. Auf dem Spiel steht unsere Meinungsvielfalt.

Auszug aus DIE ZEIT

(...) Auf dem Kommunikationskongress am Alexanderplatz in Berlin referiert die Mobilfunklobbyistin Una Großmann. Wie bestimmt man das, was in der Zeitung steht? Es gehe darum, die Meinungshoheit zu gewinnen, sagt sie, »Journalisten dazu zu bringen, dass sie unser Ziel kommunizieren – und zwar im redaktionellen Teil, nicht in den Anzeigen«.

Wie man das macht? Man biete Lokalsendern Hörfunkbeiträge an, »die kosten nicht viel«, ein paar O-Töne, dazu Vorschläge für die An- und Abmoderation. Wichtig sei es, die Inhalte zu lancieren, aber den Absender zu verschleiern. Am beliebtesten sei das »Rundum-sorglos-Paket«: fertige Texte, die Redaktionen nur noch abdrucken müssten, aufbereitet mit Infografiken, Protagonistenfotos, Experteninterviews. Ihr Arbeitgeber finanziere auch Ärztefortbildungen, und diese Ärzte könne man dann als Experten interviewen.

»Ich nutze Tageszeitungen, Frauenzeitschriften, Fachmedien«, sagt Una Großmann. »Es war nie einfacher als heute.«

Die Gleichung ist simpel: Je schwächer die Redaktionen, umso leichter haben es die Marketing-Abteilungen. (...)

3. Profit kennt keine Altersgrenze

Ein Bericht des englischen Mirror:
Shops sell mobile phones to kids as young as 10
Trotz offizieller Richtlinien, dass Kinder unter 16 keine Handys benutzen sollen, können Zehnjährige diese in Läden kaufen. Die meisten Händler haben keine Beschränkungen in Bezug auf das Alter der Personen und sie verkaufen Handys, obwohl den Eltern offiziell geraten wird, dass sie den Kindern sagen sollen, ein Handy nur im Notfall zu benutzen.

Testkäufe zeigten, dass Zehnjährigen in 11 Geschäften Handys verkauft wurden, nur aber in drei keine bekamen. Hunderttausende Eltern wollen ihren Kindern Handys zu Weihnachten schenken, aber die meisten sind in totaler Unkenntnis von offiziellen Richtlinien der Regierung oder neuer beunruhigender Forschung.
Eine schwedische Studie fand, dass Menschen, die mit dem Handytelefonieren vor dem 20. Altersjahr begonnen hatten, fünfmal mehr gefährdet waren, einen Tumor zu bekommen und eine zehn Jahre dauernde Studie der WHO erwartet durch den Langzeitgebrauch die Entstehung von drei Tumorarten.

Lesen Sie den englischen Originalartikel. Nebenstehend ist er als PDF zum Download verfügbar! Dort finden Sie außerdem einen Artikel mit allen Infos zu den Hintergründen.

Artikel veröffentlicht:
14.12.2009
Autor:
diagnose:funk
Quelle:
Pressemitteilung der Wiener Ärztekammer, OTS 6.12.2009

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