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Hochspannungsleitung: Alarm für die Gesundheit

Forschung aus Tasmanien
Leben in der Nähe von Hochspannungsleitungen, speziell während der Kindheit, kann das Risiko von Leukämie oder Lymphomen erhöhen, berichtet eine Forschung aus Tasmanien.

Eine Studie mit 800 Patienten aus Tasmanien verfolgte zurück, wie nahe an Hochspannungsleitungen sie während ihres Lebens gewohnt haben. Erwachsene, die während ihrer ersten 15 Jahren jemals innerhalb von 300 Metern Abstand zu einer Hochspannungsleitung lebten, wiesen ein dreifaches Risiko für lympho-proliferative oder myelo-proliferative Störungen auf (LPD oder MPD). Diese umfassen Hodgin und Non-Hodgin-Lymphome, multiple Myelome und verschiedene Leukämien. Jene, die von Geburt an bis zum 5. Lebensjahr ununterbrochen in der Nähe von Hochspannungsleitungen gewohnt hatten, wiesen eine 5fache Zunahme auf.

Die Studie des Hobart-Onkologen Ray Lowenthal, der Krankenschwester Deirdre Tuck und der britischen Ärztin Isabelle Bray wurde im Septemberheft des Internal Medicine Journal vom Royal Australasian College of Physicians veröffentlicht. Obwohl man berücksichtigen muss, dass die Studie Einschränkungen hat, weisen die Resultate auf den Zusammenhang hin, dass längeres Wohnen nahe bei Hochspannungsleitungen, speziell in frühen Lebensjahren, später das Risiko einer Entwicklung von LPD oder MPD erhöht.

Die Studie zeigte einen Dosis-Wirkungs-Effekt. So stieg das Risiko an, je näher die Menschen an der Hochspannungsleitung lebten, je länger die Exposition dauerte und je höher die Spannung war. Andere Risikofaktoren, eingeschlossen niedriger sozioökonomischer Status und Jobs in der Landwirtschaft, in Giessereien, im Bergbau oder bei Damenfriseuren, wurden ausgeglichen.

Sie sagten, ihre Resultate bedürften noch weiterer Forschung, eingeschlossen Tierexperimenten bei Neugeborenen und im Mutterleib. „Es gibt noch keine schlüssige Antwort, es ist genau genommen keine perfekte Studie“, sagte Dr. Lowenthal. „Wir fanden einen interessanten Hinweis, der durch andere untersucht und in anderen Studien bestätigt werden müsste, aber die Resultate waren eher überraschend.“

TRANSEND, der das Tasmanische elektrische Übertragungssystem gehört, sagte, der Bericht sei akzeptabel. „Die Elektrizitätsindustrie hier, in Tasmanien und auf der ganzen Welt, verfolgt diese Problematik und unterstützt die wissenschaftliche Forschung über elektrische und magnetische Felder (EMFs) und ihre Wirkungen auf die Gesundheit“, sagte der CEO von TRANSEND, Richard Bevan. Er sagte, TRANSEND entwickelte seine Anlagen in Abstimmung mit Gesundheits- und Sicherheitsrichtlinien, die auch den Aufbau von Leitungen in Grundstücken oder in Landkorridoren mit einer Weite von bis zu 60 Metern beinhalten. „Dies ist eine strikte Vorsichtsmassnahme, die sicherstellt, dass eine Sicherheitsdistanz zu Häusern, Schulen und anderen Gebäuden und Bauten besteht.“

Er sagte, dass die Australian Radiation Protection und die Nuclear Safety Agency den Schluss zog, dass die Beweisgrundlage nicht darauf hindeutet, dass eine Exposition von 50 Hz elektrischer und magnetischer Felder rund um Häuser oder Büros oder in der Nähe von Hochspannungsdrähten gesundheitliche Schäden mit sich bringe. „Alle elektrischen Anlagen senden EMFs aus, eingeschlossen Haushaltsapparate und elektrische Leitungen in Häusern, genauso wie Leitungen auf den Strassen“, sagte Mr. Bevan.

Die Autoren bemerkten dazu, dass Studien aber dennoch einen Zusammenhang zwischen EMFs und Kinderleukämie gezeigt hätten. Diese Studie untersuchte Schädigungen bei Erwachsenen. Man verfolgte 854 Menschen in Tasmanien von der Geburt bis zur Diagnose (in 94 Fällen) zwischen 1972 und 1980 zurück, ebenso zufällig aufgenommene Kontrollpersonen.
 

Kommentar von Diagnose-Funk

Es ist erstaunlich, dass solche Studien trotz eines umfangreichen „body of science“ immer wieder als unerwartetes alleinstehendes Resultat dargestellt werden. Dr. H.-P. Neitzke vom ECOLOG-Institut, Hannover umriss die Sachlage auf dem 1. Nationalen Kongress Elektrosmog-Betroffener am 22. Nov. 2003 in Biel realistischer: „Die epidemiologischen Studien (Anm: zur Kinderleukämie durch niederfrequente Felder) sind mittlerweile so überzeugend, dass da niemand mehr dran zweifelt.“ Prof. Ray Lowenthal bemerkte gegenüber Diagnose-Funk, dass der Journalist eventuell deshalb so „excited“ war, weil es die erste epidemiologische Studie um Hochspannungsleitungen in Australien war. Er merkte an: „Natürlich sind wir nicht die Ersten, die über einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen einer Exposition durch elektromagnetische Felder und einer späteren Entwicklung von Krebs berichten.

Einzig die Experimente an Ratten zeigen mit zunehmenden Umsätzen der Mobilfunkindustrie immer seltener Krebserkrankungen. Doch hier gibt es beträchtliche Unterschiede in der Krebsanfälligkeit unter den transgenen (d.h. zwecks Krebsbeschleunigung genmanipulierten) Rattenfamilien – sogar innerhalb einer transgenen Familie. Das gewünschte Ergebnis kann damit gut „justiert“ werden.

Voller Titel

Lowenthal, R.M., Tuck, D.M., Bray, I.: Residential exposure to electric power transmission lines and risk of lymphoproliferative and myeloproliferative disorders: a case-control study; Internal Medicine Journal; 2007; 37: 614-619

Artikel veröffentlicht:
12.09.2007
Autor:
diagnose:funk
Quelle:
PubMed