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US-Radiosender IBB in Valley

Studie belegt gefährliche Strahlung
Valley/München – Jahrelang haben die Menschen aus Valley (Kreis Miesbach) für eine Stilllegung des US-Radiosenders IBB gekämpft - 2003 hatten sie Erfolg. Jetzt beweist eine Studie, dass elektromagnetische Felder der Anlage schuld waren an ihren gesundheitlichen Beschwerden. Ein Ergebnis, das sich offenbar auch auf den Mobilfunk übertragen lässt.

Der Bürgermeister von Valley, Josef Huber, sagte mal: „Wir sind eine kleine Gemeinde, konfrontiert mit einem übermächtigen Gegner.” Der Gegner hieß IBB, war ein US-Radiosender und stand inmitten von Wohngebieten. Die Menschen außenrum bekamen Migräneanfälle, Schlafprobleme oder Übelkeit, sie wollten, dass der Gegner geht, aber er wollte bleiben. Also zogen sie vor Gericht - bis der Gegner 2003 nachgab. Heute weiß Valley, dass sich der Aufwand lohnte.

Ende Oktober hatte die Gemeinde - 3149 Einwohner, 15 Ortschaften und Weiler - eine „Einladung zur Pressekonferenz am Freitag, 16. November” an Medienvertreter geschickt: „Erstmals wurde in Deutschland mit einer wissenschaftlichen Studie nachgewiesen, dass elektromagnetische Felder gesundheitliche Störungen erzeugen”, stand darin. Die Autorin der Studie, Tina Theml, promovierte Psychologin, unter anderem tätig für die Technische Universität München, stellte gestern im Rathaus die Ergebnisse vor - eindeutige Ergebnisse.

Sie hatte eine Gruppe von Menschen, die in direkter Nähe der Senderanlage lebte, im Jahr 2001 - und dann noch einmal 2007 untersucht. „Diese Personen litten damals noch unter statistisch überdurchschnittlich stark ausgeprägten Symptomen wie Schlafstörungen, Energielosigkeit, Konzentrationsschwäche, Nacken- und Schulterschmerzen, Taubheitsempfindungen in Füßen und Händen”, sagte Theml. Bei der Nachuntersuchung 2007 habe sich ein statistisch signifikanter Rückgang der Beschwerden gezeigt: Litten vor sechs Jahren noch 52,3 Prozent der Studienteilnehmer unter Schmerzen, waren es vor rund einem halben Jahr gerade mal 6,8 Prozent.

Zwar soll die maximale Sendeleistung von IBB seinerzeit einer Strahlung von mehr als 20 000 Mobilfunkbasisstationen entsprochen haben - Professor Rainer Frentzel-Beyme, der Theml bei der wissenschaftlichen Untersuchung beraten hat, sagt jedoch: Die Elektrosensibilität in der Bevölkerung habe sich in vergangenen Jahren massiv erhöht: „Wir erwarten Schlimmes.”

Tatsächlich häuft sich in jüngster Zeit die Zahl einschlägiger Untersuchungen. Im ersten Quartal 2004 beschrieb zum Beispiel das Fachmagazin „Umwelt, Medizin, Gesellschaft” eine Fallstumit 65 Teilnehmern. Tenor: „Aufgrund der flächendeckenden Einführung der Mobilfunk-Technologie können nur noch wenige Menschen als völlig unbelastet gelten.” Erst kürzlich berichtete das Magazin über eine weitere Studie, die sich mit erhöhten Mobilfunkrisiken für Kinder im Vergleich zu Erwachsenen befasst. Das Ergebnis diesmal: „Durch eine höhere Empfindlichkeit des kindlichen Organismus kann sich eine Veranlagung für Erkrankungen im späteren Leben entwickeln” - die Wissenschaftler hatten nachgewiesen, dass die Empfindlichkeit „gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern mit der Verbreitung des Mobilfunks drastisch zugenommen” habe.

Karl Stemmler, Zweiter Bürgermeister in Valley, staunt über solche Nachrichten längst nicht mehr. Am Ende der Pressekonferenz sagte er gestern: „Die gesetzlichen Grenzwerte sind nicht sicher; das beweist die Studie, die Frau Theml für uns durchgeführt hat.”

Mögliche Krebserkrankungen sind in den Auswertungen allerdings nicht enthalten - sie waren statistisch nicht signifikant. Doch Valley hat solche Fälle erlebt: „32 Menschen in 30 Wohnhäusern”, sagt der Zweite Bürgermeister. Dafür braucht er keine statistische Signifikanz.

Artikel veröffentlicht:
16.11.2007
Autor:
Artikel veröffentlicht auf diagnose:funk mit freundlicher Genehmigung des Münchner Merkur.
Quelle:
Münchner Merkur, Artikel 'Zahlen, die Angst machen - Studie über gefährliche Strahlung'

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