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Investigativer Journalismus

Kampf gegen elektromagnetische Wellen

TV-Bericht über Elektrohypersensibilität
Die Ermittlung der Woche deckt auf, wie die Telefonbetreiber versuchen, jede Initiative zur weiteren Regelung der elektromagnetischen Strahlung zu blockieren. In ganz Europa steigt die Anzahl der Menschen, die elektrosensibel sind ...

Die Gefahren des Handys: Hirngespinst oder Wirklichkeit? Obwohl immer mehr Menschen unter Elektrohypersensibilität leiden, ist Europa geteilter Meinung. Unterdessen verfassen Telefonbetreiber ihre Gesundheitsnormen völlig unbelangt, wie die Studie der Woche zeigt.

 

Krankheit oder nicht?

Brennende Schmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Verdauungsprobleme, Gedächtnisverlust usw. Die Liste der Symptome einer Elektrohypersensibilität ist lang. Dennoch wird sie nach wie vor nicht als vollwertige Krankheit anerkannt. In einer 2005 veröffentlichten Studie erkennt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zwar die verschiedenen Symptome an, stellt aber keinen kausalen Zusammenhang mit elektromagnetischen Wellen her. „Einige Elemente lassen darauf schließen, dass diese Symptome auf bereits bestehende psychiatrische Erkrankungen zurückgeführt werden können bzw. auf Stressreaktionen, die sich aus der Angst vor möglichen gesundheitlichen Auswirkungen elektromagnetischer Felder ergeben.“, so die WHO. Lesen Sie dazu einen in Zeit Online erschienenen Artikel.

Die Meinungen der europäischen Wissenschaftler gehen auseinander

Während Schweden Elektrohypersensiblität als Behinderung anerkennt, sieht Frankreich die Symptome nicht offiziell als Krankheit an. Doch das Thema wirft auch in der französischen Republik Diskussionen auf. Im April wurde zum ersten Mal ein Betroffener für sein Leiden entschädigt. In der Schweiz wurde sogar schon das erste speziell für elektrohypersensible Personen entworfene Wohnhaus Europas gebaut.

2011 beantragte der Europarat formell, „Personen mit Symptomen der Intoleranz auf elektromagnetische Felder besondere Aufmerksamkeit zu schenken und spezielle Maßnahmen zu deren Schutz zu ergreifen, indem zum Beispiel sogenannte Weiße Zonen geschaffen würden, welche von Mobilfunknetzen nicht abgedeckt werden.“ Vorsichtsmaßnahmen, die bei Telefonie-Anbietern keineswegs auf Gegenliebe stoßen – sie sperren sich vielmehr gegen Initiativen zum Schutz vor elektromagnetischen Wellen. Vox Pop zeigt in seiner Ermittlung, dass zahlreiche Studien über eventuelle Gefahren des Mobiltelefons teilweise von den Telefongesellschaften selbst finanziert werden. Grund genug, an der Glaubwürdigkeit dieser Studien zu zweifeln.

Artikel veröffentlicht:
22.10.2014
Autor:
Nadine Ayoub
Quelle:
ARTE-Mediathek