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Mobilfunkmasten schrecken Käufer ab

Immobilienmakler klagen über Antennen
München. Die Diskussion über eine gesundheitsgefährdende elektromagnetische Strahlenbelastung durch den Mobilfunk wird wieder intensiver. Für das geplante UMTS-Netz, das für rund 50 Milliarden Euro an die Mobilnetzbetreiber verkauft wurde, werden neue Masten aufgestellt. Bürgerinitiativen und Kommunen protestieren gegen den Ausbau der Netze, die Strahlenangst wächst. Zahlreiche Studien über Krebsfälle wurden vorgelegt, Politiker erhalten Protestbriefe, und Mobilfunkbetreiber werden angefeindet.

Jetzt schlagen auch die Immobilienhändler Alarm.

"Wir stellen fest, dass Kaufinteressenten immer öfter Abstand beim Erwerb von Eigentumswohnungen und Häusern nehmen, wenn in unmittelbarer Nähe von diesen Gebäuden Mobilfunksendeanlagen stehen", sagt Hubertus von Medinger, Geschäftsführer der gleichnamigen Münchner Immobilienfirma: Jeder Sendemast mindere den Kaufpreis. 700 Sendeanlagen sind bereits in München installiert, 1200 sollen es bis Mitte nächsten Jahres werden. Bayernweit gibt es knapp 6000 Anlagen. Bald sollen es 8000 sein.
Die Standorte sagen nichts über die wirkliche Anzahl der Antennen aus, oft verbergen sich gleichzeitig GMTS-, UMTS- und gemischte Anlagen auf den Masten - zusammen ein mächtiger Strahlenmagnet. Experten sind sich einig, dass es wesentlich mehr Antennen-Sendeanlagen gibt, als Standorte. Denn die Mobiltelefonbetreiber müssen ihre Antennen nicht melden, die Angaben sind freiwillig: Wie viele Antennen also im Stadtgebiet bisher schon aufgestellt wurden, weiß niemand.

Medinger rechnet damit, dass die bisher bekannten Sendemasten für eine Wertminderung bei mehreren Millionen Quadratmetern Wohn- und Gewerbefläche in München verantwortlich sind: "Dies könnte grob gerechnet einen Schaden am Privat- und Volksvermögen in Milliardenhöhe für die Landeshauptstadt bedeuten."
Der Makler befragte seine Kollegen in Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg, um ein klareres Bild von den Schäden für die Immobilien zu erhalten: Demnach gaben 70 Prozent der befragten Makler an, dass sich Sendemasten verkaufshemmend oder wertmindernd auf den benachbarten Immobilienbesitz auswirken. Der Studie zufolge gibt es Kunden, die nicht einmal eine 50-prozentige Kaufpreisminderung akzeptierten, wenn sich Haus oder Wohnung in unmittelbarer Nähe einer Sendeanlage befinden. Medinger weiß, dass zahlreiche Haus- und Wohnungsbesitzer Sammelklagen gegen Stadt und Betreiber planen.

"Doch Sammelklagen gibt es nur in den USA", sagt der Münchner Rechtsanwalt Klaus Mertens. Gegner von Mobilfunk-Sendemasten müssen einzeln vor Gericht ziehen. Mertens Kanzlei klagt momentan gegen einen Mobilfunkbetreiber und einen Hauseigentümer, der einen Sendemasten auf seinem Hausdach anbringen ließ. Und zum ersten Mal verknüpft Mertens diese Klage mit einer Forderung nach Wertminderung der Immobilie.

 

 

Artikel veröffentlicht:
21.04.2002
Autor:
Ekkehart Baumgartner | Welt am Sonntag
Quelle:
Welt am Sonntag

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